Schweizer Aktien - Als Anleger schon jetzt auf eine Jahresendrally setzen?

Der cash Insider geht der Frage nach, ob die Strategen von J.P. Morgan mit ihrer Kaufempfehlung für Aktien erneut ins Schwarze treffen könnten - Und: Unterkühlte Begrüssung des neuen Aryzta-Finanzchefs durch die Börse.
11.09.2017 12:30
cash Insider
Als Anleger schon jetzt auf eine Jahresendrally setzen?
Bild: fotolia.com

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Es ist schon ziemlich zermürbend: Seit nunmehr vier Monaten pendelt der Swiss Market Index (SMI) plus/minus 200 Punkte um die 9'000 Zähler. Vergangene Woche bewegte sich das viel beachtete Börsenbarometer gar nur in einem Bereich von 100 Punkten - und das erst noch bei dünnen Handelsvolumina.

Einen Grund sich zu beklagen, gibt es dennoch nicht. Schliesslich trennen den SMI gerademal 3 Prozent von den Jahreshöchstständen von Anfang August bei 9'200 Zählern. Und mit einem Plus von 8,5 Prozent seit Jahresbeginn - die Dividendenzahlungen noch nicht berücksichtigt - kann sich die Zwischenbilanz sehen lassen.

Zum Vergleich: Den breit gefassten Stoxx Europe 600 Index trennen ganze 5 Prozent von seinen Mehrjahreshöchstständen von Mitte Mai. Mit einem Plus von gut 4 Prozent schneidet dieses Börsenbarometer denn auch um einiges schlechter ab.

Wer Anfang Mai dem Rat der für die amerikanische Investmentbank J.P. Morgan tätigen Strategen Folge leistete und Geld vom Tisch nahm, kann jetzt günstiger wieder einsteigen. So zumindest lautet neuerdings die Empfehlung der bis anhin ziemlich erfolgreichen Experten.

Ihres Erachtens gehen die europäischen Aktienmärkte - und damit auch die Aktien aus der Schweiz - ab Oktober in eine saisonal starke Phase über, welche für gewöhnlich in einer Jahresendrally gipfelt.

Auf der 30 Aktien starken Liste der Schlüsselkaufempfehlungen sind mit dem Nahrungsmittelhersteller Nestlé, dem Pharma- und Diagnostikkonzern Roche sowie dem Risikokapitalspezialisten Partners Group allerdings gerademal drei Vertreter aus der Schweiz zu finden.

Der Schweizer Aktienmarkt (rot) im Vergleich mit dem breiten europäischen Aktienmarkt (grün) (Quelle: www.cash.ch)

Noch vor Ende des dritten Quartals bereits auf eine Jahresendrally zu wetten, scheint mir etwas gar verfrüht. In meiner Kolumne vom 18. August schrieb ich, dass die als schwach geltenden Monate September und Oktober besser als ihr Ruf seien. Diese Behauptung lässt sich mit Zahlen unterlegen: Für September errechnet sich beim SMI seit 2005 ein durchschnittliches Plus von 0,65 Prozent, für Oktober immerhin ein Plus von 0,58 Prozent.

Seit 2009 gewann das Börsenbarometer jeweils im November durchschnittlich 0,76 Prozent und im Dezember gar 1,41 Prozent.

Es bleibt mir nichts anderes als zu hoffen, als dass sich die alte Faustregel "sell in May and go away, but remember to come back in September" auch in diesem Jahr ausbezahlt macht.

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Morgen früh tritt Kevin Toland vorzeitig seine Stelle beim Backwarenhersteller Aryzta an. Auch dem zukünftigen Firmenchef dürfte mittlerweile klar sein, dass bei seinem neuen Arbeitgeber eine ganze Menge Arbeit auf ihn wartet.

Wie nun seit Donnerstag bekannt ist, wird Toland mit Frederic Pflanz ab Januar auf einen äusserst fähigen und erfahrenen Finanzchef zurückgreifen können. Jedenfalls kann sich der Lebenslauf des zuvor schon für Rémy Cointreau und L'Oréal tätigen Pflanz durchaus sehen lassen.

Und genau dort ist der Grund für die unterkühlte Begrüssung des zukünftigen Finanzchefs durch die Börse zu suchen. Denn gerade ein Mann mit der Erfahrung von Pflanz weiss: Aryzta dürfte kaum um schmerzhafte Bilanzbereinigungen herumkommen.

Die Aktien von Aryzta tauchten letzte Woche erstmals wieder auf unter 30 Franken (Quelle: www.cash.ch)

Will der Backwarenhersteller eine für die Aktionäre verwässernde Kapitalerhöhung verhindern, muss er sich über die zum Verkauf stehende Picard-Beteiligung von weiteren Geschäftsaktivitäten trennen. Deckt sich der Erlös nicht mit den Bilanzwerten - wovon ich jetzt mal ausgehe - drohen ausserordentliche Abschreibungen.

Am 25. September wird Aryzta den Zahlenkranz für das Fiskaljahr 2016/17 vorlegen. In den letzten Tagen haben zahlreiche Analysten ihre Gewinnschätzungen mit dem Rotstift überarbeitet, was nichts Gutes erahnen lässt - auch wenn sich diese Abwärtsrevisionen mit negativen Währungseinflüssen erklären lassen.

Dass der Backwarenhersteller in gut zwei Wochen mit einer Strategieanpassung aufwartet, scheint mir zwar ziemlich unwahrscheinlich. Vielleicht wartet Konzernchef Kevin Toland aber zumindest mit Neuigkeiten rund um den geplanten Wiederverkauf der Picard-Beteiligung auf...

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