Nestlé, Novartis und Co. - Stratege warnt vor überhitzten Qualitätsaktien

Ein bekannter Aktienstratege ist nicht länger optimistisch für Qualitätsaktien. Das könnte für den SMI Signalwirkung haben. - Und: Ein für seine Einflussnahme berüchtigter Finanzinvestor steigt bei Idorsia ein.
04.07.2019 12:30
cash Insider
Stratege warnt vor überhitzten Qualitätsaktien
Bild: fotolia.com

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Die Botschaft des für Kepler Cheuvreux tätigen Christopher Potts in seinem jüngsten Strategiepapier ist unmissverständlich: Die ganze Finanzwelt tummelt sich in Qualitätsaktien.

Am Schweizer Aktienmarkt zählen neben den drei Indexschwergewichten Nestlé, Roche und Novartis auch Valoren wie Straumann, Sonova oder Givaudan zu diesem gerade bei internationalen Grossinvestoren noch immer sehr beliebten Titelsegment.

Die Aktien von Nestlé (rot), Sonova (grün) und Straumann (gelb) klettern von einem Rekord zum nächsten. (Quelle: cash.ch)

Wer in den letzten Monaten auf andere Aktien setzte oder ihnen nur ein geringes Gewicht einräumte, konnte regelrecht zuschauen, wie ihm hierzulande der breite Markt unaufhaltsam davoneilte. Und wer auf die falschen Aktien setzte, bezahlte vermutlich sogar Lehrgeld. Aktionärinnen und Aktionäre des Halbleiterherstellers Sensirion, des Mobilfunkanbieters Sunrise oder der Grossbank UBS dürften wissen, wovon ich spreche.

Wenn sich - zumindest gefühlt - die ganze Finanzwelt in ein und denselben Aktien tummelt, birgt das Gefahren. Denn auch für Qualitätsaktien ist die Börse keine Einbahnstrasse. Manchmal braucht es nicht viel, und eine beliebte Aktie oder ein beliebtes Titelsegment fällt bei internationalen Grossinvestoren wieder in Ungnade. Erklärungen sind nachträglich dann immer rasch gefunden. Man hätte es ja eigentlich kommen sehen können...

Das Nachsehen haben dann nicht selten die Privatanleger, sind die internationalen Grossinvestoren doch längst über alle Berge. So überrascht es nicht, dass sich seit Wochen die Anhaltspunkte für einen schleichenden Rückzug mächtiger Grossinvestoren wie etwa der weltgrösste Vermögensverwalter Blackrock aus Qualitätsaktien häufen. Ähnliches berichten mir auch mehrere Londoner Quellen.

Die Warnung seitens des bekannten Strategen Christopher Potts scheint mir deshalb nicht unbegründet. Potts bewies schon mehr als einmal eine gute Nase für Qualitätsaktien. Als er im November letzten Jahres bei Aktien aus der Pharma- und Nahrungsmittelindustrie zum Einstieg riet und dem Schweizer Aktienmarkt ein überdurchschnittlich hohes Gewicht in den Kundenportfolios einräumte, war dem Strategen der Hohn vieler seiner Berufskollegen bei anderen Banken sicher. Zu langweilig und zu träge seien diese Aktien, so hiess es damals. Doch es sollte alles anders kommen - und Potts richtig liegen.

Rückblickend mag der Stratege etwas vorschnell gehandelt haben, als er den Schweizer Aktienmarkt Mitte April von "Overweight" auf "Neutral" herunterstufte. Am Übergewicht bei Qualitätsaktien aus der Pharma- und Nahrungsmittelindustrie hielt er damals allerdings fest.

Erst vor wenigen Wochen schichtete Potts in einem ersten Schritt aus Qualitätsaktien in zyklischere Aktien um. Nun vollzieht er einen weiteren solchen Schritt in Richtung der Papiere europäischer Investitionsgüterhersteller, Transportunternehmen und Grundstoffhersteller.

Die ab Mitte Juli anlaufende Halbjahresberichterstattung - besser gesagt die zukunftsgerichteten Aussagen der hiesigen Unternehmenswelt - werden zeigen, ob diese beiden Schritte in Richtung risikoreicherer Aktien richtig waren. Sollten sich die Umschichtungen weg von Qualitätsaktien beschleunigen, hätte dies auch Folgen für den Schweizer Aktienmarkt. Immerhin sind die drei Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis beim Swiss Market Index (SMI) für fast 60 Prozent der Gesamtkapitalisierung verantwortlich. Nach Monaten des überdurchschnittlichen Abschneidens könnten beim Börsenbarometer dann Monate mit einer unterdurchschnittlichen Entwicklung folgen.

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Idorsia hat einen neuen Grossaktionär: Wie einer Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX entnommen werden kann, hat sich Artisan Partners mit gut 3 Prozent beim Baselbieter Pharmaentwickler eingekauft.

Als langjähriger Aktionär von Panalpina und ABB ist Artisan Partners hierzulande kein unbeschriebenes Blatt – zumal der Finanzinvestor für seine aktive Einflussnahme bei Unternehmen bekannt ist.

Ein Blick auf das "Wer ist wer" der Grossaktionäre lässt allerdings vermuten, dass Artisan Partners bei Idorsia auf Granit beissen könnte. Schliesslich hält das Mediziner-Ehepaar Jean-Paul und Martine Clozel fast 26 Prozent der Stimmen. Weitere knapp 10 Prozent der Stimmen kontrolliert das Partnerunternehmen Johnson & Johnson über die Schweizer Tochter Cilag und auch der Medizinaltechnikpionier Rudolf Maag mit seinen gut 7 Prozent gilt als loyal.

Seit gut zwei Wochen zieht der Kurs der Idorisa-Aktien kräftig an. (Quelle: cash.ch)

Gut sechs Wochen ist es her, dass mit dem französischen Industriellen George Gaspard ein branchenfremder Investor bei Idorsia eingestiegen ist. Händler schliessen nicht aus, dass sich Gaspard und die Clozels kennen. Sollte dem so sein, würde das von Zuversicht seitens des ebenfalls substanziell beteiligten Gründerehepaars zeugen.

Vielleicht werden wir ja schon mal mehr erfahren...
 

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