Roche-Aktionäre erwartet Geldsegen

Den Aktionären von Roche winkt eine Sonderdividende – Gurit verliert Gerüchten zufolge einen Schlüsselkunden - Und: Valiant Holding, die Braut die niemand will?
12.12.2012 14:00
cash Insider
Roche-Aktionäre erwartet Geldsegen
Bild: cash

Käufe aus dem Ausland lassen die Genussscheine von Roche am Mittwoch auf den höchsten Stand seit dem Spätsommer 2008 ansteigen. Wie mir aus dem Berufshandel berichtet wird treten sowohl in den Basiswerten als auch in den Derivaten vorwiegend ausländische Marktkreise als Käufer in Erscheinung.

 
Gestern und heute gelangten mit der Credit Suisse, der Deutschen Bank oder Merrill Lynch gleich mehrere prominente Bankinstitute mit Studien zur europäischen Pharmaindustrie an die Öffentlichkeit. Eines haben diese Sektorstudien gemeinsam: In allen werden die Bons von Roche zu den Favoriten für 2013 gezählt.
 
Neben der aussichtsreichen Produktepipeline und der vom Markt überschätzten von Biosimilars ausgehenden Gefahr wird auch die solide Bilanz als Kaufargument für die Papiere angeführt.
 
Der für Merrill Lynch tätige Experte rechnet aufgrund der geringen Nettoverschuldung mit einer laufenden Erhöhung der Dividende. Bis Ende 2015 werde der vom Gewinn an die Aktionäre ausgeschüttete Anteil von derzeit 52 auf 60 Prozent steigen. Für das Geschäftsjahr 2014 prognostiziert der Experte eine Dividende von nahezu 10 Franken je Genussschein.
 
Noch optimistischer gibt sich seine für die Credit Suisse tätige Berufskollegin. Die Analystin schreibt in der Sektorstudie, dass Roche bis Ende 2016 Mittel im Umfang von bis zu 30 Milliarden Franken an die Aktionäre zurückführen kann. Die Analystin hält eine Sonderdividende deshalb für sehr wahrscheinlich.
 
Nach mehreren produktseitigen Rückschlägen hat Roche in den vergangenen zwölf Monaten zur alten Form zurückgefunden. Das Basler Unternehmen steht heute besser da denn je. Die kerngesunde Bilanz und der hohe zukünftige Free-Cash-Flow lassen für die Aktionärinnen und Aktionäre von Roche einen wahren Geldsegen erwarten.
 
Als Spielverderber könnte sich einzig eine erneute Annäherung an Illumina erweisen. Zwar ist es in den vergangenen Handelstagen verdächtig ruhig um das US-Diagnostikunternehmen geworden. Auf dem Weg zum führenden Anbieter von personalisierten Therapien führt für Roche allerdings kein Weg an Illumina oder einem vergleichbaren Mitbewerber vorbei.
 
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Schon seit Tagen haben die Inhaberaktien von Gurit einen eher schweren Stand. In einem Kommentar schürt die UBS Spekulationen, wonach der in Wattwil niedergelassene Hersteller von Verbundstoffen einen Schlüsselkunden verloren habe.
 
Wie der Verfasser des Kommentars zu berichten weiss, hat ein grösserer europäischer Windturbinenhersteller seinen Einkauf vereinfacht. Dabei sei Gurit als Zulieferer möglicherweise ausgeschieden. Der Experte beziffert den Umsatzverlust auf bis zu 35 Millionen Franken, was 10 Prozent des Jahresumsatzes und 5 Prozent des jährlichen EBIT entspräche.
 
Die UBS rät der eigenen Anlagekundschaft deshalb im Rahmen eines sogenannten «Pair-Trade» zu Baisse-Engagements bei den Aktien von Gurit bei gleichzeitigen Hausse-Engagements bei jenen des Mitbewerbers Schweiter Technologies. Die Papiere von Gurit werden bei der Schweizer Grossbank weiterhin mit «Sell» und einem 12-Monats-Kursziel von 365 Franken zum Verkauf empfohlen. Jene von Schweiter Technologies werden hingegen mit «Buy» und einem 12-Monats-Kursziel von 530 Franken eingestuft.
 
Noch scheint der angebliche Verlust des Grosskunden kein Thema für die Berufskollegen des UBS-Experten zu sein. Dies kann sich allerdings rasch ändern.
 
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Seit die Valiant Holding die Fusionsgespräche vor Wochenfrist bestätigt hat, liegen die Namenaktien der Berner Regionalbankengruppe im Angebot. Auch die Tatsache, dass das Unternehmen neben der BEKB noch mit weiteren potenziellen Interessenten Gespräche führt, lockte am Markt keine neuen Käufer mehr hinter dem Ofen hervor.
 
Die Verantwortlichen der BEKB dürften sich einen Zusammenschluss mit der Valiant Holding zweimal überlegen, gibts im Kanton Bern beim Filialnetz doch Doppelspurigkeiten. Das kombinierte Unternehmen müsste zahlreiche Filialen schliessen, was Hunderte von Arbeitsplätzen kosten könnte. Da die Stimmenmehrheit der BEKB beim Kanton liegt, dürfte sich zumindest die Politik gegen ein solch weitreichendes Abenteuer für den Arbeitsstandort Bern entscheiden. Und ob der Bräutigam aus strategischer Sicht am Filialnetz der möglichen Braut ausserhalb des Kantons Bern interessiert ist, ist fraglich.
 
Auch die beiden Schweizer Grossbanken kommen als Käufer für die Valiant Holding nur schwer in Frage. Sowohl die Credit Suisse als auch die UBS haben ihr Filialnetz in den letzten Jahren gestrafft. Eine Übernahme der Berner Regionalbankengruppe würde die in der Vergangenheit verfolgte Strategie auf den Kopf stellen.
 
Auch wenn es den leidgeplagten Aktionärinnen und Aktionären nicht zu gönnen wäre, könnte die Valiant Holding zur Braut werden, die niemand will.