Provokante Empfehlung - Kräftiger Tritt ans Schienbein des zukünftigen ABB-Chefs

Nur wenige Monate vor dem Amtsantritt des neuen ABB-Chefs lässt die Deutsche Bank die Aktie wie eine heisse Kartoffel fallen. Damit aber nicht genug. – Und: J.P. Morgan verschläft den Höhenflug bei Temenos.
05.09.2019 12:30
cash Insider
Kräftiger Tritt ans Schienbein des zukünftigen ABB-Chefs
Bild: fotolia.com

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Eine Studie der Deutschen Bank zur europäischen Investitionsgüterindustrie erhitzt am heutigen Donnerstag die hiesigen Gemüter. Denn darin stuft Autor Gael de-Bray die Aktien von ABB mit einem Kursziel von 20 (zuvor 23) Franken von "Buy" auf "Hold" herunter - und das nur wenige Monate vor dem Wechsel des langjährigen Sandvik-Chefs Björn Rosengren an die Spitze des schweizerisch-schwedischen Industriekonzerns. Und als ob das nicht schon genug der Schmach wäre, preist er neuerdings ausgerechnet die Papiere des Noch-Arbeitgebers Sandvik zum Kauf an. Bloss ein Zufall - oder gar ein gezielter Affront gegen den zukünftigen Firmenchef bei ABB?

Der Studienautor begründet den Favoritenwechsel damit, dass Sandvik über ein widerstandsfähiges Ertragsprofil verfügt und sich deshalb auch in einem schwierigen Wirtschaftsumfeld zu behaupten wissen sollte. Dass er die Aktien von ABB nicht länger zum Kauf empfiehlt, erklärt der Analyst mit Anhaltspunkten, wonach der schweizerisch-schwedische Industriekonzern in den letzten Jahren in den wichtigsten Geschäftsfeldern Marktanteile verloren hat. Für ihn hat sich der Traum von 35 Kursfranken ausgeträumt.

Entwicklung der Aktien von ABB (rot) im Vergleich mit jenen von Sandvik (grün) in den letzten 12 Monaten (Quelle: www.cash.ch)

Allerdings musste diese Erkenntnis ziemlich lange reifen, waren die Papiere für de-Bray doch seit April 2017 stets ein Kauf. Zur Erinnerung: Damals wurden noch Kurse um die 23 Franken bezahlt.

Wenn auch ungewollt, so sind diese beiden Titelumstufungen dennoch ein kräftiger Tritt ans Schienbein des zukünftigen ABB-Chefs. Dass die Börse im Fall von ABB überraschend gnädig reagiert, erkläre ich mir mit Veräusserungsspekulationen. Wie dem schwedischen Wirtschaftsblatt "Dagens Industri" entnommen werden kann, zeichnet sich ein weiterer milliardenschwerer Spartenverkauf ab. So soll unter Rosengren nach Power Grids auch der Bereich Electrification mit einem Jahresumsatz von rund 13 Milliarden Dollar zur Disposition stehen.

Ich frage mich, ob die Deutsche Bank nicht sogar etwas gegen Schweizer Aktien hat? Denn neben den Papieren von ABB stuft die Grossbank am heutigen Donnerstag auch jene von LafargeHolcim von "Buy" auf "Hold" herunter und rät zu Umschichtungen in die Aktien des Rivalen HeidelbergCement. Letztere werden zu diesem Anlass von "Hold" auf "Buy" heraufgestuft.

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Noch vor wenigen Jahren galt Temenos als ein Sorgenkind. Als Folge der Finanzkrise von 2007/08 tendierte die Investitionsbereitschaft bei den Banken gegen Null, was bei der Genfer Bankensoftwareschmiede für leere Auftragsbücher sorgte.

Innerhalb von gerade mal sechs Jahren mauserte sich das hässliche Entlein allerdings zum stolzen Schwan. Es ist, als wäre "Die Geschichte vom hässlichen Entlein" für Temenos geschrieben worden. Die Aktien gelten hierzulande als "der" Überflieger der letzten Jahre. Mit keiner anderen Schweizer Aktie liess sich auch nur annähernd soviel Geld verdienen - vorausgesetzt man hatte denn gutes Sitzleder und widerstand der Versuchung, die aufgelaufenen Kursgewinne voreilig mitzunehmen.

Den Höhenflug völlig verschlafen hat J.P. Morgan. Die amerikanische Investmentbank stellte die Abdeckung der Papiere schon vor mehreren Jahren ein. Zum Zeitpunkt der Abdeckungseinstellung lautete das Anlageurteil "Neutral" mit einem Kursziel von gerade mal 20 Franken.

Höhenflug der Temenos-Aktien seit Absetzung der Research-Abdeckung durch J.P. Morgan (Quelle: www.cash.ch)

Vor wenigen Tagen nun nahm J.P. Morgan die Abdeckung wieder auf - neue Analystin, neues Glück. Anders als ihr Vorgänger empfiehlt Analystin Stacy Pollard die Aktien von Temenos mit "Overweight" und einem Kursziel von 190 Franken zum Kauf.

Pollard räumt zwar ein, dass die Bewertung bereits ziemlich hoch sei. Dank guten Wachstumsaussichten und der Überlegenheit gegenüber anderen Rivalen sieht sie dennoch Raum für höhere Kurse.

Man merke: Auch an der Börse kommt der Appetit häufig erst beim Essen - oder besser gesagt: mit steigenden Kursen.

 

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