Privatanleger kehren an die Aktienmärkte zurück

Während sich mächtige Investoren zurückziehen, kaufen Privatanleger im grossen Stil Aktien zu - Bei Temenos hat der mysteriöse Verkäufer einen Namen - Und: Ziehen die Straumann-Aktien weiter an auf 600 Franken?
27.02.2017 12:30
cash Insider
Privatanleger kehren an die Aktienmärkte zurück
Bild: fotolia.com

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Merrill Lynch zählt zu den mächtigsten Investmentbanken der Welt. Anders als die meisten Rivalen nutzen die Amerikaner ihre breite Kundenbasis allerdings für regelmässige Erhebungen - beispielsweise für die jeweils einmal im Montag medial ausgeschlachtete Umfrage bei Fondsmanagern und Vermögensverwaltern.

Interessante Einblicke liefert auch der Chefstratege für den amerikanischen Aktienmarkt. Jeweils einmal pro Woche berichtet er über die Handelstätigkeit seiner Grosskunden. Letztere werden im Fachjargon gerne auch als "Smart Money" bezeichnet, sind sie anderen Marktakteuren doch meist einen entscheidenden Schritt voraus.

Was der Chefstratege in seinem aktuellsten Kommentar zu berichten weiss, ist an Brisanz kaum zu übertreffen. Bankeigenen Erhebungen zufolge haben institutionelle Grosskunden und Hedgefonds alleine vergangene Woche netto Aktien im Gegenwert von gut 2 Milliarden Dollar auf den Markt geworfen.

Seit Sommer 2012 hat sich der S&P-500-Index nahezu verdoppelt (Quelle: www.cash.ch).

Womöglich wäre der Kapitalabfluss noch bedeutend höher ausgefallen, wären bei Merrill Lynch nicht die Privatkunden als aggressive Käufer von Aktien in Erscheinung getreten.

Zum selben Schluss kommen die Berufskollegen von J.P. Morgan, einer weiteren bekannten amerikanischen Investmentbank. Auch sie berichten von milliardenschweren Verschiebungen von institutionellen Grosskunden und Hedgefonds in Richtung der Privatkunden.

Noch vor zwanzig Jahren hätte man von einer "Hausfrauen-Börse" gesprochen. Obwohl dieser patriarchalisch geprägte Begriff heute kaum noch verwendet wird, lassen sich die jüngsten Entwicklungen an der Leitbörse in New York mit ihm treffender kaum umschreiben...

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Am Mittwoch schrieb ich an dieser Stelle von ausserbörslichen Blocktransaktionen in den Aktien der Genfer Bankensoftwareschmiede Temenos. Diese könnten auf das Konto einer der Grossaktionäre gehen, so vermutete ich damals (siehe Kolumne vom 22. Februar).

Noch hat der Verkäufer zwar keinen konkreten Namen. Zumindest aber steht nun fest, aus welcher Ecke die Aktien stammen. Denn neben mehreren millionenschweren Transaktionen von Geschäftsleitungsmitgliedern mit sogenannten "Phantom-Aktien" wurden der Schweizer Börse SIX mittlerweile zwei Blockverkäufe über einmal 200'000 und einmal 130'000 reguläre Titel gemeldet.

Alleine vom Transaktionsumfang her kommen fast nur Konzernchef David Arnott und sein Finanzchef Max Chuard in Frage. Nachdem sich der Börsenwert ihres Arbeitgebers Temenos alleine in den letzten fünf Jahren mehr als versiebenfacht hat, überraschen diese Blockverkäufe eigentlich nicht.

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Ich will die Qualitäten von Straumann keinesfalls in Abrede stellen: Unter der Leitung von Marco Gadola kann der Dentalimplantatehersteller aus Basel auf wachstumsstarke Jahre zurückblicken. Einst für sein zweigleisiges Geschäftsmodell belächelt, ist den Rivalen das Lachen schon vor einer ganzen Weile im Hals steckengeblieben.

Das eine tun und das andere nicht lassen - so erweist sich der mutige Vorstoss des Herstellers von Premiumimplantaten in den Markt für Billigimplantate rückblickend als goldrichtig. Denn seither macht Straumann der Konkurrenz gleich in beiden Preissegmenten das Leben schwer.

Die Straumann-Aktien (rot) lassen den Gesamtmarkt am SPI (grün) gemessen weit hinter sich zurück (Quelle: www.cash.ch).

Alleine im vergangenen Jahr steigerte das Unternehmen den Umsatz trotz einer hohen Vergleichsbasis aus dem Vorjahr um 13 Prozent. Organisch und aus eigener Kraft, versteht sich. Gleichzeitig verbesserte sich die operative Marge (EBIT) um 150 Basispunkte auf 24,8 Prozent. Die Eigenkapitalrendite lag bei hohen 30 Prozent.

Von einer solchen Eigenkapitalrendite können andere Rivalen bloss träumen. Dasselbe gilt allerdings auch für die Bewertung der eigenen Aktien: Selbst auf Basis optimistischer Annahmen werden letztere zu aktuellen Kursen mit dem 30-Fachen des für dieses Jahr zu erwartenden Gewinns bewertet.

Alleine in den vergangenen vier Jahren hat sich der Börsenwert von Straumann vervierfacht. Und geht es nach dem Medizinaltechnikanalysten von Morgan Stanley - er gilt übrigens als Koryphäe auf seinem Gebiet - ist das Ende der Fahnenstange noch immer nicht erreicht. In einer Unternehmensstudie erhöht er das Kursziel für die erst seit Anfang November mit "Overweight" eingestuften Aktien auf 470 (439) Franken.

Doch damit nicht genug: Auf Basis seiner optimistischsten Annahmen ("Bull-case") traut er den bei Anlegern beliebten Papieren sogar einen Anstieg um 40 Prozent auf gut 600 Franken zu.

Für gewöhnlich sind früher oder später auch die Aktien von solch erfolgreichen Unternehmen wie Straumann wieder zu vernünftigeren Kursen zu haben. Die Börse ist bekanntlich keine Einbahnstrasse - auch im vorliegenden Fall nicht.
 

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