Rückkehr der Zinsängste: Aktien vor «turbulentem Sommer»

Ein bekannter Stratege rechnet an den Aktienmärkten ab dem Sommer mit einer Rückkehr der Zinsängste - Und: Hat sich Martin Ebner bei Temenos von einem grösseren Aktienpaket getrennt?
22.02.2017 12:30
cash Insider
Rückkehr der Zinsängste: Aktien vor «turbulentem Sommer»
Bild: fotolia.com

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Die gute Nachricht zuerst: Der für das Cross Asset Research von Kepler Cheuvreux tätige Stratege sieht die Aktienmärkte noch bis in den August hinein weiter steigen.

Traute er dem amerikanischen S&P-500-Index bisher einen Vorstoss bis auf 2450 Punkte zu, sieht der Experte das Börsenbarometer in der Spitze neuerdings sogar bis auf 2550 Zähler klettern. Aus heutiger Sicht liessen sich noch einmal knapp 9 Prozent verdienen - mit den richtigen Aktien im Depot wahrscheinlich sogar noch mehr.

Dank positiven Vorgaben aus New York hält der Stratege auch bei uns auf dem alten Kontinent noch höhere Kursnotierungen für möglich. Aufgrund der Unsicherheiten rund um die Präsidentschaftswahlen in Frankreich erwartet er solche insbesondere bei Aktien von Unternehmen mit einem hohen Ergebnisbeitrag von ausserhalb Europas.

Einmal mehr argumentiert man bei Kepler Cheuvreux mit den führenden Zentralbanken und ihren Wertpapierkäufen. Die Politik des billigen Geldes verhindere bis auf weiteres auch in den USA einen Anstieg der langfristigen Zinsen, so der Tenor.

Allerdings räumt der Experte ein, dass dieser Effekt nicht ewig dauern werde. Im Zuge höherer Aktienmärkte rechnet er ab Sommer auch entlang der Zinskurve mit Verschiebungen. Zuvor sieht er den DJ Euro Stoxx Index zu den Mehrjahreshöchstständen vom April 2015 bei 395 bis 400 Punkten aufschliessen, was einem Plus von nicht weniger als 12 Prozent entspräche.

Der DJ Euro Stoxx Index (rot) und der SPI (grün) entwickeln sich seit 12 Monaten im Gleichschritt; Quelle: www.cash.ch

An Aktien aus der Schweiz findet der Stratege weiterhin keinen Gefallen - zu dominierend sind ihm hierzulande die von der konjunkturellen Entwicklung weitestgehend unabhängigen Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis. Folglich stuft er sowohl den heisigen Markt als auch den Nahrungsmittel- sowie den Pharmasektor mit "Underweight" ein.

Noch sind die längerfristigen Zinsen nicht stark genug gestiegen, um bei uns für Zinsängste zu sorgen. Rückblickend ist fast noch jeder grössere Rückschlag an den Aktienmärkten von den Anleihenmärkten ausgegangen. Übertreibungen orte ich hierzulande insbesondere bei den stark gestiegenen Nebenwerten (siehe gestrige Kolumne zu Schmolz+Bickenbach). Grosskapitalisierte Vertreter aus dem Swiss Market Index (SMI) wie Nestlé, Roche oder Novartis halte ich hingegen für arg vernachlässigt. Leider können sich diese Indexschwergewichte einem Rückschlag an den Aktienmärkten gewöhnlich nicht entziehen.

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Erstmals seit Wochen gingen gestern Nachmittag bei Temenos wieder grössere ausserbörsliche Blocktransaktionen um. Innerhalb von weniger als einer halben Stunde wechselten einmal 200'000 Aktien und einmal 130'000 Aktien im Gesamtwert von fast 25 Millionen Franken ihren Besitzer.

Aus welcher Ecke des Aktionariats die beiden Blöcke stammen, darüber lässt sich vorerst nur spekulieren. Im hiesigen Berufshandel fällt unter anderem der Name Martin Ebner.

Wie einer Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX entnommen werden kann, trennten sich der Financier und seine Ehefrau Rosmarie Mitte Januar über Patinex von Aktien. Meldepflichtig wurde die Beteiligungsgesellschaft, weil ihr Stimmenanteil dadurch geringfügig unter den Schwellenwert von 15 Prozent zurückfiel.

Solange der Stimmenanteil nicht weniger als 10 Prozent beträgt, bewegt sich das Ehepaar Ebner unter dem Radarschirm der Öffentlichkeit.

Als Verkäufer der beiden Aktienblöcke kommen auch Massachusetts Mutual mit einem Stimmenanteil von 6,69 Prozent oder Aviva in Frage. Der aktuellsten Offenlegungsmeldung zufolge hält der britische Lebensversicherungskonzern 3,48 Prozent der Stimmen.

In den letzten Wochen nahm Massachusetts Mutual übrigens schon beim Pharmazulieferer Lonza sowie beim angeschlagenen Backwarenhersteller Aryzta Geld vom Tisch. Das macht die Amerikaner auch bei Temenos zum wahrscheinlicheren Absender der beiden Aktienblöcke als Martin Ebner und seine Frau.

Eine mögliche Erklärung liefern ausserdem der SIX gemeldete Management-Transaktionen. So wie sich diese beurteilen lassen, trennten sich gleich mehrere Geschäftsleitungsmitglieder von bisherigen "Phantom-Aktien", um den Kauf neuer dieser synthetischen Beteiligungsrechte finanzieren zu können. Im Fachjargon spricht man auch gerne von einem Roll-over.
 

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