Roche droht bei Übernahme eine Abstrafung

US-Broker sagt Roche bei einer Übernahme von Alexion einen Kurseinbruch vorher – Sulzer drohen weitere Enttäuschungen – Und: Verliert Bernanke die Kontrolle über den Anleihenmarkt?
06.08.2013 12:30
cash Insider
Roche droht bei Übernahme eine Abstrafung

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Schon seit Tagen verdichten sich Marktspekulationen, wonach Roche den kleineren Rivalen Alexion Pharmaceuticals für umgerechnet 25 Milliarden Dollar übernehmen wolle. Das amerikanische Biotechnologieunternehmen habe deshalb Goldman Sachs mit dem Aufbau eines Abwehrdispositivs beauftragt, so hiess es zuletzt.

In einem Kommentar findet der bei Merrill Lynch für den Basler Pharmakonzern verantwortliche Verfasser allerdings klare Worte: Zwar habe Roche die Schulden für die Übernahme von Genentech nahezu vollständig abbezahlt. Ausserdem verfüge das Schlüsselmedikament von Alexion Pharmaceuticals über gute Wachstumsaussichten und hohe Eintrittsbarrieren. Nichtsdestotrotz erachtet der Experte eine solche Grossübernahme nicht nur als negativ für die Kursentwicklung sondern auch als recht unwahrscheinlich.

Sollten sich die Marktspekulationen als wahr erweisen, sei bei den vorerst mit «Buy» und einem Kursziel von 275 Franken empfohlenen Genussscheinen mit einer signifikant negativen Kursreaktion zu rechnen. Als Gründe führt der Experte einerseits die auf den ersten Blick stolze Bewertung und andererseits das beschränkte Synergiepotenzial an. Darüber hinaus sei eine Übernahme in der Grössenordnung von Alexion Pharmaceuticals und der damit verbundene Vorstoss in ein neues Therapiefeld für gewöhnlich mit Risiken verbunden.

Dass die jüngere Vergangenheit von Roche auch von unfreundlichen Übernahmeversuchen geprägt sei, mache die Situation nicht besser. In einem solchen Szenario rechnet der für Merrill Lynch tätige Experte sogar mit einer noch negativeren Reaktion des Marktes.

Nicht zum ersten Mal wird Roche in Übersee eine Grossübernahme nachgesagt. Und obschon man am Hauptsitz in Basel in der Vergangenheit eine hohe Disziplin an den Tag legte, ist im Aktionariat verständlicherweise eine gewisse Nervosität zu verspüren. Dies nicht zuletzt deshalb, weil eine Übernahme in der Grösse von Alexion Pharmaceuticals auch Folgen für die zukünftige Dividendenpolitik haben könnte.

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Den Aktionären von Sulzer dürfte die Ergebnisenttäuschung von Mitte Juli noch immer tief in den Gliedern sitzen. Damals gingen innerhalb von 48 Stunden mehr als 100 Millionen Franken an Börsenwert in Rauch auf.

Und damit nicht genug: Darf man der UBS Glauben schenken, dann stehen dem Winterthurer Traditionsunternehmen weitere Enttäuschungen bevor. Der für die Schweizer Grossbank tätige Experte nimmt seine Anlageempfehlung deshalb von «Buy» auf «Neutral» zurück. Nach einer erneuten Abwärtsrevision seiner diesjährigen Gewinnschätzungen um 17 Prozent errechnet er neu ein 12-Monats-Kursziel von 145 (170) Franken.

Der Experte befürchtet, dass sich die firmeneigenen Prognosen für die zweite Jahreshälfte als zu ambitiös erweisen könnten. Nicht zuletzt deshalb, weil er die bisher verbuchten Restrukturierungskosten für zu tief hält.

Die jüngste Ergebnisenttäuschung ist hauptsächlich auf Probleme bei der 2011 übernommenen Tochter Cardo Flow zurück zu führen. Es bleibt abzuwarten, ob und wie rasch die Firmenverantwortlichen diese Probleme in den Griff bekommen. Der Leistungsausweis für Übernahmen wie jene von Cardo Flow gerät jedenfalls zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt ins Wanken, steht Sulzer doch vor einer Neuausrichtung der Geschäftsaktivitäten.

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Schon eine ganze Weile wird in Händlerkreisen darüber spekuliert, ob die US-Notenbank unter Ben Bernanke die Kontrolle über den amerikanischen Anleihenmarkt verloren habe. Und spätestens seit dem Treffen des Offenmarktausschusses von vergangener Woche erhalten diese Spekulationen weiter Auftrieb.

Schon seit Wochen nutzen Vertreter der US-Notenbank jede nur denkbare Gelegenheit, um der Angst vor einer Drosselung des Rückkaufprogramms für amerikanische Staatsanleihen und verbriefte Hypotheken entgegen zu wirken. Und dennoch setzte zumindest am amerikanischen Anleihenmarkt bisher keine Entspannung ein.

Am Freitagnachmittag liess ein etwas schwächer als erwarteter Arbeitsmarktbericht die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen in den USA zwar auf 2,6 Prozent zurückfallen. Der Trend zeigt allerdings weiterhin ganz klar in Richtung der psychologisch wichtigen Marke von 3 Prozent. Damit könnte der Anstieg bei den Zinsen in Übersee zunehmend auch die Aktienmarktentwicklung beeinträchtigen.