Muss sich die SNB geschlagen geben?

Ein Währungsstratege wähnt die Schweizerische Nationalbank im Kampf gegen den starken Franken vor der Aufgabe und warnt vor einem Schock - Und: Kursschwäche bei Meyer Burger gibt Rätsel auf.
07.11.2016 12:30
cash Insider
Muss sich die SNB geschlagen geben?
Bild: fotolia.com

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Was immer Thomas Jordan und seine Direktoriumskollegen bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) auch beschliessen - an Kritik aus Politik und Wirtschaft wird nicht gespart.

Auch wenn die heute früh veröffentlichten Fremdwährungsbestände von Ende Oktober in Kombination mit den bereits bekannten Sichtguthaben der Geschäftsbanken erst einmal auf keine grösseren Interventionen im vergangenen Monat hindeutet: Der Aufwertungsdruck beim Franken war in den ersten November-Tagen so gross wie lange nicht. Aus dem Devisenhandel weiss man mir denn auch von Hinweisen für ein Eingreifen seitens der Schweizer Währungshüter zu berichten.

In einem Kommentar der Commerzbank geht der hierzulande nicht unbekannte Autor sogar noch einen Schritt weiter. Wie er schreibt, riecht es förmlich nach einer Wiederholung des Schocks rund um die überraschende Aufgabe des Euro-Mindestkurses vom Januar letzten Jahres. Mit anderen Worten: Der Währungsstratege schliesst nicht aus, dass sich die SNB wie damals geschlagen geben muss.

Noch erachtet er das jüngste Erstarken des Frankens zwar nicht als Ende des seines Erachtens nicht nachhaltigen Schweizer Wechselkursregimes. Ein weiterer und zwar ausgesprochen dicker Sargnagel für dieses Regime sei das Erstarken aber alleweil, so lässt der Verfasser im Kommentar durchblicken.

Seit wenigen Wochen führt das amerikanische Finanzministerium die SNB vom amerikanischen Finanzministerium auf der Liste potenzieller "Wechselkursmanipulatoren". Eine eher zweifelhafte Ehre, auch wenn sie sich auf der Liste in prominenter Gesellschaft mit der Peoples Bank of China und der Bank of Japan befindet. Allerdings war die SNB alleine seit Anfang Jahr dazu gezwungen, im Gegenwert von 70 Milliarden Franken am offenen Markt zu intervenieren.

Auf internationalen Druck hin und aufgrund der insgesamt noch immer recht stabilen wirtschaftlichen Situation der Schweiz könnten die Währungshüter den Franken durchaus wieder etwas stärker werden lassen. Näheres werden wir wohl erst dann erfahren, wenn die Unsicherheit rund um das Rennen um das Amt des amerikanischen Präsidenten entschieden ist.

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Seit Freitag ist die Leidensgeschichte der Aktionäre von Meyer Burger um ein wenig ruhmvolles Kapitel reicher: Noch in der ersten Handelsstunde brach eine Ausverkaufswelle über die Aktien des einstigen Vorzeigeunternehmens aus dem bernischen Gwatt herein.

In der Folge tauchten die Kursnotierungen bis auf 2,25 Franken und damit auf den tiefsten Stand in der Firmengeschichte. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Valoren mehr als 26 Prozent unter dem Schlussstand vom Vortag. Bei Handelsende resultierte dann noch ein Minus von knapp 14 Prozent auf 2,64 Franken.

Auf der Suche nach möglichen Gründen für die Ausverkaufswelle wurden die Auguren bei vorsichtigen Aussagen von First Solar zum Branchenumfeld fündig. Wenn sogar führende Unternehmen wie der mächtige amerikanische Solarkonzern den Gürtel enger schnallen müssen, bekommen das die Zulieferer erst recht zu spüren. Doch auch davon, dass in der ersten Handelsstunde grössere limitierte Verkaufsaufträge losgetreten worden seien, war in den Finanzmedien zu lesen.

Das dürfte aber nur die halbe Wahrheit sein. Denn insgesamt wechselten am Freitag knapp 2,8 Millionen Aktien die Hand, was gut 3 Prozent der sich im Publikum befindlichen Titel entspricht. Wie mir Händler berichten, wurden sowohl im frühen als auch im späten Handel immer wieder grössere Blöcke von bis zu 50'000 Aktien auf den Markt geworfen. Das lässt vermuten, dass hier grössere Aktionäre am Werk waren - und unternehmensspezifische Gründe schuld am Kursdebakel sein könnten.

Denn noch immer ist die Frage rund um die Refinanzierung der im Mai nächsten Jahres fällig werdenden Anleihe im Gegenwert von 130 Millionen Franken offen. Dass der Tag der Rückzahlung unaufhaltbar näher rückt und das Unternehmen noch keine Lösung präsentiert hat, sorgt zusehends für Nervosität. Bleibt nicht nur für die Aktionäre, sondern auch für alle anderen Anspruchsgruppen von Meyer Burger zu hoffen, dass eine solche doch noch gefunden werden kann.
 

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