Reduktion der Beteiligung - Dem grössten AMS-Aktionär reichts

Kurzes Gastspiel eines «Grossaktionärs wider Willen» beim Sensorenhersteller AMS - Wiedererwachte Spekulationen um EFG International - Und: Die Korrektur erreicht nun auch die beliebtesten Schweizer Nebenwerte.
27.08.2019 12:30
cash Insider
Dem grössten AMS-Aktionär reichts
Bild: fotolia.com

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Grossaktionär eines Unternehmens werden - und das wider Willen. Auch das kann passieren und lässt in etwa das umschreiben, was dem bekannten Fondsanbieter Invesco im Mai dieses Jahres widerfahren ist.

Durch die Übernahme des Rivalen Oppenheimer stieg Invesco mit einem Stimmenanteil von fast 8 Prozent quasi über Nacht zum grössten Einzelaktionär von AMS auf. Die Freude an diesem Aktienpaket dürfte sich allerdings in Grenzen halten. Das zumindest lässt am heutigen Dienstag eine Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX erahnen. Wie die Meldung verrät, trennte sich der bekannte Fondsanbieter zuletzt im grossen Stil von Aktien des Sensorenherstellers. Dadurch fiel der Stimmenanteil auf knapp unter 5 Prozent.

Was genau Invesco zum Teilrückzug aus dem Aktionariat veranlasst, darüber lässt sich bloss spekulieren. Als Zulieferer sowohl vom chinesischen Smartphonehersteller Huawei als auch von dessen Erzrivalen Apple findet sich AMS im Handelsstreit zwischen Washington und Peking zwischen Stühlen und Bänken wieder. Sollte der Streit zwischen den beiden Wirtschaftssupermächten weiter eskalieren, könnte früher oder später das Tagesgeschäft darunter leiden.

Seit zwei Wochen befinden sich die Aktien von AMS im Kriechgang. (Quelle: cash.ch)

Wahrscheinlicher ist allerdings, dass dem Grossaktionär die kontrovers beurteilte Übernahme der früheren Siemens-Tochter Osram Licht - besser gesagt die in diesem Zusammenhang geplante Kapitalerhöhung in Höhe von 1,5 Milliarden Euro - ein Dorn im Auge ist.

Die Rechnung ist denkbar einfach: Je tiefer der Aktienkurs fällt, desto mehr neue Aktien müssen ausgegeben werden, um die milliardenschwere Übernahme finanziell stemmen zu können.

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Noch im Mai hiess es, der Grossaktionär BTG Pactual wolle bei EFG International Kasse machen. Die brasilianische Bankengruppe - sie ist seit dem Verkauf der Banca della Svizzera Italiana (BSI) mit 29 Prozent mit an Bord - dementierte umgehend.

Seit dem späten Freitagabend werden allerdings wieder Platzierungsspekulationen laut - angeheizt durch Berichte einer Polizeirazzia am Hauptsitz der Bankengruppe. Und obwohl weniger BTG Pactual selbst, als vielmehr der Firmengründer Andre Esteves immer mehr ins Visier der Behörden gerät, wurden die Aktien der Bankengruppe innerhalb von gerade mal drei Handelstagen mit einem satten Minus von 30 Prozent abgestraft.

Mich überrascht, dass die Polizeirazzia beim zweitgrössten Aktionär von EFG International in den hiesigen Medien und an der Börse keine höheren Wellen schlägt. Denn mit jedem weiteren Prozent, das der Aktienkurs des Grossaktionärs in São Paulo fällt, steigt der Druck auf BTG Pactual, das Aktienpaket zu versilbern. Wäre ich EFG-Aktionär, ich würde die dortige Situation wohl bis auf Weiteres im Auge behalten.

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Wer in den letzten Jahren auf die Aktien von Temenos oder Straumann setzte, verdiente sich eine goldene Nase. Die Papiere des Dentalimplantateherstellers aus Basel haben sich innerhalb von sechs Jahren mehr als vervierfacht, jene der Genfer Bankensoftwareschmiede sogar fast versiebenfacht.

Doch während ein Gros der Banken und ihrer Analysten die Aktien dieser beiden Vorzeigeunternehmen noch immer mit geradezu verführerisch hohen Kurszielen zum Kauf empfiehlt, erreicht die Korrektur nun auch diese noch immer sehr beliebten Nebenwerte. Die beiden Papiere notieren rund 14 Prozent unter ihrem Rekordhoch vom Frühsommer dieses Jahres.

Mit den Aktien von Temenos (rot) und Straumann (grün) liess sich in den letzten Jahren viel Geld verdienen. (Quelle: cash.ch)

Die Gründe für diesen Rücksetzer sind von unterschiedlicher Natur. Während bei Temenos die zuletzt stark rückläufigen Zinsen das Investitionsklima der Banken vergiften könnten, drücken bei Straumann zu Lasten der europäischen Medizinaltechnikaktien gehende Branchenrotationen auf die Kurse. Angeblich ziehen internationale Grossinvestoren erstmals Gelder aus diesem als sicherer Hafen geltenden Titelsegment ab.

Das zeigt zwei Dinge: Zum einen erreicht die Korrektur nun auch die beliebtesten Schweizer Nebenwerte und zum anderen ist die Börse auch für die Aktien erfolgsverwöhnter Unternehmen keine Einbahnstrasse nach oben. Damit die beiden in einen Bärenmarkt übergehen, müssten die Kurse allerdings noch einmal kräftig fallen – spricht man doch erst bei einem Rücksetzer vom Rekordhoch um 20 Prozent oder mehr von einem Bärenmarkt.
 

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