Nestlé, Roche und Co. - Grossbank knickt bei defensiven Aktien ein

Für eine britische Grossbank wird der Leidensdruck zu gross: Auch sie rät nun bei defensiven Aktien wie etwa Roche oder Nestlé zum Zukauf. - Und: Helvea stellt die Abdeckung der erfolglosen Kudelski-Aktie ein.
07.08.2019 12:30
cash Insider
Grossbank knickt bei defensiven Aktien ein
Bild: fotolia.com

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Wer den Aktien grosser Nahrungsmittel- und Pharmahersteller seit Jahresbeginn bewusst nur ein geringes Gewicht im Wertschriftendepot einräumte oder gar auf diese verzichtete, dem dürften schon seit Wochen Tränen der Verzweiflung in die Augen schiessen.

Nur um in etwa eine Ahnung zu erhalten, wovon ich hier spreche: Von den 1400 Punkten, die der Swiss Market Index (SMI) im laufenden Jahr zulegen konnte, steuerten alleine die Aktien von Nestlé gut die Hälfte bei. Weitere gut 400 Indexpunkte hat das renommierte Börsenbarometer den Valoren von Roche und Novartis zu verdanken.

Dass gerade die drei als langweilig und träge verschrieenen Schwergewichte hoch in der Gunst der Anleger stehen, kommt nicht von ungefähr. Rund um den Globus häufen sich die Anhaltspunkte für eine wirtschaftliche Wachstumsverlangsamung. Neuerdings macht sogar das böse R-Wort die Runde - R wie Rezession.

Und sollte der Handelsstreit zwischen den USA und China weiter eskalieren, wäre eine Rezession nicht länger abwegig. Um das eigene Wertschriftenportfolio vor einer solchen zu schützen, suchen mächtige Grossinvestoren Schutz in den Aktien grosser Nahrungsmittel- und Pharmahersteller. Denn diese Unternehmen führen ein weitestgehend von der Wirtschaftsentwicklung unabhängiges Eigenleben.

In einer mir aus London zugespielten Strategiestudie rät neuerdings auch die britische Barclays zum Kauf von defensiven Aktien. Die Befürchtung der Studienautoren: Aufgrund der saisonal eher dünnen Handelsvolumina könnte eine weitere Eskalation an den europäischen Aktienmärkten starke Kursausschläge nach sich ziehen.

Der Kurs der Nestlé-Aktien steigt und steigt. (Quelle: cash.ch)

Auch die Signale aus der Geldpolitik stimmen die Strategen eher nachdenklich. Sie schliessen nicht aus, dass unter den führenden Notenbanken erneut ein Abwertungswettlauf entbrennt. Ihres Erachtens steht nicht weniger als die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik auf dem Spiel.

Wenn nun auch noch die letzten Banken und ihre Strategen auf die Aktien grosser Nahrungsmittel- und Pharmahersteller aufspringen, sind die Höchstkurse in diesem sehr beliebten Titelsegment wohl nicht mehr allzuweit entfernt.

Die mächtigen Grossinvestoren lassen sich ihre Feigheit jedenfalls einiges kosten. So weisen die Aktien von Nestlé und anderen Vertretern dieses Titelsegments mittlerweile einen Aufschlag von mehr als 40 Prozent gegenüber dem Bewertungsdurchschnitt der vergangenen zehn Jahre auf.

Nicht auszudenken, was das für den Schweizer Aktienmarkt bedeuten könnte, sollte dieser Trend auslaufen oder gar ins Gegenteil umschlagen...

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Vor wenigen Tagen stellte Helvea die Abdeckung der Aktien von Kudelski ein. Grund war eine "Bündelung von Kapazitäten", wie einer Information zu entnehmen war. Laut Helvea hat der für Kudelski zuständige Analyst das Unternehmen verlassen, weshalb Helvea die Abdeckung von Kudelski beendete. 

Der Analyst hatte die Aktie lange Zeit zum Kauf empfohlen. Wie weit die erstmalige Kaufempfehlung zurückgeht, lässt sich nicht mehr ausfindig machen. Abklärungen meinerseits haben aber ergeben, dass der Analyst die Papiere des Lausanner Technologieunternehmens seit über acht Jahren unentwegt zum Kauf anpries - zuletzt immerhin noch mit einem vielversprechenden Kursziel von 14 Franken.

Noch im vergangenen September stellte der Analyst in einer 11-seitigen Unternehmensstudie für dieses Jahr erste Anhaltspunkte für ein Gelingen der strategischen Neuausrichtung auf Cyber-Security-Lösungen in Aussicht. Mit der Veröffentlichung des Jahresergebnisses für 2018 werde sich der Markt ab Februar 2019 auf die Zeit nach der Neuausrichtung konzentrieren, so schrieb er damals weiter.

Doch es sollte alles anders kommen. Kosteten die Aktien im September noch gut 9 Franken, waren sie zuletzt für weniger als 6,50 Franken zu haben. Auffällig ist, dass am 30. Juli gut 260'000 Titel die Hand wechselten. Das entspricht einem Vielfachen des durchschnittlichen Tagesvolumens. 

Die Aktien von Kudelski fielen in den letzten Tagen durch Kurskapriolen auf. (Quelle: cash.ch)

Wer auch immer sich am 30. Juli bei Kudelski von Aktien trennte, lag auf jeden Fall nicht schlecht - kam es doch in den darauffolgenden Tagen zu grösseren Kursverwerfungen: Die Papiere brachen zuerst um gut 10 Prozent ein, gefolgt von einer kräftigen Gegenbewegung und anschliessend einem erneuten Rücksetzer.

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