Nach Landis+Gyr - Kehrt ein weiteres «Schweizer Urgestein» an die Börse zurück?

Gerüchteweise plant der Industriekonzern SIG eine Rückkehr an die Schweizer Börse - Und: Früherer amerikanischer Vizepräsident zieht sich beim Solarzulieferer Meyer Burger zurück.
01.09.2017 12:30
cash Insider
Kehrt ein weiteres «Schweizer Urgestein» an die Börse zurück?
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

+++

Es wäre die Überraschung des Jahres: Wie aus hiesigen Bankenkreisen verlautet, ist der Entscheid für eine Rückkehr des Industriekonzerns SIG an die Schweizer Börse SIX gefallen und sind die Vorbereitungsarbeiten angelaufen.

Das Private Equity Unternehmen Onex, seit November 2014 alleinige Eigentümerin des führenden Systemanbieters für Verpackungen für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie, plane nach gerademal drei Jahren bereits wieder den Ausstieg, so wird berichtet.

Im Mai 2007 vom neuseeländischen Milliardär Graeme Hart übernommen, operierte SIG bis zum Verkauf an Onex unter dem Namen SIG Combibloc unter dem Dach des neuseeländischen Verpackungskonzerns Rank Group.

Wie ein Blick auf die Webseite verrät, setzte das Unternehmen im vergangenen Jahr umgerechnet knapp 1,9 Milliarden Franken um. Was die Gewinnentwicklung anbetrifft, will man sich hingegen nicht so recht in die Karten blicken lassen. Vermutlich aus gutem Grund, gilt die Verpackungsbranche doch als hart umkämpft.

Schätzungen zufolge könnte eine Publikumsöffnung zwischen 3 und 3,5 Milliarden Franken in die Kasse der heutigen Eigentümerin spülen. Vermutlich bietet das Private Equity Unternehmen Onex im Zuge des Börsengangs zuerst eine Mehrheitsbeteiligung zur Zeichnung an und zieht sich auf eine Minderheitsbeteiligung zurück.

Das Börsen-Comeback von Landis+Gyr macht noch keine Freude (Quelle: www.cash.ch)

Es wäre dies nach Landis+Gyr schon das zweite Schweizer (Firmen-)Urgestein, welches den Weg zurück ins Publikum findet. Allerdings stand die Rückkehr des Stromzählerproduzenten aus Zug an die Börse unter keinem allzu guten Stern. Nachdem die Aktien schon am ersten Handelstag vorübergehend unter den Emissionspreis von 78 Franken tauchten, wurden sie am Mittwoch zeitweise sogar zu 72,15 Franken gehandelt. Nur mit (orchestrierten?!) Kaufempfehlungen durch UBS und Credit Suisse, beide mit Kurszielen von 90 Franken, liess sich ein noch deutlicherer Kursrutsch vereiteln. Brisant dabei: Beide Grossbanken waren in den Börsengang von Landis+Gyr involviert.

+++

Das Aktionariat von Meyer Burger bleibt in Bewegung. Erst gestern berichtete ich beim Solarzulieferunternehmen aus dem bernischen Gwatt von einer kräftigen Beteiligungserhöhung von 3,18 auf 5,01 Prozent durch die Fondsgesellschaft der Credit Suisse - ein Zeichen ziemlicher Zuversicht.

Dass die Kursnotierungen in den vergangenen Wochen dennoch über weite Strecken unter Druck standen, lässt auf einen mysteriösen Verkäufer schliessen. Mit der in London beheimatete Generation Investment hat letzterer nun endlich einen Namen.

Die im April 2004 vom ehemaligen amerikanischen Vize-Präsidenten Al Gore gegründete Boutique für erneuerbare Energiequellen gab sich erstmals vor fünf Jahren als Aktionärin von Meyer Burger zu erkennen und hielt in der Spitze gut 5 Prozent am Solarzulieferunternehmen.

Wie eine Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX verrät, lag der Stimmenanteil zwei Tage nach der Halbjahresergebnispräsentation von Mitte August noch bei 2,57 Prozent. Nicht auszuschliessen, dass die langjährige Grossaktionärin mittlerweile sogar ganz ausgestiegen ist.

Die Aktien von Meyer Burger (rot) im Vergleich mit dem SPI (grün) (Quelle: www.cash.ch)

"Lieber ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende", dürfte man sich bei Generation Investment nach der Kurserholung der letzten Monate wohl gedacht haben. Im hiesigen Berufshandel wird der durchschnittliche Einstandspreis der Briten auf bereinigter Basis nämlich auf mindestens 3,50 Franken je Aktie geschätzt.

Rückblickend habe auch ich mir mehr vom Mitte August veröffentlichten Halbjahresergebnis erhofft. Dennoch sind gute Ansätze vorhanden. Der ehemalige Oerlikon-Manager Hans Brändle scheint die Zügel fest im Griff zu halten. Und mit Verwaltungsratspräsident Alexander Vogel steht ihm ein profunder Branchenkenner zur Seite.

Alleine schon deshalb erachte ich die diesjährigen Zielvorgaben eines operativen Gewinns (EBITDA) von 30 bis 45 Millionen Franken bei einem Jahresumsatz in der Grössenordnung von 440 bis 460 Millionen Franken als durchaus realistisch.

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.