Morgiger Investorentag - Richtet Logitech mit der «grossen Kelle» an?

Logitech könnte am Investorentag in mehrerlei Hinsicht positiv überraschen - unbegründete Angst vor einem Amerika-Abenteuer bei Weltmarktführer Straumann - Und: Greift China nach dem Sensorenhersteller AMS?
05.03.2018 12:30
cash Insider
Richtet Logitech mit der «grossen Kelle» an?
Bild: fotolia.com

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Was musste sich Logitech vor wenigen Jahren nicht alles anhören: Dem Erfinder der Computer-Maus sei die Innovationskraft abhanden gekommen, hiess es. Ausserdem wurde ihm nachgesagt, den Trend weg von Computern hin zu Tablet-PCs und Smartphones zu spät erkannt zu haben. Und tatsächlich war man zwischenzeitlich gezwungen, solche Peripheriegeräte von Drittanbietern teuer einzulizenzieren.

Doch das war einmal. Fünf Jahre nachdem Bracken Darrell den Chefsessel bei Logitech übernommen hat, ist das in Lausanne beheimatete Unternehmen kaum mehr wiederzuerkennen. Es strotzt nur so vor Innovationskraft. Letztere wiederum lässt die Kasse klingeln.

Eine Ergebnisüberraschung jagt die andere und eine Erhöhung der Zielvorgaben folgt auf die nächste. Das ist eigentlich der Stoff, aus dem Anlegerträume gemacht werden.

Dennoch trennen die Valoren von Logitech mittlerweile gut 12 Prozent von den langjährigen Höchstkursen bei 40,82 Franken von Ende Januar. Aus Sicht der Aktionäre erweisen sich die letzten Monate unter dem Strich als ein Nullsummenspiel.

Aktien von Logitech (rot) im 12-Monats-Vergleich mit dem SPI (grün) (Quelle: www.cash.ch)

Wenn das Unternehmen morgen zum Investorentag nach Zürich lädt und sich das "Wer-ist-wer" der Finanzindustrie die Klinke in die Hand gibt, hat Bracken Darrell es in der Hand: ermutigende Zielvorgaben für das Fiskaljahr 2018/19 oder ambitionierte neue Mittelfristziele könnten den eigenen Aktien neue Impulse verleihen.

Dasselbe dürfte der Fall sein, sollte Logitech den Vorstoss in noch nicht erschlossene, aussichtsreiche Produktkategorien sowie eine Neuauflage des Aktienrückkaufprogramms ankündigen.

Ob Logitech eine Bombe platzen lassen kann, wird sich am morgigen Tag zeigen müssen. Bracken Darrell muss jedenfalls auf der Hut sein, will er nicht dem eigenen Erfolg zum Opfer fallen.

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Geht es um Dentalimplantate, gilt Straumann als das Mass aller Dinge - wie sich das für einen Weltmarktführer gehört.

Unter Konzernchef Marco Gadola kann das Vorzeigeunternehmen aus Basel auf Wachstumsraten zurückblicken, von denen andere Mitbewerber wie Zimmer Holdings nicht mal zu träumen wagen.

Seit dem späten Freitagnachmittag treffen aus dem amerikanischen Raum Berichte bei uns ein, wonach sich Zimmer Holdings vom Geschäft mit Dentalimplantaten trennen wolle. Die Investmentbank sei mit dem Verkauf der Sparte beauftragt worden, so heisst es.

Neben Finanzinvestoren muss auch der Basler Weltmarktführer als potenzieller Interessent herhalten.

Dass sich Straumann den kleineren Rivalen einverleibt, kann ich mir jedoch beim besten Willen nicht vorstellen. Zum einen wächst das Unternehmen noch immer prozentual zweistellig – und das erst noch aus eigener Kraft. Zum anderen stiess es mit der Übernahme von ClearCorrect erst kürzlich in einen zukünftigen Wachstumsmarkt vor. Ins organische Wachstum investiert scheint das Geld wesentlich besser angelegt und ein Kauf des Dentalimplantategeschäfts von Zimmer Holdings völlig überflüssig.

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Der Sensorenhersteller AMS gilt als heisser Übernahmekandidat - und das seit einer gefühlten Ewigkeit. Mit Microchip Technology fällt nun ein möglicher Käufer weg. Die Amerikaner übernehmen für umgerechnet 10 Milliarden Franken den Rivalen Microsemi.

Bleiben noch andere immer wieder ins Spiel gebrachte Interessenten wie Texas Instruments. Doch auch den Chinesen werden Begehrlichkeiten nachgesagt, stellte Peking der heimischen Halbleiterindustrie doch erst vor wenigen Tagen wieder einen zweistelligen Milliardenbetrag für strategische Firmenübernahmen im Ausland zur Verfügung.

Achterbahnfahrt der AMS-Aktien über die letzten Wochen (Quelle: www.cash.ch)

Im hiesigen Handel frägt man sich deshalb, ob die Chinesen nach AMS greifen. Am Rivalen Dialog Semiconductor halten sie zumindest schon mal eine strategische Beteiligung.

Interessant ist, dass sich milliardenschwere Grossübernahmen in der Halbleiterindustrie für gewöhnlich auf dem Zyklushoch häufen. In dieses Bild passt übrigens auch die unfreundliche Übernahmeofferte von Broadcom für Qualcomm. Sie schreit förmlich vor Signalwirkung für die Anleger.

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