Nicht jede gefallene Aktie lädt zum Einstieg

Der cash Insider nennt in Ungnade gefallene Schweizer Börsenlieblinge. Lange nicht alle bieten sich im Hinblick auf das kommende Jahr zum Einstieg an.
16.12.2014 12:30
cash Insider
Nicht jede gefallene Aktie lädt zum Einstieg

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In meiner gestrigen Kolumne griff ich das Thema Bereinigungsverkäufe seitens grosser Marktakteure auf. Diese durchforsten ihre Wertschriftenportfolios im Laufe des Dezembers auf Aktien mit einer im Jahresverlauf katastrophalen Kursentwicklung und trennen sich in letzter Minute noch rasch von diesen. Im Berufshandel spricht man in diesem Zusammenhang gerne von "Window-Dressing", angelehnt an die Dekoration von Schaufenstern.

Auch am Schweizer Aktienmarkt ist dieses Schauspiel Jahr für Jahr aufs Neue zu beobachten. Für gewöhnlich lassen die Bereinigungsverkäufe die schon zuvor schwachen Aktien - zumindest gefühlt - ins Bodenlose fallen. Oft schon in den letzten Handelstagen des alten Jahres lässt der Verkaufsdruck jedoch nach und eine Gegenbewegung setzt ein. Doch nicht immer werden Anlegerinnen und Anleger für ihren Mut belohnt.

Nachdem ich mich gestern den fünf Schlusslichtern im Swiss Market Index gewidmet habe, möchte ich nachstehend auch noch die Aktien einiger kleinerer Schweizer Unternehmen durchleuchten.

Die Aktionäre von Cytos blicken schon heute auf ein rabenschwarzes Jahr zurück. Mitte April musste das in Zürich beheimatete Biotechnologieunternehmen einräumen, dass der Wirkstoff CYT003 in Patientenstudien keine signifikant bessere Wirkung als Placebo gezeigt habe. Bis dahin galt das gegen schweres Asthma entwickelte CYT003 als Hoffnungsträger, weshalb die Aktien an diesem Tag mit einem Minus von 95 Prozent auf 0,15 Franken abgestraft wurden.

In den letzten Tagen gerieten die Papiere noch einmal kräftig unter Verkaufsdruck. Und das nicht ohne Grund, ist bis heute doch unklar, ob Cytos die nachrangingen  Wandelobligationen jemals zurückbezahlen kann. Dem Unternehmen droht damit die Liquidation oder gar der Konkurs.

Auch Addex Therapeutics bescherte den Aktionären Verluste. Die Namenaktien des Westschweizer Unternehmens haben eine regelrechte Achterbahnfahrt hinter sich und liegen nun um gut 30 Prozent unter dem Stand von Anfang Jahr. Wer im Juli nach vielversprechenden vorklinischen Versuchen mit dem Medikament ADX71441 eingestiegen ist, dürfte sogar Kursverluste von mehr als 50 Prozent zu beklagen haben. Obschon Bereinigungsverkäufe die Papiere alleine im Laufe des Dezembers um 18 Prozent einbrechen liessen, ist wie bei jenen von Cytos von einem Einstieg entschieden abzuraten. Denn auch bei Addex Therapeutics blieb der Hoffnungsträger ADX71149 gegen Depressionen den hohen Erwartungen einiges schuldig.

Mit der Bravofly Rumbo Group findet sich sogar ein Börsendebütant auf der Verliererliste wieder. Seit der Publikumsöffnung von Mitte April haben die Namenaktien des Reiseanbieters nicht weniger als 70 Prozent ihres Kurswerts eingebüsst. Gestern fielen die Papiere vorübergehend auf den tiefsten Stand der noch jungen Firmengeschichte.

Schon seit Monaten macht dem Unternehmen der immer intensivere Wettbewerb durch Metasuchmaschinen zu schaffen. Auch wenn es die Altaktionäre der Bravofly Rumbo Group und die mit dem Börsengang beauftragten Banken vermutlich in Abrede stellen, so bleibt doch fraglich, ob diese Entwicklung nicht schon zum Zeitpunkt der Publikumsöffnung absehbar war.

