Schweizer Aktien - Diese Firmen rücken ins Visier der Leerverkäufer

Der cash Insider sagt, gegen welche Aktien aus der Schweiz an der Börse in New York neuerdings Wetten laufen und bei welchen Titeln die Leerverkäufer in den vergangenen Wochen Geld vom Tisch genommen haben.
28.07.2017 12:30
cash Insider
Diese Firmen rücken ins Visier der Leerverkäufer
Bild: fotolia.com

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Die Leerverkäufer seien auf breiter Front auf dem Rückzug, so berichten mir mehrere voneinander unabhängige New Yorker Quellen. Die von der New York Stock Exchange erhobenen Marktstatistiken scheinen dies zu bestätigen, ist die Summe sämtlicher leerverkaufter Titel in Übersee doch auf den tiefsten Stand seit dem Frühsommer 2007 gefallen.

Zumindest für die an der Leitbörse in New York gehandelten American Deposit Receipts der Schweizer Grosskonzerne lässt sich das allerdings nicht pauschal sagen. Denn wie die in diesen Tagen veröffentlichten Statistiken verraten, wurden die Wetten gegen einige Unternehmen aus unserem Lande in den vergangenen zwei Wochen sogar kräftig ausgebaut.

Allen voran auf Logitech haben es die amerikanischen Leerverkäufer abgesehen. Mitte Juli wurde mit nicht weniger als 8,3 Millionen Aktien gegen den Peripheriegerätehersteller aus Lausanne spekuliert. Das sind 7 Prozent mehr als noch zwei Wochen zuvor und entspricht in New York fast 20 durchschnittlichen Tagesvolumen.

Seit diesem Dienstag wissen wir: Das Unternehmen legte einen überraschend starken Start ins Geschäftsjahr 2017/18 hin. Die gemeinsam mit der Ergebnisveröffentlichung bekanntgegebene Erhöhung der firmeneigenen Jahresprognosen war hingegen schon im Vorfeld erwartet worden.

ADRs von Logitech (rot) im Vergleich mit den in der Schweiz gehandelten Aktien (grün) (Quelle: www.cash.ch).

Jedenfalls sorgten die Firmenvertreter an der Analystenkonferenz vom Dienstagnachmittag unter anderem auch für Wasser auf die Mühlen der Leerverkäufer (siehe auch meine gestrige Kolumne zu diesem Thema).

Kräftig erhöht wurden in der ersten Hälfte dieses Monats auch die Wetten gegen ABB - als hätten die amerikanischen Marktakteure die Ergebnisenttäuschung von vergangener Woche bereits erahnt. Seither wird beim Industriekonzern aus Zürich mit 4,3 Millionen American Deposit Receipts auf rückläufige Kurse gesetzt, was allerdings nur etwas mehr als zwei durchschnittlichen Tagesvolumen gleichkommt.

ABB gilt denn auch immer noch als ein möglicher Gewinner, sollte der amerikanische Präsident Donald Trump endlich das im Wahlkampf versprochene Infrastrukturprogramm auf den Weg bringen. Bei allem "America first" - bei der Sanierung des in die Jahre gekommenen amerikanischen Stromnetzes wird es schlichtweg nicht ohne die Mithilfe ausländischer Anbieter gehen.

Um satte 77 Prozent nach oben ging es bei LafargeHolcim mit den Leerverkäufen. Was nach viel aussieht, relativiert sich bei genauerem Hinsehen. Denn die 14'500 American Deposit Receipts liessen sich innerhalb eines halben Tages wieder eindecken.

Etwas umfangreicher sind die Wetten gegen die beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse. Während sich jene gegen die UBS um 10 Prozent auf 4,3 Millionen in New York gehandelte Titel erhöhten, schwollen jene gegen die Credit Suisse um 8 Prozent auf 7,1 Millionen American Deposit Receipts an. Das entspricht bei beiden Banken zwei bis drei durchschnittlichen Tagesvolumen.

Vergleich der in New York gehandelten UBS-Aktien (rot) mit jenen der Credit Suisse (grün) (Quelle: www.cash.ch).

Erneut kräftig zurückgefahren wurden die Leerverkäufe bei Nestlé. Mitte Juli wurde gerade mal mit 55'600 Aktien und daher mit gut 60 Prozent weniger als noch zwei Wochen zuvor gegen den Nahrungsmittelkonzern aus Vevey spekuliert.

Erst gestern wartete Nestlé mit einem ernüchternden Zahlenkranz auf. Gleichzeitig liess das traditionsreiche Unternehmen durchblicken, dass das organische Wachstum in diesem Jahr wohl am unteren Ende der Zielbandbreite von 2 bis 4 Prozent zu liegen kommt.

Die Börse reagierte überraschend besonnen - vermutlich in der Annahme, dass die Forderungen des oppositionellen neuen Aktionärs Third Point bei den anderen Anteilseignern nun endlich Gehör finden.

Zurückgefahren wurden die Wetten zuletzt auch bei Novartis (minus 26 Prozent auf 2,44 Millionen American Deposit Receipts) und der Zurich Insurance Group (minus 28 Prozent auf 112'600 American Deposit Receipts).

An dieser Stelle sei gesagt, dass sich die Leerverkaufsstatistiken vor allem als Gegenindikator anbieten. Bei häufig leerverkauften Aktien müssen die amerikanischen Marktakteure ihre Wetten irgendwann wieder eindecken - zu welchen Kursen ist dann oft nur von untergeordneter Bedeutung. Mit Ausnahme von Logitech und Nestlé weisen die jüngsten Marktstatistiken jedoch keine Extremwerte auf.
 

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