Novartis: US-Broker stellt konkrete Forderungen

Analyst stellt für Novartis einen Drei-Punkte-Plan zur Schaffung von Aktionärswerten vor - Und: Holt Transocean zu einem strategischen Meisterstreich aus?
12.08.2013 12:30
cash Insider
Novartis: US-Broker stellt konkrete Forderungen

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Novartis ist nicht gerade für eine aktionärsfreundliche Firmenpolitik bekannt. Meist hatten am Hauptsitz in Basel andere Anspruchsgruppen Vorrang, was sich nicht zuletzt in einer recht ernüchternden Kursentwicklung niederschlägt: Unter Ausklammerung der Dividende erwiesen sich die letzten 15 Jahre aus Aktionärssicht als Nullsummenspiel.

Frischen Wind erhofft man sich im Aktionariat vom Rückzug Daniel Vasellas aus dem Verwaltungsrat. Vor wenigen Tagen übergab der Übervater des Basler Pharmakonzerns sein Büro an den Nachfolger Jörg Reinhardt.

Für die Citigroup eine günstige Gelegenheit, den Nachfolger Vasellas mit Massnahmen zur Freisetzung verborgener Aktionärswerte zu konfrontieren.

Zum Verwaltungsrat: Der verantwortliche Experte hält die derzeitige Zusammensetzung des Verwaltungsrats als aktionärsfeindlich. Gegenüber anderen Mitbewerbern seien zweimal so viele Akademiker und Personen aus der Forschung und Entwicklung vertreten. Aus Sicht der Aktionäre sei deshalb eine suboptimale Mittelverwendung zu befürchten und eine Neuausrichtung des Verwaltungsrats mehr als wünschenswert.

Zur Forschung und Entwicklung: Bisher habe sich die vergleichsweise kostspielige Forschungsinfrastruktur nicht ausbezahlt gemacht. Novartis bleibe diesen Beweis weiterhin schuldig. Die von den Baslern betriebenen Forschungsstandorte bedürften einer strikteren Kontrolle. Die Hürden für die Entwicklung von aus diesem Bereich stammenden Wirkstoffen seien zu tief angesetzt, so der Experte.

Zur Bewirtschaftung des Firmenportfolios: Trotz hohen über mehrere Jahre getätigten Investitionen sei der Bereich Impfstoffe und Diagnostik bisher nicht zum fliegen gebracht worden. Die Probleme bei der staatlichen Kostenübernahme für den Impfstoff Bexsero wecke Zweifel an der zukünftigen Unabhängigkeit dieser Geschäftsaktivitäten vom Pharmabereich. Novartis solle diesbezüglich alle strategischen Möglichkeiten prüfen und sich zudem vom sogenannten Over-the-counter-Geschäft trennen. Auch für den Bereich Tiergesundheit wünscht sich der Experte Massnahmen, sei dieser auf längere Sicht doch zu klein.

Ich muss dem für die Citigroup tätigen Experten grundsätzlich Recht geben. So wie in den vergangenen 15 Jahren kann es bei Novartis in Zukunft nicht weitergehen. Neben einer Überprüfung der Ausgaben für die Forschung und Entwicklung und Anpassungen im Firmenportfolio gibt es meines Erachtens aber noch eine weitere Möglichkeit, Aktionärswerte zu schaffen: Nämlich in Form eines über mehrere Jahre hinweg laufenden Aktienrückkaufprogramms. Ein solches liesse sich beispielsweise elegant mit der Ausgabe einer in die Inhaberaktien von Roche wandelbaren Anleihe finanzieren.

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In Analystenkreisen wird das von Transocean vergangene Woche veröffentlichte Quartalsergebnis bestenfalls als zufriedenstellend beurteilt.

Dass die Namenaktien schon seit Tagen gut im Markt liegen, hat denn auch andere Gründe: Das in Zug niedergelassene Ölserviceunternehmen prüft eine Änderung der Rechtsform oder eine Auslagerung von Teilen der Förderflotte in ein Master Limited Partnership (MLP).

Aus Aktionärssicht hätte ein solcher Vorstoss gleich mehrere bestechende Vorteile. Der für Merrill Lynch tätige Experte schreibt in einem Kommentar von einer in Zukunft tieferen Steuerbelastung und einer geringeren Kapitalbindung. Mindestens acht Verträge würden sich für eine Auslagerung in ein MLP eignen. Des weiteren schätzt der Analyst, dass jeder ausgelagerte Vertrag rund 3 Dollar zum Aktienkurs beitragen könnte.

Dies dürfte vor allem den Grossaktionär Carl Icahn freuen, stiess der US-Milliardär mit seiner Forderung nach einer Dividende von 4 Dollar je Aktie an der diesjährigen Generalversammlung doch auf taube Ohren. Für Fantasie ist jedenfalls gesorgt, erhöht eine geringere Kapitalbindung doch den finanziellen Spielraum für eine in Zukunft höhere Dividende oder ein Aktienrückkaufprogramm.

Noch ist allerdings nichts in Stein gemeisselt. Eigenen Angaben zufolge wägt Transocean derzeit alle Vor- und Nachteile ab und prüft die Steuerfolgen eines solchen strategischen Meisterstreiches. Den Aktionären dürfte daher noch einiges an Geduld abverlangt werden.