Schlechtes Börsenomen - Mysteriöse Kursschwäche bei angeschlagenen Aktien

Profis lassen angeschlagene Aktien wie Meyer Burger oder Aryzta wie heisse Kartoffeln fallen. Das verheisst nichts Gutes. - Und: Auffällige Aktivitäten auch bei Derivaten auf Meyer Burger.
11.02.2019 12:30
cash Insider
Mysteriöse Kursschwäche bei angeschlagenen Aktien
Bild: fotolia.com

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Noch bis vor wenigen Tagen schien der Himmel über dem Schweizer Aktienmarkt nahezu wolkenlos. Der Swiss Market Index mit Dividendenkorrektur (SMIC) näherte sich sogar bis auf weniger als 2 Prozent dem historischen Höchststand von Ende Januar letzten Jahres bei etwas mehr als 19'000 Punkten.

Für die nötigen Impulse sorgten ausgerechnet die als träge und langweilig verschrieenen Indexschwergewichte Nestlé, Roche und Novartis. Rechnet man die Dividendenabgänge der letzten Jahre hoch, notieren zuletzt nicht nur die Aktien des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé auf dem höchsten Stand in der traditionsreichen Firmengeschichte. Dasselbe lässt sich mittlerweile auch über die Valoren von Roche sagen.

Mich überrascht, dass diese Rekordjagd in den hiesigen Wirtschaftsmedien nicht mal am Rande eine Erwähnung findet. Allerdings ist mir auch ein Rätsel, weshalb die Medien nicht längst den dividendenkorrigierten SMIC für ihre Börsenberichterstattung hinzuziehen. Denn den regulären SMI dem Swiss Performance Index (SPI) gegenüberzustellen ist, als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen. Kurz zur Erklärung: Der SMI ist - anders als der SMIC - ein sogenannter Preisindex, der SPI hingegen - wie es der Name schon sagt - ein Performance-Index.

Während die laute Musik in den hiesigen Indexschwergewichten alles andere übertönt, geraten die Aktien angeschlagener oder mit Problemen behafteter Unternehmen zusehends unter die Räder. Besonders arg erwischte es am Freitag die Papiere von U-blox (-8 Prozent), Meyer Burger (-5 Prozent), Rieter (-4 Prozent) oder Aryzta (-3,6 Prozent). Ihr Vorsprung gegenüber den Tiefstkursen von Mitte Dezember schmilzt damit weiter ab.

Für Aktien wie die von Meyer Burger (rot), U-blox (grün) oder Aryzta (gelb) ging es zuletzt wieder nach unten. (Quelle: cash.ch)

Die Situation ähnelt stark an jene vom November. Auch damals zogen sich die Profis - vermutlich in weiser Vorahnung - still und leise aus genau denselben Aktien zurück. Was wenige Wochen später folgte, war ein Börsenrücksetzer, der sich gewaschen hatte, und der rückblickend auch an den Indexschwergewichten Nestlé, Roche und Novartis nicht spurlos vorüberging.

Sollten die Kurse bei U-blox, Meyer Burger und Co. in den nächsten Tagen erneut vor sich hin bröckeln, könnte das durchaus ein Vorbote für einen bevorstehenden Börsenrücksetzer sein. Der jüngste Kurszerfall geht nämlich weit über wegbrechende Deckungskäufe hinaus. Das besagte Titelsegment könnte so zu einem wertvollen Vorlaufindikator für den gesamten Schweizer Aktienmarkt werden.

Ich bin rückblickend jedenfalls froh, selektiv erste Gewinne mitgenommen zu haben. Bei den Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2019 liegt die taktische Barmittelquote mittlerweile bei gut 25 Prozent, bei den Turnaround-Kandidaten beträgt die taktische Barmittelquote sogar fast zwei Drittel des ursprünglich eingesetzten Kapitals.

Allerdings hoffe ich, dass ich mich mit meinen Vermutungen rund um dieses schlechte Börsenomen irre...

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Am vergangenen Donnerstag berichtete ich beim Solarzulieferer Meyer Burger von auffälligen Handelsaktivitäten rund um den Verkauf des Wafering-Geschäfts. Das lege die Vermutung nahe, dass irgend jemand vom Befreiungsschlag gewusst oder diesen zumindest erahnt haben könnte, so mein Verdacht.

Aus reiner Neugierde habe ich mir über das Wochenende auch noch die Zeit genommen, mich genauer mit den derivatseitigen Handelsaktivitäten auseinanderzusetzen. Und siehe da: Nicht nur bei den Aktien, auch bei einigen Call-Warrants wie MBTUIU, MBTUJU oder MBTWVU gibt es Auffälligkeiten.

Die Aktien von Meyer Burger mit einer auffälligen Kursstärke im Vorfeld des Wafering-Verkaufs. (Quelle: cash.ch)

Anders als bei den Aktien selbst hielten sich die Volumina bei den genannten Call-Warrants jedoch in Grenzen. Ausserdem verdiente nur Geld, wer seine Schäfchen rechtzeitig - spricht bereits in den ersten Februar-Tagen - ins Trockene brachte.

Seither ist bei den Aktien von Meyer Burger die Luft nämlich wieder raus. Am Freitag gehörten die Papiere des Solarzulieferers hierzulande gar zu den Verlierern des Tages.
 

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