Nach CEO-Rücktritt - Wie gehts bei GAM nun weiter?

Mit dem Rücktritt von Alexander Friedman alleine lassen sich die Leerverkäufer bei GAM noch lange nicht abschütteln – Und: Kaufempfehlungen verhelfen einer schlecht handelbaren Aktie zu einer kräftigen Kurserholung.
06.11.2018 12:30
cash Insider
Wie gehts bei GAM nun weiter?
Bild: fotolia.com

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Die Zeit von Alexander Friedman an der Spitze des Vermögensverwalters GAM ist vorbei. Weshalb nicht gleich so, fragt man sich im hiesigen Handel - und das zu Recht. Denn nach der Suspendierung eines Star-Fondsmanagers und der Schliessung der von ihm betreuten Fonds war eigentlich klar, dass weitere Köpfe rollen müssen.

Alleine zwischen Juli und September zogen Kunden unter dem Strich Gelder in Höhe von gut 8 Milliarden Franken ab. Gefolgt von einer weiteren Milliarde Franken im Oktober, sofern man offiziellen Fondsstatistiken Glauben schenken darf.

Vorbörslichen noch kräftig im Plus, erweist sich die Kurserholung bei den Aktien von GAM heute als blosses Strohfeuer. Und das aus gutem Grund: Mit dem Rücktritt von Alexander Friedman alleine ist es nämlich noch nicht getan (siehe auch GAM-Aktionäre wollen weitere Taten sehen von heute). In einem ersten Schritt muss sich der Vermögensverwalter nun rasch umsetzbaren Kostensenkungsmassnahmen verschreiben, will er den zuletzt stark rückläufigen Kundenvermögen Rechnung tragen. In einem weiteren Schritt ist dann aber eine glaubwürdige Wachstumsstrategie gefragt - sofern sich der Vermögensverwalter nicht doch noch ins Ausland verkauft. Allerdings käme ein solcher Verkauf einer Kapitulation gleich.

Der Begriff "katastrophal" trifft es am besten: Kursentwicklung der GAM-Aktien über die letzten zwölf Monate. (Quelle: www.cash.ch)

Wie auch immer die Zukunft von GAM aussieht - Silchester International dürfte ein entscheidendes Wort mitzureden haben. Immerhin sind die Briten mit ihren 19 Prozent der Stimmen die mit Abstand stärkste Kraft im Aktionariat. Dass ausgerechnet Silchester International in der ersten Hälfte letzten Jahres eine Abwahl Friedmans verhinderte, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Als Gegenspieler der Grossaktionäre gelten übrigens die unzähligen Leerverkäufer. Wie einem Kommentar aus dem Handel von Kepler Cheuvreux entnommen werden kann, liefen zuletzt Wetten in Höhe von fast 10 Prozent der ausstehenden Aktien gegen GAM. Leerverkäufer bräuchten neun durchschnittliche Tagesvolumen, um ihre Wetten wieder zu schliessen.

Das werden sie aber vermutlich nur dann tun, wenn der Vermögensverwalter möglichst bald konkret wird und endlich mit überzeugenden Massnahmen aufwartet. Doch auch mit einem Verkauf ins Ausland liesse sich den Leerverkäufern letztendlich ein Schnippchen schlagen.

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Noch bis vor wenigen Jahren wechselten bei Bobst nur ein paar Tausend Aktien am Tag die Hand. Das änderte sich, als institutionelle Investoren auf der Suche nach zurückgebliebenen Nebenwerten auf den Spezialisten für Verpackungsmaschinen aufmerksam wurden. In Folge dessen schwollen nicht nur die Handelsaktivitäten an - auch der Kurs stieg innerhalb bloss eines Jahres von 65 auf über 130 Franken.

Keine zwei Wochen ist es her, dass die Papiere wieder für 65 Franken zu haben waren - was in den letzten Tagen gleich zwei Analysten zu Kaufempfehlungen veranlasste.

Zuerst stufte Robin Seydoux von Research Partners die Aktien von Bobst mit einem unverändert 105 Franken lautenden Kursziel von "Halten" auf "Kaufen" herauf. Die ungünstigen Verschiebungen bei der Umsatzzusammensetzung seien mittlerweile genauso eingepreist wie die einmaligen Rückrufkosten, und die Bewertung so günstig wie nie, so der Analyst. Neben den dadurch wegfallenden Kosten verspricht er sich auch vom geplanten Ausbau des margenstarken Servicegeschäfts Fortschritte bei der Rentabilität.

In Erwartung mehrerer Jahre mit prozentual zweistelligen Gewinnwachstumsraten stimmt nun auch Daniel König von Mirabaud Limited in den Lobgesang mit ein. Er nimmt die Erstabdeckung der Papiere mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 95 Franken auf.

Aufstieg und Fall der Aktien von Bobst über die letzten zwei Jahre. (Quelle: www.cash.ch)

Auf den nächstjährigen Schätzungen der Genfer Privatbank errechnet sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von etwas mehr als 12. Das ist nicht viel, sollte König richtig liegen und Bobst den Gewinn über die kommenden drei Jahre tatsächlich um jährlich 14 Prozent steigern.

Die gebündelten Kaufempfehlungen haben den Kurs der Aktien zuletzt kräftig steigen lassen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sie in den nächsten Wochen wieder günstiger zu haben sein werden. Denn ein enger Markt spielt bekanntlich in beide Richtungen...
 

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