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Richemont erwischt Leerverkäufer eiskalt auf falschem Fuss

Die Aktien von Richemont kosten die Leerverkäufer viel Geld - Deutsche Bank wirft bei Adecco überraschend das Handtuch - Meyer Burger strebt höhere Kurssphären an - Und: u-blox wird zum Wiederholungstäter.
12.01.2017 12:30
cash Insider
Richemont erwischt Leerverkäufer eiskalt auf falschem Fuss
Bild: fotolia.com

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Spätestens als Morgan Stanley vorgestern erstmals wieder eine Kaufempfehlung für die Aktien von Richemont aussprach, hätten es die Leerverkäufer eigentlich besser wissen müssen. Schliesslich hatte die für die amerikanische Investmentbank tätige und viel beachtete Analystin schon oft einen guten Riecher.

Rückblickend war die Kaufempfehlung (siehe Kolumne vom 10. Januar) ein nur von den wenigsten als solcher verstandener Schuss vor den Bug der vorwiegend ausländischen Leerverkäufer.

Dass sich das Umsatzwachstum im umsatzträchtigen Weihnachtsquartal allen Unkenrufen zum Trotz sogar beschleunigt hat, kostet diese heute nicht nur bei den Valoren von Richemont viel Geld. Auch die Aktienkursnotierungen der Swatch Group steigen kräftig.

Die Richemont-Aktien entwickeln sich nicht so, wie sich die Leerververkäufer das vorstellen: Quelle: www.cash.ch

Erhebungen des Beratungsunternehmens Markit zufolge liefen noch Ende Dezember Wetten um Umfang von 30 Prozent aller ausstehenden Aktien gegen die Rivalin und immerhin solche im Umfang von gut 8 Prozent gegen Richemont.

Allerdings gehen die Informationen diesbezüglich weit auseinander. In einem Kommentar von Morgan Stanley aus London ist nämlich nur noch von 4,4 Prozent leerverkauften Aktien die Rede.

Diese Differenz lässt sich damit erklären, dass sich Markit und andere Anbieter auf eine Hochrechnung der über die Wertpapierleihe ausgeliehenen Aktien abstützen.

Verloren haben die Leerverkäufer den Kampf bei den Valoren der beiden Schweizer Uhrenkonzerne noch nicht. Nach dem heutigen Tag sind sie zumindest aber angezählt...

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Einen äusserst schweren Stand haben die Leerverkäufer auch bei den Aktien von Adecco. Heute müssen sie eine weitere Hiobsbotschaft verkraften: Nachdem der für die Deutsche Bank tätige Analyst die Valoren des Stellenvermittlers über die letzten Jahre hinweg unentwegt zum Verkauf empfohlen hat, wirft er überraschend das Handtuch.

Schon seit Wochen sind die Adecco-Aktien eine "Einbahnstrasse nach oben"; Quelle: www.cash.ch

Nach einer kräftigen Erhöhung des Kursziels auf 75 (50) Franken hält er eine Verkaufsempfehlung schlichtweg nicht mehr länger für angebracht. Gar von einer Kapitulation des Experten lässt sich bei den Gewinnschätzungen sprechen. Diese werden um bis zu 55 Prozent nach oben revidiert und decken sich neuerdings mit den Erwartungen vieler anderer Berufskollegen.

Seit wenigen Wochen wird bei Adecco auf eine grosszügigere Dividendenpolitik sowie auf eine Neuauflage des Aktienrückkaufprogramms spekuliert. Allerdings müssen die Leerverkäufer noch bis Anfang März zittern. Erst dann nämlich steht beim Stellenvermittler die Jahresergebnispräsentation an.

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Es gab eine Zeit, da mussten bei Meyer Burger schon Aufträge in hoher zweistelliger Millionenhöhe eintreffen, damit sie dem Solarzulieferunternehmen aus dem Bernischen Gwatt überhaupt eine Pressemitteilung wert waren. Doch das war einmal - Tempi passati.

Mittlerweile orientiert Meyer Burger die Öffentlichkeit schon bei einem Auftragsvolumen von gerademal 8 Millionen Franken für die neuste Generation von Diamantdrahtsägen. Und das, obschon diese Summe gerademal 2 Prozent des für das laufende Jahr erwarteten Umsatzes entspricht.

Eine interessante Erklärung hat der Autor eines Kommentars aus dem Aktienhandel der MainFirst Bank auf Lager. Wie er schreibt, dürfte das Unternehmen kurzfristig an steigenden Kursnotierungen interessiert sein – orientieren sich die neuen Bedingungen der Wandelanleihe doch am Durchschnittskurs für den Januar.

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Als sich der Halbleiterhersteller u-blox im August zu einer Umsatzwarnung gezwungen sah, glaubte alle Welt an einen einmaligen Ausrutscher. Seit heute früh wissen wir: Es sollte nicht bei dieser einen Kappung der firmeneigenen Umsatzprognosen bleiben.

Erneut krebst das Unternehmen bei der Zielbandbreite für die Umsatz- und Gewinnentwicklung zurück, was es zu einem Wiederholungstäter macht.

Der Analyst von Bryan Garnier kennt kein Erbarmen und stuft die Aktien von u-blox gleich um zwei Stufen von "Buy" auf "Sell" herunter. Nach einer einschneidenden Abwärtsrevision seiner Schätzungen beziffert er den fairen Wert auf gerademal 160 (265) Franken.

Die u-blox-Aktien (rot) oszillieren schon seit Monaten rund um den SPI (grün); Quelle: www.cash.ch

Noch vor wenigen Tagen wurden mir Informationen aus dem hiesigen Handel zugetragen, wonach der Halbleiterhersteller mit den Wachstumsängsten aufräumen könnte. Mit dem heute abgegebenen Ausblick erreicht er allerdings das pure Gegenteil.

Weil nicht selten Vorsicht geboten ist, wenn ein Wachstumsunternehmen wie u-blox sein "Mojo" verliert, stelle ich die erst am Freitag eingegangene Position besser wieder glatt (siehe Kolumne vom 6. Januar).

 

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