Rückzug aus Aktien - Erfolgreicher Risikokapitalspezialist macht Kasse

Der Risikokapitalspezialist Partners Group rüstet sich für einen wirtschaftlichen Abschwung und trennt sich dabei auch von Aktien - Und: Analyst rät bei den Aktien der Credit Suisse zum Verkauf in Kursstärken.
20.10.2017 12:30
cash Insider
Erfolgreicher Risikokapitalspezialist macht Kasse
Bild: fotolia.com

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Die Partners Group ist eine Erfolgsgeschichte, die in der Schweiz ihresgleichen sucht. Der Spezialist für Risikokapitalanlagen aus Zürich hatte in den letzten Jahren eine gute Nase, wenn es darum ging, für die Kundschaft aus einem Franken zwei oder mehr zu machen.

Das füllte nicht nur das Portemonnaie der Kunden sondern auch jenes der Aktionäre. Das Unternehmen gilt an der Börse heute fast viermal so viel wie vor fünf Jahren. Rückblickend wäre die lukrativste Anlage wohl die Partners Group selbst gewesen.

Jüngst sorgte der Risikokapitalspezialist für Schlagzeilen, als er dem bekannten Milliardär Rudolf Maag ein 10-Prozent-Paket an der VAT Group abtrat. Geschätzter Verkaufspreis: Rund 400 Millionen Franken.

Beeindruckende Kursentwicklung der Partners-Group-Aktien über die letzten fünf Jahre (Quelle: www.cash.ch).

Kurz nach dem Börsengang im April letzten Jahres hielt die Partners Group gemeinsam mit Capvis, einem weiteren bekannten Finanzinvestor, gut 51 Prozent am Vakuumventilehersteller aus dem Rheintal. Nachdem Capvis ganz ausgestiegen ist, sind es gerade mal noch 13 Prozent.

Interessantes entnehme ich einer Unternehmensstudie der britischen HSBC. Wie darin nachzulesen ist, machte der Spezialist für Risikokapitalanlagen nicht nur bei der VAT Group Kasse. Eigenen Angaben zufolge habe das Unternehmen die Investitionskapazitäten zuletzt von 12 auf 18 Monate erhöht, so der Studienverfasser. Der Grund: Bei der Partners Group rüstet man sich für einen wirtschaftlichen Abschwung.

Gerade diese Aussage lässt mich hellhörig werden. Denn es sind die freundlicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, welche die Akteure an den Aktienmärkten zuletzt neuen Mut schöpfen liessen.

Wenn sich nun ein schon seit Jahren sehr erfolgreicher Risikokapitalspezialist wie die Partners Group für einen Abschwung rüstet, will das was heissen. Finanzinvestoren von diesem Schlag machen bekanntlich keine Geschenke...

Angstschweiss ist das Parfüm der Verlierer, dessen bin ich mir sehr wohl bewusst. Allerdings ist nicht von der Hand zu weisen, dass auch bei uns an der Börse mächtige und gut vernetzte Grossinvestoren durch die Hintertür abschleichen - etwas, das auch an der Leitbörse in New York schon seit Wochen beobachtet werden kann.

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Anders als beim Vermögensverwalter GAM ernteten Rudolf Bohli und sein RBR Strategic Value Fund Spott und Häme für den Einstieg bei der Credit Suisse. Das kommt nicht überraschend, ist die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken mit einem Börsenwert von 40 Milliarden Franken doch von einem anderen Kaliber als die ehemalige Fondstochter von Julius Bär.

Erste Grossaktionäre wie Harris Associates, eigenen Angaben zufolge Herren über 9 Prozent der Stimmen, haben den Plänen Bohlis bereits eine deutliche Absage erteilt. Eine Aufspaltung der Credit Suisse in drei börsenkotierte Unternehmen mache keinen Sinn, so liess man verlauten.

Damit tendieren die Erfolgsaussichten des umtriebigen Hedgefonds-Managers gegen null. Mit mageren 0,2 Prozent der Stimmen im Rücken braucht Bohli den Alleingang gar nicht erst anzutreten.

Klare Worte findet heute der für die australische Investmentbank Macquarie tätige Analyst. Er glaubt nicht, dass sich die Pläne in die Realität umsetzen lassen. Seine Schlüsselbotschaft: Als Voraussetzung für eine Aufspaltung müsste die Credit Suisse erst einmal eine satte Kapitalerhöhung durchführen.

Gelingt Rudolf Bohli dasselbe mit der Credit Suisse (grün) wie mit GAM (rot)? (Quelle: www.cash.ch).

Er stuft die Aktien der Schweizer Grossbank deshalb weiterhin mit "Underperform" und einem Kursziel von 13 Franken ein. Im selben Atemzug rät Anlegern in Kursstärken hinein zum Verkauf der Papiere.

Ich sehe in den anstehenden Quartalsergebnispräsentationen der beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse die entscheidenderen Kurstreiber als in den Aufspaltungsplänen. In welche Richtung es für die beiden Aktien gehen wird, dürfte der Zahlenkranz der UBS am Freitag in einer Woche zeigen (siehe gestrige Kolumne).

Auch unsere Leserinnen und Leser sind übrigens der Meinung, dass eine Aufspaltung keinen Sinn macht (siehe heutige Umfrageergebnisse).
 

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