Rette sich wer kann - in Schweizer Aktien?

Der cash Insider weiss bei den SMI-Schwergewichten von auffälligen Blocktransaktionen zu berichten. Ausserdem verrät er, auf welche Schweizer Aktien Kepler Cheuvreux neuerdings setzt.
08.07.2016 12:30
cash Insider
Rette sich wer kann - in Schweizer Aktien?
Bild: fotolia.com

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Schon seit Tagen gehen in den Schwergewichten Nestlé, Roche und Novartis grosse ausserbörsliche Blöcke um. Diese tragen die Handschrift mächtiger ausländischer Grossinvestoren wie BlackRock. Nur sie sind in der Lage, solche millionenschweren Brocken überhaupt stemmen zu können.

Alleine gestern entfielen die sieben grössten Einzeltransaktionen auf die Aktien von Nestlé, allesamt Titelkäufe aus dem Ausland. Das "Wer-ist-Wer" der weltgrössten Vermögensverwalter sucht Schutz unter dem Dach des Nahrungsmittelherstellers aus Vevey, so macht es den Anschein.

Bände spricht auch die heutige Heraufstufung dessen Valoren von "Equal-weight" auf "Overweight" durch Barclays Capital. In einer Branchenstudie beziffern die für die britische Grossbank tätigen Autoren das Kursziel neu auf 82 (73) Franken - und das obwohl die nächstjährigen Gewinnschätzungen sogar leicht zurückgenommen werden.

Die Experten begründen ihre positivere Einschätzung mit den guten Dividendenaussichten, den geplanten Kosteneinsparmassnahmen sowie der Wahrscheinlichkeit einer strategischen Neuausrichtung unter dem zukünftigen Konzernchef.

Dass der europäische Nahrungsmittelsektor - und damit auch die Aktien von Nestlé - mit einem rekordverdächtig hohen Bewertungsaufschlag von fast 50 Prozent zum breiten Markt gehandelt wird, scheint bei Barclays Capital niemanden so recht zu stören.

Dasselbe lässt sich über die Aktienanalysten von Kepler Cheuvreux sagen. Das dritte Quartal ist nur wenige Tage alt, da sehen sie sich schon zu Umstellungen bei ihren Schlüsselempfehlungen für den Schweizer Aktienmarkt gezwungen. Neu setzen die Experten die Aktien von Nestlé (Kursziel 82 Franken), Partners Group (Kaufen, Kursziel 444 Franken) und SGS (Kursziel 2330 Franken) auf die Liste "Swiss Top Picks". Zwei Dinge haben diese Neuzugänge übrigens gemeinsam: Sie alle führen ein weitestgehend von der konjunkturellen Entwicklung unabhängiges Eigenleben, und sie alle sind in den letzten Wochen bereits stark im Kurs gestiegen.

Platz machen müssen die Valoren von Metall Zug, Helvetia und Richemont. Für ein weiteres Quartal auf der Liste verbleiben jene von Dorma+Kaba (Kursziel 770 Franken), Geberit (Kursziel 400 Franken) und SFS Group (Kursziel 77 Franken).

Bei den Schlüsselverkaufsempfehlungen bleibt mit den Aktien von Sonova (Kursziel 109 Franken) und Lindt & Sprüngli (Kursziel 59000 Franken) alles beim Alten. Beide weisen ein Abwärtspotenzial von nicht weniger als 15 Prozent zum jeweiligen Kursziel auf.

Wie schon Anfang April rät man der Anlagekundschaft bei Kepler Cheuvreux zum Kauf der Aktien von Sunrise Communications (Kursziel 72 Franken) bei einem gleichzeitigen Verkauf der Aktien des grösseren Rivalen Swisscom (Kursziel 420 Franken). Auf Basis der Kursziele verspricht dieser sogenannte "Pair-Trade" ein Gewinnpotenzial von 28 Prozent.

Anders als viele ihrer Berufskollegen machen die Aktienanalysten von Kepler Cheuvreux nicht den Ausgang des EU-Referendums in Grossbritannien für den jüngsten Ausverkauf bei den Aktien verantwortlich. Sie sehen den Grund viel eher in der Flaute bei den Unternehmensgewinnen. Die Experten sehen letztere nämlich erst im nächsten Jahr wieder auf den Stand von 2015 steigen.

Einmal mehr scheinen die Banken und ihre gutbezahlten Strategen in diesen Tagen vermeintlich dasselbe zu tun: Sie alle suchen bei uns am Schweizer Aktienmarkt nun plötzlich Schutz in den noch bis vor wenigen Wochen verschmähten Indexschwergewichten, allen voran in den Aktien von Nestlé. Ich werde die Entwicklung der Schlüsselempfehlungen von Kepler Cheuvreux während den kommenden Wochen im Auge behalten und an dieser Stelle darüber berichten, ob die defensiven Aktien auch wirklich den erhofften Schutz geboten haben.
 

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