Nestlé, Novartis und Co - Wie rückschlagsgefährdet sind die SMI-Schwergewichte?

Eine mächtige amerikanische Investmentbank sieht schwarz für konjunkturresistente Aktien wie jene von Nestlé, Roche und Novartis. - Und: Bekannter Substanzinvestor bei Dufry auf dem Rückzug.
16.09.2019 12:30
cash Insider
Wie rückschlagsgefährdet sind die SMI-Schwergewichte?
Bild: fotolia.com

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Noch bis vor wenigen Tagen war das Phänomen "Sektorrotationen" hierzulande vermutlich nur den versiertesten Aktienanlegern überhaupt ein Begriff. Allerdings hat sich das schlagartig geändert: Plötzlich ist dieses Börsenphänomen in aller Munde - gilt das Interesse hiesiger Wirtschaftsmedien fast ausschliesslich ihm.

Als ich am letzten Montag an dieser Stelle von ersten beunruhigenden Vorboten für Umschichtungen zu Lasten der drei konjunkturresistenten Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis berichtete, beruhte das alles noch auf einer leisen Vorahnung.

Zu diesem Zeitpunkt war mir noch nicht bewusst, dass die Aktien von Nestlé innerhalb von gerade mal fünf Tagen um gut 6 Prozent im Kurs zurückfallen würden. Am Freitag gingen die Papiere des traditionsreichen Nahrungsmittelherstellers aus Vevey sogar als Tagesverlierer unter den SMI-Vertretern aus dem Handel - eine ganz neue Erfahrung für die erfolgsverwöhnten Aktionäre.

Nur Merrill Lynch wusste vor dem Wochenende mit einer Heraufstufung der Genussscheine von Roche von "Neutral" auf "Buy" ein deutlicheres Abrutschen des SMI zu verhindern. Die amerikanische Investmentbank sieht die Papiere des Pharma- und Diagnostikkonzerns aus Basel neuerdings mit einem Kursziel von 320 (zuvor 300) Franken in der Favoritenrolle.

Wie aus Londoner Quellen zu hören ist, sei Merrill Lynch am Freitag denn auch über weite Strecken mit Umschichtungen aus Novartis in Roche in Erscheinung getreten - für den SMI unter dem Strich letztendlich ein Nullsummenspiel.

Sollten die Umschichtungen aus konjunkturresistenten Aktien wie jenen von Nestlé, Roche und Novartis in andere Titelsegmente an Breite gewinnen, liesse sich nicht länger von einem Nullsummenspiel für den Schweizer Aktienmarkt sprechen. Wie gewonnen, so zerronnen, könnte es für die hiesigen Aktienindizes wie den SMI dann heissen.

Seit gut einer Woche bekunden die Valoren von Nestlé (rot), Roche (grün) und Novartis (gelb) sichtlich Mühe (Quelle: www.cash.ch)

Noch ist es aber nicht soweit. Man muss sich die Entstehung eines neuen Börsentrends wie ein Rinnsal vorstellen, das in einen Bach mündet, nur um danach in einen reissenden Fluss überzugehen.

Zumindest für die Aktienstrategen von J.P. Morgan steht allerdings schon jetzt fest: Bei den in den letzten Tagen beobachteten Sektorrotationen handelt es sich nicht bloss um ein Rinnsal, das wieder versickert. Erhebungen der amerikanischen Investmentbank zufolge gehen die ersten Umschichtungen gar auf Mitte August zurück. Damals könnte der monatelange Trend in Richtung konjunkturresistenter Aktien seinen Höhepunkt durchschritten haben.

Dieser Trend fand im Januar dieses Jahres seinen Ursprung und bescherte dem SMI einen regelrechten Höhenflug. Es sollte damals jedoch Wochen, wenn nicht Monate dauern, bis Fonds-Manager dem Höhenflug von Nestlé und Co. überhaupt über den Weg trauten. Ähnlich lange könnte es nun dauern, bis die konjunkturresistenten Schwergewichte in Ungnade fallen. Von einem Bärenmarkt spricht man gemäss Lehrbuch erst dann, wenn ein Aktienindex oder eine Aktie 20 Prozent unter die Bestmarke fällt. Das wäre bei Nestlé erst bei 90 Franken, bei Roche bei 226 Franken und bei Novartis bei 75 Franken der Fall.

Wie mir berichtet wird, sprangen viele Fonds-Manager sogar erst in den letzten Wochen auf den rollenden Zug auf. Das rächt sich nun, droht gerade für sie der Begriff "Sektorrotationen" doch zum Unwort 2019 zu werden. Ich erhoffe mir jedenfalls schon von den kommenden Tagen - insbesondere vom grossen Derivatverfall vom Freitag - wichtige Erkenntnisse für die Zeit bis Ende Jahr.

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Im Aktionariat des Basler Reisehandelskonzerns Dufry gibt sich das "Wer-ist-Wer" aus der Hochfinanz die Klinke in die Hand. Egal ob der weltgrösste Vermögensverwalter BlackRock oder die Staatsfonds Norwegens und Singapurs - alle wollen sie ein Stück vom weltweiten Zollfreihandel abhaben.

Mit eher mässigem Erfolg: Noch vor wenigen Wochen waren die Aktien des für seine aggressive Übernahmepolitik bekannten Unternehmens für weniger als 75 Franken und damit so günstig zu haben wie seit gut acht Jahren nicht mehr.

Mit Franklin Resources scheint sich nun ein bekannter Substanzinvestor aus dem Aktionariat zurückzuziehen. Die Amerikaner hatten ihren Stimmenanteil im Oktober letzten Jahres zu Kursen von 100 Franken und mehr auf 5,1 (zuvor 3) Prozent ausgebaut. Wie einer Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX entnommen werden kann, trennten sie zuletzt von Teilen ihres Aktienpakets. Meldepflichtig wurde der Substanzinvestor nur, weil dadurch der Stimmenanteil wieder unter die 5-Prozent-Hürde fiel.

Aktienkursentwicklung von Dufry über die letzten fünf Jahre (Quelle: www.cash.ch)

Ich will an dieser Stelle nicht zu viel in die Beteiligungsreduktion hineininterpretieren. Wenn sich ein erfolgreicher Investor wie Franklin Templeton bei einem Unternehmen den Rückzug antritt, wird er jedoch seine Gründe haben. So konnte Dufry bis heute nicht zeigen, dass sich mit dem übernahmegetriebenen Geschäftsmodell nachhaltig Gewinne für die Aktionäre erzielen lassen. Mal schauen, ob andere bedeutende Aktionäre dem Beispiel des bekannten Substanzinvestors folgen werden.

 

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