Schlechtes Börsenomen - Firmenlenker machen bei eigenen Aktien kräftig Kasse

Amerikanische Firmenlenker verkaufen eigene Aktien wie noch nie. Der cash Insider sagt, ob Ähnliches auch bei uns zu beobachten ist. - Und: Grossaktionär trennt sich bei der VAT Group von einem weiteren Aktienpaket.
26.10.2017 12:30
cash Insider
Firmenlenker machen bei eigenen Aktien kräftig Kasse
Bild: fotolia.com

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Rund um den Globus gewinnt die Wirtschaft an Fahrt. Das spricht für steigende Unternehmensgewinne. Fantasie geht auch von der geplanten Steuerreform in den USA aus. Denn die Reform sieht eine deutliche Entlastung von Firmen vor. Davon dürften auch Unternehmen aus der Schweiz profitieren - und das nicht zu knapp (siehe Kolumne vom Montag).

Kommt dazu, dass den kreditgebenden Banken das Geld wieder lockerer sitzt als auch schon. Oder aber die Firmen holen sich das Geld direkt bei den Anlegern. Am Kapitalmarkt wird es ihnen nämlich regelrecht nachgeworfen – selbst schlechteren Schuldnern.

Eigentlich müssten die Verwaltungsräte und Geschäftsleitungsmitglieder börsenkotierter Unternehmen nur so vor Zuversicht strotzen. In Umfragen und an Investorenkonferenzen tun sie das denn auch.

Da will es so gar nicht ins Bild passen, dass amerikanische Firmenlenker bei eigenen Aktien kräftig Kasse machen. Erhebungen von Piper Jaffray zufolge trennten sich im bisherigen Monatsverlauf bei nicht weniger als 562 Unternehmen Aufsichtsräte oder Geschäftsleitungsmitglieder von Aktien. Dem stehen bei gerade mal 117 Firmen Titelkäufe gegenüber.

Entwicklung der Management-Transaktionen in New York (Quelle: Piper Jaffray, NYSE).

Darauf abgestützt errechnen die für Piper Jaffray tätigen Strategen ein Verhältnis von 0,21 zwischen Aktienkäufen und -verkäufen. So schlecht wie in den vergangenen Wochen war das Verhältnis seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1988 noch nie. Der langjährige Durchschnitt liegt bei 0,48 und damit um einiges höher.

Auch in der Schweiz müssen sich Verwaltungsräte und Mitglieder der Geschäftsleitung gegenüber der Börse SIX bei Transaktionen in den eigenen Aktien zu erkennen geben. Soviel ich weiss, liegt der Schwellenwert bei 100'000 Franken im Monat. Alles was darüber liegt, muss gemeldet werden.

Die gute Nachricht zuerst: Seit Anfang Oktober haben bei uns Firmenlenker von 17 verschiedenen Unternehmen für fast 12 Millionen Franken eigene Aktien erworben.

So weit, so gut - würden davon nicht 10 Millionen Franken auf gerade mal zwei Unternehmen entfallen. Bei Kühne + Nagel griffen eine oder mehrere Personen für 4,5 Millionen Franken zu, bei Edmond de Rothschild sogar für 5,4 Millionen Franken.

Dass sich Verwaltungsräte und Geschäftsleitungsmitglieder im Gegenzug bei 26 Unternehmen von Aktien im Gegenwert von mehr als 21 Millionen Franken trennten, lässt tief blicken.

Und wie die Häufung von Titelverkäufen bei Novartis und AMS nach der Quartalsergebnispräsentation zeigen, rollt die grosse Verkaufswelle vermutlich erst an...

Für die anderen Aktienmarktakteure geht von dieser Entwicklung jedenfalls alles andere als eine positive Signalwirkung aus.

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Und wenn wir schon bei Signalwirkung sind: Nicht nur Firmenlenker, auch Risikokapitalgeber ziehen sich vermehrt aus Aktien zurück.

Am vergangenen Freitag berichtete ich darüber, dass sich die Partners Group für einen wirtschaftlichen Abschwung rüste und sich dabei auch von Aktien trenne (siehe Kolumne vom 20. Oktober).

Nachdem der schon seit Jahren äusserst erfolgreiche Risikokapitalspezialist dem Milliardär Rudolf Maag ein grösseres Aktienpaket an der VAT Group verkaufte, liess er gestern Abend weitere 2,8 Millionen Aktien bei Investoren platzieren.

Die Aktien der VAT Group (rot) lassen den SPI (grün) weit hinter sich zurück (Quelle: www.cash.ch).

Hielt die Partners Group gemeinsam mit Capvis, einem weiteren bekannten Finanzinvestor, kurz nach dem Börsengang im April letzten Jahres noch gut 51 Prozent am Vakuumventilehersteller aus dem Rheintal, sind es nach gestern gerade mal noch 3,7 Prozent.

Wenn nicht nur Firmenlenker, sondern auch mächtige Risikokapitalgeber Kasse machen - und das bei gut laufenden Unternehmen und obwohl Barmittel mit Negativzinsen belegt werden -, stimmt mich das ziemlich nachdenklich.
 

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