Optisch tiefe Kurse - Ist die Zeit reif, bei Aktien mehr Risiken einzugehen?

Während eine mächtige amerikanische Investmentbank zu mehr Risiken bei Aktien rät, baut die UBS vielmehr Risiken ab. - Und: Kepler Cheuvreux bei U-blox am Ziel angekommen.
28.08.2019 12:30
cash Insider
Ist die Zeit reif, bei Aktien mehr Risiken einzugehen?
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

+++

Zumindest optisch sind gerade die risikobehafteten Aktien in den letzten Wochen schon beinahe verführerisch günstig geworden. Ein Blick auf die hiesige Verliererliste seit Ende Juli lässt allerdings auch weiterhin eine geringe Risikoneigung der Marktakteure erahnen.

Denn neben Aktien von Unternehmen mit hausgemachten Problemen wie etwa dem Sensorenhersteller AMS, dem Telekommunikationsspezialisten Ascom oder dem schlingernden Milchverarbeiter Hochdorf setzt sich die Liste fast ausschliesslich aus kleinen und schlecht handelbaren Nebenwerten zusammen.

Scheuen die Marktakteure das Risiko wie das gebrannte Kind das Feuer, trifft es die Aktien kleiner Unternehmen bekanntlich zuerst. Nicht selten rächt sich hier der enge Markt, wenn alle nach dem "Ausgang" suchen.

Kursentwicklung der Aktien von Hochdorf (rot), AMS (grün) und Ascom (gelb) über die letzten 12 Monate (Quelle: www.cash.ch)

Noch vor einer Woche gaben sich die für J.P. Morgan tätigen Strategen um Mislav Matejka ungewohnt vorsichtig. Der Börsenrücksetzer sei noch nicht ausgestanden, so liessen sie durchblicken. In einem mir aus Frankfurt zugespielten Kommentar legen sie ihre Zurückhaltung nun allerdings ab. Ihre Schlüsselbotschaft: Der Zeitpunkt, um an den Aktienmärkten wieder mehr Risiken einzugehen, rücke unentwegt näher.

Neben günstigeren saisonalen Gegebenheiten stützen sie sich dabei auf eine zweite Leitzinsreduktion durch die amerikanische Notenbank, eine weitere Geldschwemme seitens der Europäischen Zentralbank sowie weitere Verzögerungen bei der Implementierung der angekündigten Strafzölle im Handelsstreit zwischen Washington und Peking ab.

Für reichlich Verwirrung sorgen nun die dem Chief Investment Office des UBS Wealth Management angeschlossenen Strategen. Anders als ihre Berufskollegen bei J.P. Morgan raten sie nicht zu einer Erhöhung, sondern gar zu einer Reduktion von Risiken - und das genau jetzt.

Die grösste Schweizer Bank macht einerseits die Übergewichtung von Aktien weltweit gegenüber Anleihen mit bester Schuldnerqualität rückgängig und implementiert andererseits eine Untergewichtung von Schwellenländeraktien gegenüber Anleihen von Schuldnern aus den Schwellenländern.

Lange Rede, kurzer Sinn: Aktien werden in den Wertschriftenportfolios des UBS Wealth Management neuerdings untergewichtet. In was für Branchen oder Titelsegmenten sich die Grossbank für ihre Kundschaft bewegt, lässt sich der Strategiestudie leider aber nicht entnehmen.

Noch fehlt mir der Mut, um bei den Schweizer Nebenwerten im grossen Stil zuzugreifen. Sollte die Weltwirtschaft tatsächlich einen Dämpfer erfahren, träfe dieser nämlich auch bei uns zuerst einmal die Schwächsten - sprich: Die kleinen und mittelgrossen Unternehmen. Was mir auffällt ist, dass die Korrektur nun auch die beliebtesten Nebenwerte erreicht. Und dennoch können sich die feigen Grossinvestoren nicht auf ewig in den drei defensiven Schwergewichten Nestlé, Roche und Novartis "verstecken".

+++

Zugegeben, in meiner Kolumne gehe ich mit Aktienanalysten nicht gerade zimperlich um. Das brachte mir in den 13 Jahren, in denen ich die Kolumne jetzt schon schreibe, die eine oder andere sichtlich erboste Reaktion ein.

Mir ist durchaus bewusst: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Auch ich koche nur mit Wasser, wenn es darum geht, die Aktien eines Unternehmens richtig einzuschätzen. Dennoch treffe ich fast täglich auf Missstände, die angeprangert gehören - egal ob es sich nun um totale Fehleinschätzungen, mangelnde "unité de doctrine" oder Schönfärberei bei an die Börse gebrachten Unternehmen handelt.

Und obwohl sich schlechte Neuigkeiten bekanntlich besser verkaufen, möchte ich an dieser Stelle auch mal ein Lob aussprechen: Mit seiner Verkaufsempfehlung für die Aktien von U-blox lag Chefanalyst Torsten Sauter von Kepler Cheuvreux rückblickend goldrichtig.

Kurszerfall bei U-blox seit der Verkaufsempfehlung durch Kepler Cheuvreux vom letzten August (Quelle: www.cash.ch)

Die Verkaufsempfehlung geht in den August letzten Jahres zurück. Notierten die Papiere des einzigen reinen Schweizer Vertreters des "Internets der Dinge" damals 155 Franken, kosteten sie zuletzt keine 64 Franken mehr.

Ein Dorn im Auge sind Sauter vor allem die hohen Forschungs- und Entwicklungsausgaben. Ohne diese Ausgaben wäre es dem Halbleiterhersteller allerdings wohl kaum möglich, in diesem hart umkämpften Markt technologisch überhaupt schritthalten zu können. Da U-blox einen Teil der Forschungs- und Entwicklungsausgaben aktiviert, türmt sich in der Bilanz in diesem Zusammenhang mittlerweile Goodwill in Höhe von 212 Millionen Franken auf. Wie viel davon - wenn überhaupt - werthaltig ist, entscheidet nicht zuletzt der kommerzielle Erfolg der entwickelten Produkte. Ich kann es Sauter deshalb nicht verübeln, dass er bei seiner vorsichtigen Haltung bleibt.

Einen kleinen Kritikpunkt habe ich allerdings - so richtig kann der Kater das Mausen halt doch nicht lassen: Nachdem der für Kepler Cheuvreux tätige Chefanalyst sein Kursziel in der Vergangenheit immer nur mit dem jeweiligen Aktienkurs in Einklang brachte, setzt er dieses mit 60 (zuvor 73) Franken neuerdings darunter an. Mal schauen, ob Sauter den Bogen damit nicht etwas überspannt. Wäre ich ein ausländischer Leerverkäufer - ich würde die satten Gewinne womöglich einstreichen.

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.
 

Ausgewählte Produkte auf ams

Symbol Typ Coupon PDF
SAQLJB Barrier Reverse Convertible 20.00% PDF
SAXCJB Barrier Reverse Convertible 14.65% PDF
SAWNJB Barrier Reverse Convertible 13.90% PDF

Investment-Ideen von Julius Bär