Nach Rückkehr an die Börse - Nehmen Leerverkäufer «Börsen-Urgestein» ins Visier?

Leerverkäufer könnten die Aktien des Stromzählerherstellers Landis+Gyr ins Visier nehmen - Und: Zieht sich die Schlinge um Clariant langsam zu?
30.05.2018 12:30
cash Insider
Nehmen Leerverkäufer «Börsen-Urgestein» ins Visier?
Bild: fotolia.com

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Als mit Landis+Gyr im vergangenen Sommer ein Urgestein der Schweizer Firmenlandschaft an die Schweizer Börse SIX zurückkehrte, waren die Erwartungen gross. Allerdings haben die Aktien des traditionsreichen Stromzählerherstellers bis heute nicht nachhaltig über den damaligen Ausgabepreis von 78 Franken zurückgefunden.

Das mag damit zu tun haben, dass dem Börsengang erfolglose Versuche von Toshiba vorangegangen waren, Landis+Gyr einem industriellen Interessenten zu verkaufen. Angeblich lag dem damaligen Mutterhaus bloss eine einzige bindende Offerte in Höhe von umgerechnet 1,5 Milliarden Franken vor. Die Japaner wollten aber mindestens die 2,3 Milliarden Franken, die sie sieben Jahre zuvor für den Stromzählerhersteller bezahlt hatten.

Für Toshiba scheint der "Plan B" aufgegangen zu sein, brachte er dem einstigen Mutterhaus doch fast auf den Franken genau den einstigen Kaufpreis ein.

Die Aktien von Landis+Gyr bekunden seit Tagen wieder sichtlich Mühe. (Quelle: www.cash.ch)

Die Zeche bezahlen die Aktionäre der ersten Stunde. Nur wenige Monate nach dem Börsengang musste Landis+Gyr mehrere zehn Millionen Franken für Garantiefälle zurückstellen. Alleine schon das lässt vermuten, dass das Unternehmen wohl zu früh an die Schweizer Börse SIX zurückkehrte.

Brisant dabei: Nur wenige Woche vor Bekanntgabe dieses zusätzlichen Rückstellungsbedarfs zog sich die Fondssparte der mit dem Börsengang betrauten UBS aus dem Aktionariat zurück - obwohl die Schweizer Grossbank zu diesem Zeitpunkt eine Kaufempfehlung für die Aktien von Landis+Gyr ausstehen hatte (siehe "Federführende Bank trennt sich von Landis+Gyr-Aktien" vom 10. Oktober).

Dies wirft genauso sehr Fragen auf wie der erdrückend hohe Goodwill von 1,4 Milliarden Franken in den Büchern des Stromzählerherstellers - ein Vermächtnis seitens des einstigen Mutterhauses Toshiba.

Wie einem Kommentar aus dem Aktienhandel von Kepler Cheuvreux entnommen werden kann, spielen mächtige Leerverkäufer mit dem Gedanken, Wetten gegen Landis+Gyr aufzubauen. Man kann ihnen das bei all den "Altlasten" nicht verübeln...

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Über Monate hinweg war der Spezialitätenchemiehersteller Clariant ein Spielball der Spekulanten. Dann verkaufte die oppositionelle Aktionärsgruppe White Tale ihr Aktienpaket in einer Nacht-und-Nebel-Aktion an Sabic - und alle waren zufrieden: White Tale verdiente sich eine goldene Nase, Clariant blieb die Zerschlagung und Konzernchef Hariolf Kottmann die Entlassung erspart.

Das Nachsehen hatten einzig die Trittbrettfahrer von White Tale. Denn Sabic verbindet seit Jahren ein partnerschaftliches Verhältnis mit Clariant. Der neue Ankeraktionär - er hält knapp 25 Prozent der Stimmen - gilt als loyal. Dasselbe lässt sich von den ehemaligen Süd-Chemie-Aktionären mit ihren 14 Prozent sagen.

Damit weiss Konzernchef Hariolf Kottmann eine komfortable Sperrminorität hinter sich. Sein "Abwehrdispositiv" steht.

Fragt man Aktienanalysten, rechnet kaum noch jemand mit einem Verkauf von Clariant ins Ausland. Eine Ausnahme bleibt der für Helvea tätige Markus Mayer. Er, der als profunder Branchenkenner gilt, stellt die Loyalität von Sabic in Frage.

Haben ihr "Übernahmeprämie" wieder verloren: Die Aktien von Clariant. (Quelle: www.cash.ch)

In Erwartung, dass Sabic sich den Spezialitätenchemiehersteller aus dem Baselbiet früher oder später einverleibt, bezeichnet Mayer die Aktien von Clariant neuerdings als Favorit unter den europäischen Chemiewerten. Auf das 33,50 Franken lautende Kursziel bezogen errechnet sich ein Aufwärtspotenzial von etwas mehr als 40 Prozent.

Mayer sieht Sabic so lange in Lauerstellung bis die Wettbewerbsbehörden die Beteiligungsnahme durchgewinkt haben. Und selbst wenn der Analyst es in einer mir vorliegenden Branchenstudie nicht explizit schreibt, so lässt er zumindest durchblicken, dass Clariant für die Saudis nicht günstiger wird. Denn am operativen Gewinn (EBITDA) gemessen hat die Gewinnbelebung bei zwei Dritteln der Geschäftsaktivitäten eben gerade erst eingesetzt...
 

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