Schnäppchenjäger machen sich über die Nebenwerte her

Der cash Insider wähnt die Nebenwerte aus der Schweiz in einer sehr entscheidenden Phase - Und: Kepler Cheuvreux verrät, um welchen Schweizer Vermögensverwalter man als Anleger lieber einen grossen Bogen macht.
10.11.2016 12:30
cash Insider
Schnäppchenjäger machen sich über die Nebenwerte her
Bild: fotolia.com

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Über mehrere Wochen hinweg haben sich mächtige ausländische Marktakteure am Schweizer Aktienmarkt still und leise aus den Nebenwerten zurückgezogen. Nur in den allerwenigsten Fällen geschah dies so offensichtlich wie anlässlich der Beteiligungsplatzierung beim Dentalimplantatehersteller Straumann durch den langjährigen Grossaktionär GIC von Ende August.

Stummer Zeuge ist die Aktienkursentwicklung vieler kleiner und mittelgrosser Unternehmen aus der Schweiz. Selbst die beliebtesten Vertreter aus diesem Titelsegment wie die Valoren der Genfer Softwareschmiede Temenos oder der Pharmazulieferer Bachem liegen nicht mehr in unmittelbarer Nähe zu ihrem noch vor wenigen Wochen erklommenen Rekordhoch.

Wie mir aus mehreren voneinander unabhängigen Quellen berichtet wird, machen sich schon seit Tagen Schnäppchenjäger über die hiesigen Nebenwerte her. Angeheizt wird die Stimmung - wie könnte es auch anders sein - durch einige Aktienanalysten.

In einer mir zugespielten Unternehmensstudie stuft der Leiter der Aktienanalyse Schweiz von Kepler Cheuvreux die Aktien von U-blox mit einem Kursziel von 214 Franken von "Hold" auf "Buy" herauf. Der Experte räumt zwar ein, dass mittlerweile sogar Zweifel an den Buchführungspraktiken des Halbleiterherstellers aufkommen. Ins Bockshorn jagen lässt er sich davon aber nicht.

Für den Verfasser der 76 Seiten starken Studie steht fest: U-blox steht über alle Geschäftsfelder hinweg betrachtet vor einer Wachstumsbeschleunigung und wird in Zukunft wohl auch hinsichtlich der Gewinnqualität überzeugen können.

Zu einer eher unterschwelligen Kaufempfehlung kann sich fast zeitgleich auch der für Helvea tätige Berufskollege durchringen. Im Zuge der seit August beobachteten Korrektur seien die Kursnotierungen auf ein attraktives Niveau zurückgefallen, so lässt er seine Anlagekunden wissen. Nur die vorsichtigen Aussagen des Rivalen Sierra Wireless zur Nachfrage nach M2M-Modulen hält ihn davon ab, die Aktien mit einem Kursziel von 215 Franken von "Hold" auf "Buy" heraufzustufen.

Anatomie eines Stimmungsumschwungs am Beispiel der Leonteq-Aktien:

1. Die Aktien fallen nach einer Rekordjagd unter die Höchstkurse, 2. Schnäppchenjäger wittern eine gute Gelegenheit und greifen zu, die Kurse steigen, 3. die bisherigen Höchstkurse werden nicht mehr übertroffen, 4. Die Stimmung kippt, es setzen grössere Verkäufe ein, Grafik: www.cash.ch

Die Berichte rund um sich in den Nebenwerten tummelnde Schnäppchenjäger passen genauso ins Drehbuch vom Anfang vom Ende einer Modeströmung wie die beiden Kaufempfehlungen für den einstigen Überflieger U-blox. Denn dieses läuft fast immer nach demselben Muster ab: Ist der Höhepunkt überschritten, treten nach einem ersten Rückschlag erneut Käufer in Erscheinung. Es handelt sich dabei um Marktakteure, die den Trend verschlafen und schon seit Wochen wenn nicht gar seit Monaten auf Einstiegskurse gehofft haben. Ebbt diese Nachfragewelle ohne neue Höchstkurse ab, steht den betroffenen Aktien die eigentliche Bewährungsprobe bevor. Denn ohne neuen Höchstkurse neigen immer mehr der schon seit längerer Zeit investierten Marktakteure dazu, ihre teils horrenden Gewinne mitzunehmen.

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Wenn Aktionäre bei Publikumsgesellschaften aus der Schweiz einen gesetzlich vorgegebenen Schwellenwert über- oder unterschreiten, dann wird das Unternehmen der Schweizer Börse SIX gegenüber meldepflichtig. Wie das Beispiel EFG International eindrucksvoll zeigt, müssen Investoren dafür nicht zwingend auch Aktien in die Hände nehmen.

Im Zuge der Kapitalerhöhung zur Refinanzierung der milliardenschweren Übernahme der Banca della Svizzera Italiana (BSI) fiel der Stimmenanteil des Classic Funds von 3,02 auf 2,22 Prozent und damit unter den Schwellenwert von 3 Prozent. Dasselbe Schicksal ereilte die Capital Group. Auch der Stimmenanteil der mächtigen amerikanischen Fondsgesellschaft schmolz durch die Kapitalerhöhung von 3,52 auf 2,8 Prozent. Zweitgrösstes Schwergewicht im Aktionariat ist neu BTG Pactual, das ehemalige Mutterhaus der BSI, mit einem Stimmenanteil von 30 Prozent.

Klare Worte findet der für Kepler Cheuvreux tätige Analyst. Er stuft die Aktien von EFG International zwar weiterhin mit "Hold" ein, rät der Anlagekundschaft aber unmissverständlich dazu, einen grossen Bogen um diese zu machen. In der Beliebtheitsskala der 18 vom Experten mitverfolgten Unternehmen belegt der Vermögensverwalter aus Zürich den undankbaren letzten Platz. Auf einem triftigen Grund: Seines Erachtens drohen weitere Enttäuschungen.
 

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