Muss die Credit Suisse bei der Dividende über die Bücher?

Bekannter Bankenanalyst stellt die Dividendenpläne der Credit Suisse in Frage - Und: Nach Leonteq droht dem bekannten Vermögensverwalter Veraison auch um Ascom Ungemach.
27.12.2016 12:30
cash Insider
Muss die Credit Suisse bei der Dividende über die Bücher?
Bild: fotolia.com

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Die Verantwortlichen der Credit Suisse haben sich selbst wohl den grössten Gefallen getan. Noch vor dem verlängerten Weihnachtswochenende einigte sich die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken just in letzter Minute mit dem amerikanischen Justizministerium im Streit rund um die Verbriefung fragwürdiger Hypothekarkredite.

Wie es heisst, wollten die Firmenvertreter um den nicht unumstrittenen Konzernchef Tidjane Thiam den Vergleich mit dem amerikanischen Justizministerium unbedingt noch in die laufende Rechnung des Schlussquartals hineinpacken. Vermutlich war ihnen deshalb fast jeder Preis recht.

Die Zeche - in Form einer einmaligen Strafzahlung über 2,48 Milliarden Dollar und Entschädigungszahlungen in Höhe von 2,8 Milliarden Dollar über fünf Jahre - müssen einmal mehr die Aktionäre bezahlen. Weil in der Vergangenheit nur läppische 500 Millionen Franken für den Vergleich zurückgestellt wurden, belastet die am Freitag erzielte Einigung die laufende Rechnung mit rund 2 Milliarden Dollar.

In Analystenkreisen kommt der Vergleich überraschend gut an, fällt damit aus Sicht der Credit Suisse doch ein gewichtiger Unsicherheitsfaktor weg - obwohl die Vergangenheitsbewältigung noch lange nicht abgeschlossen ist.

Kursentwicklung der CS-Aktien (rot) im Vergleich zum SPI (grün) über die letzten 12 Monate; Quelle: www.cash.ch

Nur ein Experte spricht Klartext: In einem Kommentar der Genfer Privatbank Mirabaud & Cie zeigt sich der früher für die Zürcher Kantonalbank tätig gewesene Autor skeptisch, was die Dividendenpläne der Grossbank anbetrifft.

Die Strafzahlung von 2,48 Milliarden Dollar schmälere die Kernkapitalquote (Tier-1) von 11,97 auf 11,23 Prozent und den Verschuldungsgrad (Leverage Ratio) von 3,41 auf 3,2 Prozent, so schreibt er.

Beziehen im nächsten Frühling nur die Hälfte der Aktionäre die Jahresdividende in Form neuer Aktien - was realistischerweise anzunehmen ist - fällt die Kernkapitalquote seinen Berechnungen zufolge sogar auf unter 11 Prozent.

Nach dem milliardenschweren Vergleich mit dem amerikanischen Justizministerium ist die Credit Suisse jetzt erst recht auf einen erfolgreichen (teilweisen) Börsengang der Universalbank Schweiz angewiesen.

Allerdings darf an dieser Stelle nicht vergessen gehen, dass es sich bei diesem Schritt um eine die zukünftigen Gewinne verwässernde Kapitalbeschaffungsmassnahme handelt. Ganz egal wie viele Milliarden die geplante Platzierung in die Kasse der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken spült - es werden damit nicht Aktionärswerte geschaffen, sondern vernichtet.

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Als der bekannte Vermögensverwalter Veraison Anfang Juli mit 3,2 Prozent bei Leonteq einstieg und seine Beteiligung zügig auf 5,01 Prozent ausbaute, schossen die Aktien des Anbieters strukturierter Produkte innerhalb weniger Tage um nahezu 50 Prozent nach oben.

Allerdings zahlten die Trittbrettfahrer von damals ein hohes Lehrgeld: Nach der überraschenden Gewinnwarnung von vor zwei Wochen gelten die Valoren der ehemaligen Tochtergesellschaft von EFG International an der Börse nicht mal mehr halb so viel wie noch im Sommer.

Leonteq ist übrigens nicht die einzige Beteiligung, welche sich so gar nicht wie von Veraison erwartet entwickeln will. Auch bei den Aktien des Berner Telekommunikationskonzerns Ascom zeigt der Kursverlauf schon seit Wochen nach unten.

Fahlfahrt der Ascom-Aktien während den letzten Wochen; Quelle: www.cash.ch

Zuletzt setzten gleich mehrere Aktienanalysten bei ihren Schätzungen den Rotstift an. Das lässt aufhorchen, erhielt das Unternehmen vor wenigen Tagen doch sogar einen neuen Auftrag aus Dänemark.

Nach einer Abfolge von Ergebnisenttäuschungen und Gewinnwarnungen bleibt Ascom den Beweis weiterhin schuldig, dass nach dem Verkauf des Sorgenkinds Network Testing alles besser wird. Droht dem Telekommunikationskonzern - wie im Berufshandel gemunkelt wird - eine weitere Ergebnisenttäuschung, wäre das der Investmentthese von Veraison und den anderen hochkarätigen Grossaktionären wie Sterling Strategic Value so gar nicht zuträglich.

 

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