Sollte der Verkaufsdruck der letzten Tage nachlassen, scheint mir eine Gegenbewegung auf über 17 Franken durchaus möglich. In Erwartung eines auch weiterhin anspruchsvollen Branchenumfelds und ausserordentlicher Wertberichtigungen im Zusammenhang mit früheren Firmenübernahmen sollten sich Anleger aber nicht zu lange beim Reiseanbieter einnisten. Den Letzten beissen bekanntlich die Hunde.

Mittlerweile sind auch die Namenaktien von Meyer Burger ein häufiger Gast auf der Liste der Verliereraktien des Jahres. Alleine gestern kollabierten die Valoren des im bernischen Gwatt beheimateten Solarzulieferers um mehr als 10 Prozent. Im Jahresverlauf ist damit beinahe die Hälfte des Unternehmenswerts in Rauch aufgegangen.

Wiederholen sich die saisonalen Verhaltensmuster der letzten Jahre, dann ist Meyer Burger eine Gegenbewegung bis weit ins kommende Frühjahr hinein so sicher wie das Amen in der Kirche. In Anbetracht der nicht enden wollenden Auftragsflaute und der weiterhin angespannten finanziellen Situation braucht es allerdings Mut, sich gegen den Markt zu stemmen.

Mit einem Warnschuss vor den Bug der Aktionäre wartet heute die Credit Suisse auf. In einer Unternehmensstudie senkt der viel beachtete Verfasser sein Anlageurteil von "Neutral" auf "Underperform". Gleichzeitig streicht er das 12-Monats-Kursziel auf 5 (9,50) Franken zusammen.

Der Experte äussert Bedenken in Bezug auf die noch immer bei 8 bis 10 Millionen Franken im Monat liegende Barmittelverbrennung. Im Hinblick auf die Mitte 2017 zur Rückzahlung anstehende Anleihe macht er beim Solarzulieferer Handlungsbedarf aus. In der Folge kollabieren die Aktien von Meyer Burger zwischenzeitlich um 20 Prozent und versetzen die Belegschaft wohl alles andere als in Festtagslaune. Vermutlich sind Anleger in der vor wenigen Monaten aufgelegten Wandelanleihe besser als in den Aktien selber aufgehoben. Die hohen Risiken sind dennoch nicht von der Hand zu weisen.

Mit einer Durstrecke hat auch Sulzer zu kämpfen. Im September ergriff das Winterthurer Traditionsunternehmen deshalb die Flucht nach vorn und suchte das Gespräch mit dem amerikanischen Rivalen Dresser Rand. Diese Hochzeit wurde allerdings vom finanzkräftigeren deutschen Mischkonzern Siemens mit einem grosszügigen Angebot an die Aktionäre vereitelt.

Mit dem Verkauf von Sulzer Metco hat Sulzer die Abhängigkeit von Grosskunden aus der Öl- und Gasindustrie noch erhöht. Schätzungen zufolge stammt mittlerweile mehr als jeder zweite Umsatzfranken aus diesem Bereich. Nach dem Ölpreiskollaps der letzten Wochen und Monate sitzt das Geld bei den Kunden vermutlich sogar noch weniger locker als sonst schon.

Den jüngsten Kursrückschlag zum Einstieg zu nutzen kommt damit einer Wette auf ein gewinnverdichtendes Aktienrückkaufprogramm gleich. Ein solches liesse sich mit dem Verkaufserlös für Sulzer Metco denn auch problemlos stemmen.

Als Alternative bieten sich die Namenaktien von Burckhardt Compression an. Auch diese haben zuletzt unter dem schwachen Ölpreis gelitten und seit Anfang Juli mehr als 25 Prozent verloren. Der Ölpreiszerfall trifft den einstigen Börsenliebling weniger stark als andere Mitbewerber. Eine Gegenbewegung ins kommende Jahr hinein scheint mir deshalb wahrscheinlich.

Von den erwähnten Unternehmen laufen derzeit nur gegen Meyer Burger und Sulzer grössere Wetten. Inoffiziellen Statistiken zufolge liegen die Baisse-Engagements bei Meyer Burger bei 24 Prozent, bei Sulzer immerhin bei 8,9 Prozent aller ausstehender Aktien. Bei Burckhardt Compression sind es hingegen nur 0,7 Prozent und bei Addex Therapeutics 0,4 Prozent. Grössere Deckungskäufe sind bei diesen beiden Unternehmen aus diesem Lager wohl nicht zu erwarten.