Sarasin: Steigende Märkte bis ins Frühjahr

Der Sarasin-Stratege hält das Zeitfenster für steigende Aktien noch immer für offen – Nomura bricht eine Lanze für die Aktien von Swisscom – Und: Versucht Meyer Burger die Aktionäre zu verschaukeln?
02.12.2013 12:30
cash Insider
Sarasin: Steigende Märkte bis ins Frühjahr

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Schon seit Wochen hört man vermehrt warnende Stimmen, was die zukünftige Entwicklung an den Aktienmärkten anbetrifft. Geht es nach dem Strategen der Bank J. Safra Sarasin, dann könnte die Rekordjagd an den Börsen noch auf Monate hinaus weitergehen. Das Zeitfenster für steigende Aktien sei noch bis ins erste Quartal des nächsten Jahres hinein offen, so ist sich der Experte sicher. Grundvoraussetzung dafür sei, dass die Wirtschaftsindikatoren positiv bleiben, sich aber nicht zu positiv entwickeln. Ansonsten sehe sich die US-Notenbank zu einer Drosselung ihres Rückkaufprogramms für amerikanische Staatsanleihen und verbriefte Hypothekarkredite veranlasst.

Die Verzögerungen bei der Drosselung des Rückkaufprogramms habe im September eine weitere Runde steigender Aktienmärkte eingeläutet. Dass Janet Yellen mit grosser Wahrscheinlichkeit den Vorsitz der US-Notenbank übernehmen werde, verstärke zusätzlich die Erwartung einer andauernd expansiven Geldpolitik in den USA. Yellen gelte als Verfechterin der aktuellen Politik des billigen Geldes. In den letzten Jahren hätten die Aktienmärkte eine starke Korrelation zur monetären Basis aufgewiesen. Je grösser die monetäre Basis, desto höher klettern die Aktienmärkte.

Der Stratege rechnet allerdings mit einer anhaltenden Jagd nach Rendite, solange die US-Notenbank und andere Zentralbanken die kurzfristigen Zinsen tief halten. Bei gleichbleibenden Zinsen und einer stabilen Entwicklung der Unternehmensgewinne könne die Risikoprämie nur über einen steigenden Preis abgebaut werden.

Auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses seien die Aktienmärkte derzeit rund 7 Prozent über dem Durchschnittswert der letzten zehn Jahre bewertet. Je länger die Jagd nach Rendite anhalte, desto wahrscheinlicher werde ein weiteres Überschiessen dieses Durchschnittswerts.

Gemäss seinem Wirtschaftsszenario seien noch einmal steigende Aktienmärkte zu erwarten, so der Stratege. Auch eine Abkehr von der Politik des billigen Geldes sei bis Ende des ersten Quartals voraussichtlich kein Thema, was den Aktien zugute kommen sollte. Gleichzeitig warnt der Experte allerdings, dass das Risiko für Rückschläge steige.

Saisonale Gegebenheiten geben dem für die Bank J. Safra Sarasin tätigen Strategen vom Grundsatz her Recht. Und wenn nicht, lässt er sich mit der Warnung vor Rückschlägen zumindest eine Hintertür offen. Wir befinden uns an den Märkten noch immer in einer liquiditätsgetriebenen Hausse. Die Unternehmensgewinne haben in den vergangenen 12 bis 18 Monaten bestenfalls stagniert. Damit wird die Schere zwischen der Entwicklung an den Aktienmärkten und jener der Unternehmensgewinne immer grösser. Für gewöhnlich dauern Trends an den Aktienmärkten länger als gedacht. Das gilt auch für die seit dem Spätsommer 2011 zu beobachtende Hausse.

Je höher die Aktienmärkte jetzt allerdings noch steigen, desto brutaler fällt der anschliessende Rückschlag aus. Und so viel kann ich schon mal verraten: Unter meinen Schweizer Aktienfavoriten für das kommende Jahr werden vermehrt im Kurs zurückgebliebene Aktien und solche von Unternehmen im Transformationsprozess zu finden sein. Mehr dazu in meiner Börsenkolumne vom kommenden Heiligabend.

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Die als langweilig verschrieenen Namenaktien von Swisscom gehören hierzulande auch weiterhin zu den Aktien der Stunde. In einer Branchenstudie stufen die für Nomura tätigen Verfasser die Papiere des einstigen Monopolisten mit einem Kursziel von neu 563 (450) Franken von «Neutral» auf «Buy» hoch.

Der in Bern niedergelassene Telekommunikationskonzern sei im Festnetzbereich geradezu ideal positioniert. Die Ausrüstungsinvestitionen seien weitestgehend getätigt. Deshalb verdiene das Unternehmen in diesem Geschäftszweig zunehmend wieder Geld. Und im Mobilfunkbereich sorge der neue Gebührentarif für eine wachsende Abonnentenbasis. In diesem Zusammenhang prognostizieren die Experten über die kommenden drei Jahre ein jährliches Wachstum beim freien Cashflow von 10 Prozent. Dank der soliden Bilanz werde sich dieses Wachstum in einer höheren Dividendenausschüttung niederschlagen, so sind sich die Studienverfasser einig.

Ich muss zugeben, dass ich das Potenzial des Mobilfunkangebots Infinity rückblickend unterschätzt habe. Mit der Neubeurteilung und -bewertung der vergangenen 12 bis 18 Monate trägt der Aktienkurs von Swisscom diesem Umstand allerdings weitestgehend Rechnung. Die Papiere eignen sich meines Erachtens vor allem für Anleger auf der Suche nach einer nachhaltig hohen Dividende.

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Nachdem Meyer Burger im Sommer mehrere kleine Neuaufträge erhalten hatte, wurde es ruhig um das im bernischen Gwatt beheimatete Solarzulieferunternehmen. Am vergangenen Freitag nun meldete Meyer Burger einen weiteren Anschlussauftrag über gut 12 Millionen Franken aus dem asiatischen Raum.

So weit, so gut. Der Teufel steckt allerdings wie immer im Detail: Der Pressemitteilung war zu entnehmen, dass dieser Anschlussauftrag einen grösseren bisher nicht gelieferten Anteil eines wichtigen Vertrags aus dem Jahr 2011 ersetze. Man sehe sich deshalb dazu gezwungen, den Auftragsbestand um netto 46 Millionen Franken nach unten zu korrigieren.

Am Freitag starteten die Namenaktien deutlich fester in den Handel, gerieten im Tagesverlauf dann allerdings zunehmend unter Verkaufsdruck. Nicht ohne Grund, wie ich finde. Denn positiv ist diese Neuigkeit aus Aktionärssicht nicht. Oder aber das Unternehmen argumentiert, dass der Restauftrag über 58 Millionen Franken sowieso verloren gegangen wäre und zumindest ein Teil davon gerettet werden konnte. Aber auch so müsste sich das Unternehmen den Vorwurf gefallen lassen, die Aktionäre verschaukeln zu wollen.

Noch bis vor wenigen Jahren meldete Meyer Burger nur Grossaufträge im Gegenwert von 50 Millionen Franken oder mehr. Die im Sommer und zuletzt am Freitag bekanntgegebenen Aufträge machen beinahe schon einen verzweifelten Eindruck. Kleinvieh macht auch Mist, so heisst es an den Märkten so schön. Um den aktuellen Börsenwert zu rechtfertigen, muss das Kleinvieh allerdings noch einmal so richtig loslegen.