Privatbank rät zum Kauf von Franken

Die Zürcher Traditionsbank Julius Bär ruft zu einer Wette gegen die Schweizerische Nationalbank auf - Wichtige Bewährungsprobe für Galenica - Und: Vorschusslorbeeren für die Aktien von EFG International.
07.12.2016 12:30
cash Insider
Privatbank rät zum Kauf von Franken
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

***

Die abgelehnte Verfassungsreform in Italien wird den dortigen Ministerpräsidenten Matteo Renzi das Amt kosten. Allerdings blieben die von vielen Beobachtern befürchteten Verwerfungen in den letzten Tagen aus.

Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) kann fürs Erste aufatmen, war sie dem Vernehmen nach doch nur Montagfrüh zu Offenmarktinterventionen gezwungen. Seither hat sich die Situation entspannt, der Franken sich gegenüber den wichtigsten Währungen wieder etwas abgewertet.

Nun treten ausgerechnet die Währungsstrategen der Zürcher Traditionsbank Julius Bär mit einer ziemlich überraschenden Empfehlung an ihre Kundschaft heran: Sie raten ihr aus taktischen Gründen zum Kauf von Franken gegen Euro, zumindest aber eine Absicherung von Euro-Beständen.

Entwicklung des EUR/CHF vor und nach dem Volksentscheid in Italien; Quelle: www.cash.ch

Im Hinblick auf die Wahlen in den europäischen Kernländern Frankreich und Deutschland und die damit verbundenen politischen Unsicherheiten befürchten die Experten eine erneute Flucht in den Franken. Die SNB werde ihrerseits nicht in der Lage sein, den Franken aus eigener Kraft weiter zu schwächen, so schreiben sie weiter.

Wie seit heute früh bekannt ist, sind die Devisenreserven im November erneut kräftig gestiegen. Neuerdings hält unsere SNB Fremdwährungen im Gegenwert von atemberaubenden 648 Milliarden Franken in den Büchern. Ob und wann die Schmerzgrenze erreicht ist, bleibt abzuwarten. Vermutlich äussern die für Julius Bär tätigen Währungsstrategen, was viele ihre Berufskollegen bei anderen Banken sich nicht wagen: ein unmissverständliches Misstrauensvotum an die Adresse der SNB.

***

Zumindest eine Baustelle sind die Firmenvertreter von Galenica seit vergangener Woche los: Allen Unkenrufen zum Trotz liess die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA die sogenannte "Black Box"-Warnung für das mit der milliardenschweren Übernahme von Relypsa erworbene Schlüsselmedikament Veltassa fallen.

Nun wartet aber bereits die nächste Bewährungsprobe auf den Berner Gesundheitskonzern. Denn wie das britische Mutterhaus des Generikaherstellers Par Pharmaceuticals meldet, haben die ersten Chargen des Nachahmerpräparats für das Transplantationsmedikament CellCept die Produktionsstätten in Richtung der Vereinigten Staaten verlassen.

Für das Originalpräparat erhält Galenica vom Partner Roche Lizenzzahlungen. Diese Zahlungen dürften nach und nach wegbrechen und so nacheinander auf die Gewinnentwicklung der beiden betroffenen Unternehmen drücken.

Vermutlich ist der ausstiegswillige Grossaktionär Kohlberg Kravis Roberts (KKR) gut beraten, sich baldmöglichst von seinem Aktienpaket zu trennen. Dass sich der Ausstieg der bekannten Private Equity Firma derart in die Länge zieht, lässt tief blicken...

Allerdings hält das die UBS heute nicht davon ab, die Aktien von Galenica mit einem neu 1300 (1100) Franken lautenden 12-Monats-Kursziel von "Neutral" auf "Buy" hinaufzustufen.

***

Die Flut bei den Finanzwerten hebt alle Boote – auch jenes von EFG International. Still und leise haben sich die Aktien des Vermögensverwalters aus Zürich seit dem Frühsommer beinahe im Kurs verdoppelt.

Machten Analysten damals einen grossen Bogen um diese Valoren, verspüren sie im Zuge steigender Kurse vermehrt wieder Appetit. Vergessen scheinen die Probleme mit einem schon vor Jahren erworbenen Lebensversicherungsportfolio, genauso wie die von Enttäuschungen geprägte Geschäftsentwicklung vergangener Tage.

Selbst dem umstrittenen Kauf der Banca della Svizzera Italiana (BSI) gewinnt man in Expertenkreisen mittlerweile positive Aspekte ab. So überrascht es denn nicht, dass der für die Citigroup tätige Analyst die Aktien von EFG International im Vorfeld der morgigen Investorenkonferenz zu diesem Thema von "Neutral" auf "Buy" heraufstuft.

Kursentwicklung der Aktien von EFG International in den letzten 12 Monaten; Quelle: www.cash.ch

Er räumt zwar ein, dass in Bezug auf die zukünftige Nettoneugeldentwicklung, den effektiven Buchwert und die zukünftige Ertragslage des Unternehmens nicht unbeträchtliche Fragezeichen angebracht seien. Allerdings erachtet der Experte Letztere als weitestgehend im Aktienkurs berücksichtigt.

In einem Punkt ist man bei der amerikanischen Investmentbank etwas gar inkonsequent: Denn obschon die bankeigenen Gewinnschätzungen für dieses und das nächste Jahr um bis zu 23 Prozent zusammengestrichen werden, wird das Kursziel auf 6,40 (5,30) Franken angehoben.

Spätestens morgen Donnerstag wird sich zeigen, ob die kursseitigen Vorschusslorbeeren der letzten Wochen und Monate auch wirklich gerechtfertigt sind. Anschlusskäufe sind nur dann zu erwarten, wenn der Vermögensverwalter aus Zürich weitere und vor allem glaubwürdige Kostensenkungsmassnahmen bekanntgibt.
 

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.