Novartis muss sich unangenehme Fragen gefallen lassen

Der cash Insider berichtet von frustrierten Novartis-Aktionären und sagt, weshalb sich die Firmenvertreter Vorwürfe gefallen lassen müssen. - Und: Eine zweite aggressive Kaufempfehlung für die Aktien von Sika.
23.03.2017 12:30
cash Insider
Novartis muss sich unangenehme Fragen gefallen lassen
Bild: fotolia.com

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Zu allem Unglück kommt bei Novartis jetzt auch noch Pech dazu. Gestern räumte der Gesundheitskonzern aus Basel ein, dass Serelaxin bei Patienten mit akutem Herzversagen nicht die erhoffte Wirkung zeigte.

In der Erforschung und Entwicklung neuartiger Wirkstoffe gehören solche Rückschläge zum Tagesgeschäft, so sollte man meinen. Doch mit Serelaxin trägt Novartis nicht nur ein vielversprechendes Herzmedikament, sondern auch einen unverzichtbaren zukünftigen Wachstumstreiber zu Grabe.

Noch im Januar hatten die Firmenvertreter gegenüber Anlegern und Analysten nur so vor Zuversicht gestrotzt, was das kommerzielle Potenzial von Serelaxin angeht. Umso unangenehmer sind die Fragen, welche sie sich nun gefallen lassen müssen.

Die Kluft zwischen den Aktien von Novartis (rot) und dem SPI (grün) lässt sich nicht nur mit dem Dividendenabgang erklären (Quelle: www.cash.ch)

Man kann wichtigen Novartis-Aktionären ihre Frustration nicht verübeln, trägt der gestrige Rückschlag mit Serelaxin doch nicht gerade zur Glaubwürdigkeit der Firmenvertreter bei. Schliesslich ächzte der Gesundheitskonzern aus Basel schon vor dem produktseitigen Rückschlag unter der Last hausgemachter Probleme.

Die Verkaufszahlen von Entresto, einem weiteren vielversprechenden Herzmedikament, hinken den Erwartungen hinterher, der Turnaround bei der teuer erkauften Augenheiltochter Alcon nimmt nur langsam Fahrt auf und die Aussagen zum Verkauf der Roche-Beteiligung könnten widersprüchlicher kaum sein.

Ob sich die Anteilseigner mit dem anlässlich der Jahresergebnispräsentation von Ende Januar ins Leben gerufenen Aktienrückkaufprogramm auf Dauer versöhnlich stimmen lassen, ist fraglich. Angesichts des stark fragmentierten Aktionariats dürfen sich die Entscheidungsträger in Basel in Sicherheit wiegen - pourvu que ça dure...

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Frage: Was macht ein Aktienanalyst, wenn ihm bei einer zum Kauf empfohlenen Aktie die Argumente für nochmals höhere Kurse ausgehen? Er zaubert kurzerhand neue Argumente aus dem Zylinder.

So in einer Unternehmensstudie der MainFirst Bank zum schon seit Jahren sehr erfolgreichen Baustoffhersteller Sika zu beobachten. Sichtlich angetan hat es dem Studienautor diesmal das Automobilzuliefergeschäft, welches gerademal 8 Prozent zum Jahresumsatz beiträgt.

Nach Gesprächen mit Schlüsselkunden wähnt der Analyst das Innerschweizer Unternehmen in einem klaren Wettbewerbsvorteil. Neuerdings sagt er Sika in diesem Geschäftsfeld auf Jahre hinaus ein prozentual zweistelliges Wachstum voraus.

Das wiederum inspiriert den Studienautor dazu, seine langfristigen Gewinnschätzungen substanziell anzuheben. Neu beziffert er das Kursziel für die mit "Outperform" empfohlenen Inhaberaktien auf 7'000 (bisher: 5'600) Franken, was einer Erhöhung um satte 25 Prozent entspricht.

Die Sika-Aktien können auf einen beeindruckenden Kursanstieg zurückblicken (Quelle: www.cash.ch)

Der für die MainFirst Bank tätige Experte ist übrigens in allerbester Gesellschaft. Keine zwei Wochen ist es her, dass sein Berufskollege von Alliance Bernstein den bei Anlegern sehr beliebten Papieren über die nächsten zwei Jahre sogar einen Vorstoss auf 10'000 Franken zutraute (siehe Kolumne vom 13. März).

An den Qualitäten von Sika gibt es nichts zu rütteln. Rückblickend hat das Unternehmen in den letzten Jahren alles richtig gemacht und sowohl den Umsatz als auch die Margen kräftig gesteigert. Allerdings sind die Aktien des Baustoffherstellers aus der Innerschweiz kein Schnäppchen mehr - wie die meisten anderen Nebenwerte übrigens auch (siehe Kolumne vom 21. März).

Erste der in den letzten Jahren bei Anlegern beliebten Vertreter aus diesem Titelsegment sind in den vergangenen Wochen still und leise von ihren zuvor erklommenen Bestmarken zurückgefallen. Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang die Valoren von Kardex, einem führenden Anbieter von Logistiklösungen. Mittlerweile trennen den einstigen Überflieger nicht weniger als 15 Prozent von den Höchstkursen vom 8. März. Die Börse ist keine Einbahnstrasse, scheint uns der schleichende Kurszerfall in Erinnerung rufen zu wollen.

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