Nestlé und NovartisSpekulationen um zwei SMI-Schwergewichte

Der cash Insider weiss von Spekulationen rund um die beiden Schwergewichte Nestlé und Novartis zu berichten - Auffällige Warrants-Käufe bei Dufry - Und: Schliessen sich AMS und Dialog Semiconductor zusammen?
21.04.2017 12:30
cash Insider
Spekulationen um zwei SMI-Schwergewichte
Bild: fotolia.com

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Wer sich nach der Rochade an der Spitze von Nestlé rasche Veränderungen erhofft hatte, wurde bisweilen herb enttäuscht. Der neue Konzernchef Mark Schneider scheint es langsam angehen zu wollen.

Doch die Zeit drängt, wie die Umsatzentwicklung der ersten drei Monate zeigt. Denn obwohl der Nahrungsmittelkonzern den Umsatz organisch um 2,3 Prozent steigern und die gerade mal bei 2 Prozent liegenden Analystenschätzungen übertreffen konnte, war den Aktionären nicht zum Feiern zumute. Der Grund: So langsam wie im zurückliegenden ersten Quartal wuchs das traditionsreiche Unternehmen aus Vevey seit rund zehn Jahren nicht mehr.

Zu Spekulationen verhilft den Aktien heute der für Helvea tätige Analyst. Nach der gestrigen Analystenkonferenz zeigt sich dieser zuversichtlich, dass Nestlé am diesjährigen Investorenseminar von Ende September grundlegende Veränderungen bekanntgeben könnte.

In Erwartung umfassender Sparmassnahmen und grösserer Veränderungen im Markenportfolio sowie eines milliardenschweren Aktienrückkaufprogramms erhöht der Analyst sein Kursziel auf 88 (bisher 79) Franken.

Auch um die Aktien von Novartis ranken sich seit gestern Nachmittag wieder die Gerüchte. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg meldet, hat der Gesundheitskonzern aus Basel die Investmentbank Merrill Lynch mit der Abspaltung oder dem Verkauf der in der Augenheilkunde tätigen Tochter Alcon beauftragt.

Aktie von Nestlé (rot) im Vergleich mit jener von Novartis (grün) (Quelle: www.cash.ch).

Wie der Pharmaanalyst der UBS schreibt, scheint der Zeitpunkt für einen strategischen Befreiungsschlag günstig. Er hält einen Verkauf dieses Geschäftszweigs allerdings für sehr viel wahrscheinlicher als eine Ausschüttung von Aktien an die Aktionäre.

Ich sähe es lieber, wenn Novartis die mit hausgemachten Problemen kämpfende Tochter zuerst einer Rosskur unterzieht und erst dann an einen Verkauf denkt - nicht zuletzt auch um den drohenden Goodwill-Abschreiber möglichst klein zu halten.

Alleine schon ihrer hohen Gewichtung im Swiss Market Index (SMI) wegen hoffe ich, dass Nestlé und Novartis ihrer Probleme möglichst rasch wieder Herr werden und der Gegenwind der letzten Monate zum Rückenwind für den heimischen Aktienmarkt wird.

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Gut drei Wochen ist es her, dass der chinesischen HNA an der Börse erstmals eine strategische Beteiligungsnahme an Dufry nachgesagt wurde. Der für seine aggressive Übernahmepolitik berüchtigte Mischkonzern sei Grossaktionäre des Betreibers von Zollfreiverkaufsstellen aus Basel angegangen, so berichtete die Financial Times damals.

Seither ist es ruhig um Dufry geworden - bis gestern. Im Laufe des späteren Nachmittags deckten sich nämlich ein oder gleich mehrere Marktakteure im grossen Stil mit Derivaten ein. Dabei konzentrierte sich das Kaufinteresse auf die im Geld liegenden Warrants DUFAWZ, DUFWCU sowie DUFBKZ.

Wenig überraschend wurden die Derivatkäufe von Spekulationen begleitet, wonach endlich wieder Bewegung in die Sache komme. Wo Rauch ist, ist bekanntlich auch Feuer. Allerdings braucht dieses Spekulationsfeuer nächste Woche einmal mehr hohe Derivatumsätze, um am Leben zu bleiben.

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Im Sommer vor drei Jahren führte der Sensorenhersteller AMS Gespräche rund um einen möglichen Zusammenschluss mit dem deutschen Rivalen Dialog Semiconductor. Aufgrund zu unterschiedlicher Preisvorstellungen scheiterten die Gespräche allerdings.

Zuletzt geriet Dialog Semiconductor aufgrund der hohen Abhängigkeit vom Grosskunden Apple in die Schlagzeilen. Das amerikanische Kult-Unternehmen wolle weitere Zulieferer an Bord holen oder gewisse Bauteile sogar unter dem eigenen Dach herstellen, so wurde erzählt.

Die Aktien von AMS (rot) schneiden besser ab als jene von Dialog Semiconductor (grün) (Quelle: www.cash.ch).

Die Spekulationen rund um den deutschen Rivalen sorgten auch bei AMS für Wasser auf die Mühlen der Baissiers. Denn schon seit Tagen liefern sich diese in den Aktien des hiesigen Sensorenherstellers einen Schlagabtausch mit den Haussiers. Letztere führen nun ins Feld, dass Dialog Semiconductor wieder das Gespräch mit AMS suchen könnte.

Ob AMS überhaupt noch Interesse an einem Zusammengehen hat, ist allerdings fraglich. Denn nach einer Reihe grösserer Übernahmen scheint der Sensorenhersteller gut für einen Alleingang gerüstet.
 

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