Roche-CEO: «Grossübernahme ist vom Tisch»

Für Roche ist eine Grossübernahme kein Thema mehr - Aufatmen bei Schweizer Firmen mit einem hohen Ergebnisbeitrag aus Brasilien - Und: Hat sich Barry Callebaut ein Kuckucksei ins Nest gelegt?
27.08.2013 12:30
cash Insider
Roche-CEO: «Grossübernahme ist vom Tisch»

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Stand in der Vergangenheit ein grösseres Biotechnologieunternehmen im Zentrum von Übernahmespekulationen, musste nicht selten Roche als potenzieller Käufer herhalten. In den letzten Wochen wurde den Baslern ein Interesse an Alexion Pharmaceuticals nachgesagt. Alleine schon der am Markt herumgereichte Kaufpreis von 25 Milliarden Dollar setzte den Bons von Roche zeitweise ziemlich zu.

Spätestens seit gestern dürfen die Aktionäre allerdings aufatmen. An einer von JP Morgan organisierten Telefonkonferenz fanden CEO Severin Schwan und CFO Alan Hippe deutliche Worte: Man habe kein Interesse in neue Geschäftsfelder vorzustossen. Und obschon sich die Akquisitionsstrategie nicht auf die derzeitigen Therapiefelder beschränke, seien Grossübernahmen endgültig vom Tisch.

Anders als der Erzrivale Novartis hat sich Roche mit einer hohen Disziplin bei Firmenübernahmen einen Namen gemacht. Dass die Basler zuerst dem Diagnostikunternehmen Illumina und dann auch Alexion Pharmaceuticals vom Verhandlungstisch gelaufen sind, ist aus Aktionärssicht zu begrüssen. Und die an der gestrigen Telefonkonferenz gemachten Aussagen dürften die Angst vor einer kostspieligen Grossübernahme weiter dämpfen.

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Die Zentralbank von Brasilien kündigte jüngst ein 60 Milliarden Dollar schweres Paket an. Ziel ist es, den Zerfall der eigenen Währung zu stoppen.

Auch hierzulande dürften diese Neuigkeiten bei einigen Unternehmen mit Erleichterung aufgenommen worden sein. Darauf lässt zumindest ein Kommentar aus dem Handel der MainFirst Bank schliessen. Der Verfasser des Kommentars nennt denn auch gleich die beiden am stärksten betroffenen Unternehmen: Dufry und Syngenta.

Syngenta habe im vergangenen Jahr 17 Prozent des Umsatzes und einen ähnlich hohen Anteil am EBITDA in Brasilien erzielt, so heisst es. Die Abhängigkeit der Basler von der Währungsentwicklung sei allerdings beschränkt, würden die Produkte in Brasilien doch gegen Dollar verkauft.

Bei Dufry würden hingegen 20 Prozent des Umsatzes und 13 Prozent des EBITDA in Brasilien anfallen. An den Flughäfen werde in Dollar bezahlt. Da die Kaufkraft der Brasilianer unter einem schwächeren Real leide, sei eine Beruhigung der Währungssituation aus Sicht von Dufry jedoch zu begrüssen, so der Verfasser des Kommentars.

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Mitte Dezember übernahm Barry Callebaut für knapp 900 Millionen Franken Geschäftsaktivitäten von Petra Foods. Schon damals erntete der in Zürich beheimatete Schokoladenhersteller mehrheitlich Kritik.

Und tatsächlich scheinen die Firmenverantwortlichen mit ihren grössenwahnsinnigen Expansionsplänen in Asien aus heutiger Sicht ein Kuckucksei ins Nest der Aktionäre gelegt zu haben.

In einem Kommentar durchleuchtet der für Helvea tätige Verfasser das Halbjahresergebnis von Petra Foods. In den ersten sechs Monaten habe ein Verlust von 103 Millionen Dollar resultiert, so der Experte. Allerdings beinhalte diese Zahl ausserordentliche Wertberichtigungen im Umfang von 72 Millionen Dollar. Dennoch sei der bereinigte Verlust von rund 15 Millionen Dollar je Quartal höher als in der zweiten Hälfte letzten Jahres.

Der Experte rechnet damit, dass die Geschäftsaktivitäten während den ersten zwei Monaten unter dem Dach von Barry Callebaut einen negativen Ergebnisbeitrag beigesteuert haben. Darüber hinaus sei unwahrscheinlich, dass sich der Umwandlungssatz im von den Firmenverantwortlichen erhofften Ausmass verbessern werde.

Deshalb streicht der Experte seine zukünftigen Gewinnschätzungen um bis zu 9,3 Prozent zusammen. Auf Stufe EBIT liegen seine neuen Annahmen um 6 Prozent unter den Konsensschätzungen des Marktes. Die Aktien von Barry Callebaut werden bei Helvea mit «Hold» und einem Kursziel von 890 Franken eingestuft.

Regelmässige Leserinnen und Leser meiner Kolumne wissen, dass ich der Grossübernahme von Anfang an skeptisch gegenüberstand. Daran hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert. Das Streben nach Grösse und einer stärkeren Präsenz in den Schwellenländern ist nicht immer ein Patentrezept, was nun auch Barry Callebaut lernen muss.