Schweizer Aktien - Auf diese Firmen haben es amerikanische Leerverkäufer abgesehen

Der cash Insider verrät, gegen welche Aktien aus der Schweiz an der Börse in New York neuerdings Wetten laufen und bei welchen Titeln die Leerverkäufer in den vergangenen Wochen Geld vom Tisch genommen haben.
20.09.2017 12:30
cash Insider
Auf diese Firmen haben es amerikanische Leerverkäufer abgesehen
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Der Leerverkäufer ist in diesen Tagen eine vom Aussterben bedrohte Spezies. Nicht nur bei uns am Schweizer Aktienmarkt, auch bei den in New York gehandelten Aktien hiesiger Grossunternehmen wird gezielt Jagd auf ihn gemacht. Unter Artenschutz gehört gestellt gehört der Leerverkäufer deswegen allerdings nicht.

Ganz im Gegenteil: Geschützt gehören viel eher die Unternehmen, gegen die spekuliert wird, sowie deren Aktionäre.

Während die Börsenbetreiberin in New York alle zwei Wochen Leerverkaufsstatistiken veröffentlicht, betrachtet es unsere Schweizer Börse SIX nicht als notwendig, ebenfalls solche Erhebungen anzustellen. In die Lücke springen Beratungsunternehmen wie Markit mit ihren Statistiken für die Wertpapierleihe. Von letzterer lässt sich ziemlich zuverlässig auf die gegen eine Aktie laufenden Leerverkäufe schliessen.

Für diese Informationen lassen sich die Beratungsunternehmen fürstlich entlohnen. So bleibt hiesigen Marktakteuren - und selbst den betroffenen Unternehmen - nichts anderes übrig, als regelmässig über den grossen Teich zu blicken.

Ich sehe die Schweizer Börse SIX in Sachen Transparenz deshalb ganz klar in der Pflicht. Leerverkaufsstatistiken sollten der breiten Öffentlichkeit zugänglich und nicht mehr länger finanzkräftigen Grossinvestoren vorenthalten sein.

Umfangreiche Wetten laufen in New York insbesondere gegen die dort gehandelten Aktien von Logitech. Gegenüber der letzten Erhebung von vor zwei Wochen resultiert zwar nur eine leichte Zunahme um 3 Prozent. Die 10 Millionen ausstehenden American Deposit Receipts entsprechen selbst für hiesige Verhältnisse hohen 20 durchschnittlichen Tagesvolumen.

Die Kursentwicklung der hiesigen Logitech-Aktien (rot) im Vergleich mit jenen in New York (grün) (Quelle: www.cash.ch)

Wie mir erklärt wird, ist angelsächsischen Marktakteuren die Nachfrageflaute bei den Jaybird-Produkten sowie die latent vorhandene Gefahr eines Vorstosses des Kultunternehmens Apple in den Markt für Peripheriegeräte ein Dorn im Auge. Zumindest was die Absatzentwicklung bei Jaybird anbetrifft, gibt man zumindest bei Kepler Cheuvreux mittlerweile Entwarnung.

Ein kräftiger Anstieg bei den leerverkauften American Deposit Receipts ist bei Swiss Re zu verzeichnen. Um 20 Prozent auf gut 870'000 Titel ging es in den vergangenen zwei Wochen nach oben, was aus Schweizer Sicht einem guten durchschnittlichen Tagesvolumen entspricht.

Die Gründe für diesen Ausbau der Wetten liegen auf der Hand, drohen dem Rückversicherungskonzern aus Zürich im Zusammenhang mit den verheerenden Wirbelstürmen "Harvey" und "Irma" doch Kosten von schätzungsweise einer Milliarde Dollar. Und von der Karibik nähert sich mit "Maria" bereits die nächste, wenn auch etwas schwächere Unwetterfront.

Zumindest was die zukünftigen Rückversicherungsprämien angeht, hat die augenfällige Häufung von Unwetterkatastrophen aber durchaus ihre guten Seiten - die Betroffenen mögen mir diesen Hinweis verzeihen.

Ein beliebtes Ziel der in New York beheimateten Leerverkäufer bleibt die Swatch Group. Die Wetten gegen die dort gehandelten American Deposit Receipts schwollen zuletzt um 23 Prozent auf 1,59 Millionen Titel an.

Ob die gewohnt zuversichtlichen Aussagen von Konzernchef Nick Hayek den Spekulationen gegen die Aktien seines Arbeitgebers Einhalt gebieten können, wird sich zeigen müssen. Vermutlich bedarf es hierfür erst einmal harter Fakten.

Tief blicken lassen die jüngsten Statistiken bei UBS und Credit Suisse. Bei der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken setzen die mächtigen amerikanischen Marktakteure mit 5,2 Millionen American Deposit Receipts auf rückläufige Kurse, bei der Erzrivalin immerhin mit 3,6 Millionen Titeln. Im Fall der UBS entspricht das einer Zunahme um 18 Prozent innerhalb von gerademal zwei Wochen.

Zur Freude der Leerverkäufer spielten sich in den hiesigen Aktien von Aryzta gestern teils tumultartige Szenen ab. Der orchestrierte Angriff auf den Backwarenhersteller – sofern es denn einen solchen überhaupt gab - scheint geglückt (siehe Kolumne vom 5. September). Neben Ergebnisängsten sorgt auch ein drohender Goodwill-Abschreiber für Wasser auf die Mühlen der Baissiers (siehe Kolumne vom 11. September).

Interessant: Anders als bei uns wird in New York bloss mit mageren 400 American Deposit Receipts auf rückläufige Kurse spekuliert.

Beängstigender Kurstaucher bei den Aktien von Aryzta (Quelle: www.cash.ch)

Bei Nestlé (minus 96 Prozent auf 5'300 American Deposit Receipts) haben die Leerverkäufer in New York hingegen genauso Geld vom Tisch genommen wie bei der Zurich Insurance Group (minus 7 Prozent auf 30'200 American Deposit Receipts). Im Vorfeld des diesjährigen Investorentages fehlt es den dortigen Marktakteuren bei Nestlé womöglich an Mut. Konzernchef Mark Schneider muss nächste Woche allerdings ganz schön was aus dem Hut zaubern, um die Anleger bei Laune zu halten.

Gerade bei häufig leerverkauften Aktien müssen die mächtigen amerikanischen Marktakteure ihre Wetten irgendwann wieder schliessen. Manchmal werden sie durch ein entscheidendes Ereignis dazu gezwungen, was dann sogar zu einem sogenannten "Short-Squeeze" - sprich zu von Panik begleiteten Deckungskäufen - führt. Alleine schon deshalb ist gut zu wissen, wie die Leerverkäufer bei den Schweizer Grosskonzernen positioniert sind.

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