Mutige Wette - AMS: Computergesteuerter Fonds setzt auf tiefere Kurse

Der cash Insider über eine gewagte Wette eines von Computer gesteuerten Hedgefonds gegen die Aktien von Anlegerliebling AMS – Und: Wird Panalpina nun doch noch ins Ausland verkauft?
07.08.2017 12:30
cash Insider
AMS: Computergesteuerter Fonds setzt auf tiefere Kurse
Bild: fotolia.com

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Dass Maschinen über die Menschheit herrschen, kennt man bisweilen nur von Hollywood-Klassikern wie "Terminator" oder "Die Matrix". Was nach Zukunftsmusik tönt, ist an den Aktienmärkten allerdings heute schon bittere Realität. So ist der Programmhandel weltweit für geschätzte 80 Prozent der Handelsvolumina verantwortlich - Tendenz zunehmend.

Und obwohl Renaissance Technologies bei uns in der Schweiz nur den wenigsten Marktakteuren ein Begriff sein dürfte, mischt der 65 Milliarden Dollar schwere amerikanische Hedgefonds im hiesigen Programmhandel kräftig mit. 1982 vom bekannten Mathematiker James Simons gegründet, wird Renaissance Technologies seit wenigen Jahren von den zwei ehemals für IBM tätigen Computerwissenschaftlern Peter Brown und Robert Mercer weitergeführt. Alleine schon dieses geballte Wissen lässt vermuten, dass es sich um keinen gewöhnlichen Fonds handelt. Die Transaktionen werden nämlich von einem ausgetüftelten Computerprogramm ermittelt. Und es gibt noch eine Besonderheit: Von den verwalteten Vermögen entfällt ein Grossteil auf die Mitarbeiter selbst.

Gegenüber der Schweizer Börse SIX musste sich Renaissance Technologies in der Vergangenheit bei Unternehmen wie dem Pharmahersteller Santhera, der auf Konsumkredite spezialisierten Cembra Money Bank oder dem Detailhandelskonzern Valora als Grossaktionär zu erkennen geben. Unvergessen bleibt eine Derivatwette gegen Leonteq, die die Amerikaner nach dem Einstieg des Hedgefonds-Pioniers und UBS-Verwaltungsrats Rainer-Marc Frey vermutlich viel Geld kostete.

Mit dem Sensorenhersteller AMS rückt nun ein weiteres in der Schweiz kotiertes Unternehmen ins Visier des Hedgefonds. Anfang Juni meldete Renaissance Technologies erstmals Veräusserungspositionen im Umfang von 3 Prozent. Wie einer Offenlegungsmeldung entnommen werden kann, wurden diese über mehrere Wochen hinweg auf 4,05 Prozent ausgebaut.

Über die Beweggründe lässt sich bloss spekulieren. Vermutlich stützt sich die Wette eher auf Kursmuster als auf fundamentale Überlegungen ab.

Schon seit Tagen haben die Inhaberaktien von AMS an der Börse einen eher schweren Stand (Quelle: www.cash.ch).

Zwar sind die Aktien von AMS in den vergangenen Tagen deutlich unter die bisherigen Höchststände bei knapp 78 Franken gefallen. Dennoch führen sie die hiesige Gewinnerliste seit Jahresbeginn an. Und selbst wenn sich die Argumente für oder gegen tiefere Kurse beim Sensorenhersteller in etwa die Waage halten, wird sich zeigen müssen, ob die Wette des computergesteuerten Hedgefonds aufgeht.

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Der Luftfrachtspezialist Panalpina stellt die Geduld der Aktionäre auf eine harte Probe. Schon seit Jahren verzögert sich der operative Turnaround immer wieder - nicht selten aufgrund hausgemachter Probleme.

Erst vor zwei Wochen verfehlte das Traditionsunternehmen aus Basel mit dem Zahlenkranz für das zurückliegende zweite Quartal die Analystenerwartungen einmal mehr sehr deutlich.

Das hält die für die amerikanische Investmentbank Jefferies tätigen Autoren einer Branchenstudie jedoch nicht davon ab, die Aktien des Sorgenkinds aus Basel von "Underperform" auf "Hold" heraufzustufen.

So richtig wohl scheint ihnen mit ihrem neuen Anlageurteil dennoch nicht. Denn zum einen streichen sie die diesjährigen Gewinnschätzungen noch einmal kräftig zusammen und zum anderen liegt das neu 110 (bisher 100) Franken lautende Kursziel um nicht weniger als 12 Prozent unter dem Schlussstand vom Freitag.

Aufhorchen lässt der Hinweis, dass Panalpina in ausländische Hände fallen könnte. Als mögliche Käufer müssen in der Branchenstudie finanzkräftige Rivalen wie DSV, XPO Logistics oder Maersk herhalten.

Die Kurserholung bei den Aktien von Panalpina wurden jüngst von schwachen Quartalszahlen ausgebremst (Quelle: www.cash.ch).

Schwer einzuschätzen ist der jüngste Beteiligungsausbau durch Artisan Partners auf etwas mehr als 10 Prozent. Neben den Amerikanern halten auch Cevian Capital und Janus Capital namhafte Pakete. Das letzte Wort hätte allerdings die Ernst Göhner Stiftung. Sie hält gut 43 Prozent der Stimmen.

Vielleicht wird der schon seit Jahren als heisser Übernahmekandidat gehandelte Luftfrachtspezialist ja doch noch ins Ausland verkauft. Am Freitag war jedenfalls gleich in mehreren Call-Warrants Kaufinteresse auszumachen.
 

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