Richemont, Partners Group & mehrChefanalyst nennt Gewinner eines schwächeren Frankens

Der Chefanalyst von Kepler Cheuvreux nennt Aktien, welche von einem schwächeren Franken profitieren - Und: Das Tagesgeschäft des Backwarenherstellers Aryzta läuft noch nicht rund.
26.05.2017 12:30
cash Insider
Chefanalyst nennt Gewinner eines schwächeren Frankens
Bild: fotolia.com

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Mit dem versöhnlichen Ausgang der Präsidentschaftswahlen in unserem westlichen Nachbarland Frankreich scheint an den Devisenmärkten so etwas wie der Damm gebrochen zu sein. Der Aufwertungsdruck beim Franken hat spürbar nachgelassen.

Während in den Handelsräumen unserer Schweizerischen Nationalbank (SNB) erleichtertes Aufatmen angesagt ist, dürfte in den Chefetagen hiesiger Unternehmen sogar ein bisschen Freude herrschen. Denn viele von ihnen erzielen einen Grossteil ihres Jahresumsatzes und –gewinns im Ausland, weshalb ein schwächerer Franken die Kassen klingeln lässt.

Der Franken werde sich im Jahresverlauf weiter gegen die wichtigsten europäischen Währungen abschwächen, so lässt Torsten Sauter von Kepler Cheuvreux in einem Strategiepapier durchblicken.

Und er nennt auch gleich Aktien von Unternehmen, welche überdurchschnittlich stark davon profitieren würden. Dazu zählt der Schweizer Chefanalyst jene des Backwarenherstellers Aryzta, des Schokoladeproduzenten Barry Callebaut, des Vermögensverwalters GAM, des Gesundheitskonzerns Novartis, des Risikokapitalspezialisten Partners Group, des Luxusgüterkonzerns Richemont, des Aufzugherstellers Schindler sowie des Metallverarbeiters SFS Group.

Zwei Dinge haben diese Aktien gemeinsam: Sie alle weisen eine hohe inverse Korrelation zum Euro-Franken-Kurs auf und werden von Kepler Cheuvreux zum Kauf empfohlen.

Top und Flopp: Die Aktien der Partners Group (rot) im Vergleich mit jenen von Aryzta (grün) (Quelle: www.cash.ch)

Allerdings verrät eine Grafik auf Seite sieben des Strategiepapiers, dass der Sanitärtechnikkonzern Geberit sowie der Dentalimplantatehersteller Straumann sogar noch stärker vom Euro-Franken-Kurs abhängig sind. Die Aktien von Geberit werden bei Kepler Cheuvreux nur mit "Hold", jene von Straumann sogar mit "Reduce" eingestuft werden.

Auf kurze Sicht machen die vom Schweizer Chefanalyst genannten Wetten sicherlich Sinn. Dennoch bleibe ich dabei, dass sich ein starker Franken für Anleger langfristig ausbezahlt macht. Im Oktober letzten Jahres hat die Zürcher Traditionsbank Julius Bär hierzu ziemlich beeindruckende Erhebungen durchgeführt (siehe meine Kolumne vom 17. Oktober).

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Am letzten Freitag stieg, für viele Beobachter überraschend, weisser Rauch auf. Diesmal nicht über den Dächern der Sixtinischen Kapelle im Vatikan, sondern über dem Hauptsitz von Aryzta in Zürich.

Mit Kevin Toland präsentierte der schlingernde Backwarenhersteller einen würdigen Nachfolger für den erfolgsarmen langjährigen Konzernchef Owen Killian. In Rauch ging an diesem Tag auch ein wichtiges Argument ausländischer Leerverkäufer auf, dürfte damit das Führungsvakuum doch schon bald ein Ende haben.

Reihenweise warfen sie an diesem Tag das Handtuch und zündeten damit ein wahres Kursfeuerwerk. Heute, also genau eine Woche später, ist davon nicht mehr viel übrig. Nach dem Höhenflug sind die Aktien wieder auf dem harten Boden der Realität angelangt.

Zurück auf Start, heisst es für die Aryzta-Aktien (Quelle: www.cash.ch)

Eine mögliche Erklärung liefert ein mir zugespielter Kommentar aus dem Hause UBS. Darin weiss der Autor von erneuten Marktanteilsverlusten im Schlüsselmarkt Nordamerika zu berichten. Das Leben schwer mache dem Backwarenhersteller insbesondere der Rivale Grupo Bimbo mit seiner aggressiven Preisgestaltung, so schreibt er. Seines Erachtens waren sich die Länderverantwortlichen von Aryzta in Bezug auf die eigene Preisgestaltungsmacht ihrer Sache zu sicher, was einigen Grosskunden vor den Kopf gestossen habe.

Etwas weniger ernüchternd fallen die Rückmeldungen aus den europäischen Ländern aus. Doch auch auf dem alten Kontinent weiss der für die UBS tätige Analyst von einer geplanten Verdreifachung der Produktionskapazitäten beim Rivalen Lidl sowie vom Markteintritt eines weiteren neuen Anbieters von Backwaren zu berichten.

Am kommenden Dienstag legt Aryzta die Umsatzzahlen für das dritte Quartal des Fiskaljahres 2016/17 vor. Experten gehen im Jahresvergleich von einem organischen Umsatzrückgang zwischen 2,5 und 2,8 Prozent aus. Aussagen zur Gewinnentwicklung sind hingegen nicht zu erwarten, weshalb den Aktionären auch in naher Zukunft vermutlich viel Geduld und gute Nerven abverlangt werden.

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