Nach der Credit Suisse - Welches sind die nächsten Ziele von Finanzinvestoren?

Der cash Insider verrät, welche Schweizer Firmen zum Ziel von Finanzinvestoren werden könnten – Und: Kündigt die Herunterstufung durch die Credit Suisse bei Roche eine Ergebnisenttäuschung an?
17.10.2017 12:30
cash Insider
Welches sind die nächsten Ziele von Finanzinvestoren?
Bild: fotolia.com

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Clariant, Nestlé und seit heute die Credit Suisse - die Liste hiesiger Unternehmen, bei welchen sich für ihre Einflussnahme gefürchtete Finanzinvestoren eingekauft haben, wächst stetig.

Spätestens seit der Beteiligungsnahme des amerikanischen Milliardärs Dan Loeb über seinen Hedgefonds Third Point an Nestlé dürfte wohl allen klar sein: Selbst eine Börsenkapitalisierung in dreistelliger Milliardenhöhe schützt nicht vor einer ungewollten Einflussnahme von aussen.

Dasselbe gilt für die angeblichen Zerschlagungspläne von Rudolf Bohli und seinem RBR Strategic Value Fonds bei der Credit Suisse - selbst wenn die Pläne Branchenkennern bloss ein müdes Lächeln abringen (siehe heutigen Artikel).

Ruhig ist es um ABB geworden, gespenstisch ruhig. Verstummt sind die Forderungen von Cevian Capital nach einer Abspaltung des Strominfrastrukturgeschäfts. Es scheint, als habe der Grossaktionär die Wallenbergs und ihre Investor AB nicht für die eigene Sache gewinnen können.

Kurzes Aufbäumen der Aktien der Credit Suisse am Dienstag (Quelle: www.cash.ch).

Sollten weitere Finanzinvestoren beim Industriekonzern aus Zürich einsteigen, hätten sie womöglich einfaches Spiel. Denn schon seit Jahren erweisen sich die Aktien von ABB unter dem Strich als ein Nullsummenspiel für die Aktionäre. Dementsprechend gross ist die Unzufriedenheit.

Ähnlich verhält es sich bei Panalpina. Seit einer gefühlten Ewigkeit warten die Aktionäre des Luftfrachtspezialisten darauf, dass der Turnaround endlich zu greifen beginnt. Bisweilen allerdings vergeblich, wie die jüngste Ergebnisenttäuschung zeigt.

Wie lange die beiden Finanzinvestoren Cevian Capital und Artisan Partners dem Treiben noch tatenlos zuschauen, wird sich zeigen. Immer wieder werden Spekulationen wach, wonach Panalpina ins Ausland verkauft werden könnte. Das letzte Wort hätte die Ernst Göhner Stiftung. Sie kontrolliert knapp 46 Prozent der Stimmen.

Ebenfalls als ein mögliches Ziel für Finanzinvestoren gilt Aryzta. Der Backwarenhersteller kämpft mit hausgemachten Problemen. Angesichts der hohen Verschuldung ist das Thema Kapitalerhöhung nicht endgültig vom Tisch. Zusätzliches Eigenkapital könnte durchaus auch von einem Finanzinvestor kommen, so heisst es im hiesigen Handel.

Kursvergleich zwischen den Aktien von ABB (rot), Aryzta (grün) und Panalpina (violett) im Verlauf der letzten zwölf Monate (Quelle: www.cash.ch).

Bei Novartis steht das Ergebnis der strategischen Überprüfung bei Alcon noch aus. Am wahrscheinlichsten ist eine Ausschüttung von Aktien der amerikanischen Tochter an die Anteilseigner des Basler Mutterhauses.

Eine Abkehr von Alcon könnte durchaus den Grundstein für eine von Finanzinvestoren inszenierte Zerschlagung von Novartis legen.

Mit der Angst vor einer Beteiligungsnahme aus dem Ausland muss auch Kudelski leben. Einmal mehr ist das Technologieunternehmen aus einem Vorort von Lausanne gezwungen, sich neu zu erfinden. Die Stossrichtung steht fest: Cyber Security.

Aufgrund hoher Vorabinvestitionen hatten die Aktien in den vergangenen Monaten mit einem Kursschwund zu kämpfen. Nicht auszuschliessen, dass dieser bei Finanzinvestoren Begehrlichkeiten weckt.

Bei aller Euphorie rund um Beteiligungsnahmen darf nie vergessen gehen, dass Finanzinvestoren stets Eigeninteressen verfolgen und den anderen Aktionären keine Geschenke machen. Es soll auch schon vorgekommen sein, dass Unternehmen letztendlich schlechter dastehen als zuvor...

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Wenn ein Aktienanalyst wenige Tage vor der Ergebnisveröffentlichung die Aktien eines Unternehmens herunterstuft, wirft das für gewöhnlich hohe Wellen. Denn der jeweilige Experte könnte von einer sich anbahnenden Enttäuschung Wind bekommen haben - oder eine solche zumindest erahnen.

Bei der gestern bekannt gewordenen Herunterstufung von Roche von "Outperform" auf "Neutral" durch die Credit Suisse kann ich allerdings Entwarnung geben. Die Kürzung der zukünftigen Gewinnschätzungen um durchschnittlich 7 Prozent - sie resultiert neu in einem Kursziel von 260 (bisher 300) Franken - steht nicht im Zusammenhang mit dem zurückliegenden dritten Quartal.

Vielmehr argumentiert die Pharmaanalystin der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken mit dem Markteintritt günstigerer Nachahmerpräparate für die beiden Schlüsselmedikamente Rituxan und Herceptin. Der davon ausgehende Margendruck spreche gegen weitere Margenverbesserungen, so lässt sie durchblicken.

Einer Tradingkaufempfehlung durch die britische Liberum war es gestern zu verdanken, dass die Herunterstufung den Bons von Roche nicht stärker zusetzte. Im Hinblick auf die Veröffentlichung von Studien zum Krebsmedikament Tecentriq rät der verantwortliche Liberum-Analyst beim Pharma- und Diagnostikkonzern aus Basel zum Einstieg und im Gegenzug zu Leerverkäufen bei den Aktien des amerikanischen Rivalen Merck.

Diese Tradingkaufempfehlung für Roche überrascht, äusserte sich der Experte doch erst heute vor einer Woche ziemlich negativ, was die drei umsatzstärksten Medikamente Rituxan, Herceptin und Avastin anbetrifft (siehe Kolumne vom 11. Oktober).

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