Schweizer Aktien - Leerverkäufer am Rande des Nervenzusammenbruchs

Wie der cash Insider berichtet, befinden sich die Leerverkäufer nicht nur bei Kudelski und Meyer Burger mit dem Rücken zur Wand - Und: Betreibt jemand bei den Aktien des Börsenrückkehrers Landis+Gyr Kurspflege?
19.12.2017 12:30
cash Insider
Leerverkäufer am Rande des Nervenzusammenbruchs
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

+++

Vorweihnachtszeit ist, wenn selbst die Leerverkäufer einem Kaufrausch erliegen. Denn während der breit gefasste Swiss Performance Index (SPI) eher gemächlich neue Rekordstände erklimmt, herrscht bei so mancher Aktie seit Tagen reger Betrieb.

Egal ob Meyer Burger, Kudelski oder Burckhardt Compression - gekauft wird, was zuvor übermässig stark leerverkauft wurde. Selbst bei Unternehmen mit hausgemachten Problemen wie dem Backwarenhersteller Aryzta oder dem Pharmaleichtgewicht Santhera stehen die Leerverkäufer plötzlich mit dem Rücken zur Wand. Eine schöne Bescherung...

Die Aryzta-Aktien wollen so gar nicht, wie sich das die Leerverkäufer vorgestellt hatten (Quelle: www.cash.ch)

Für gewöhnlich bewegen sich die Leerverkäufer am Schweizer Aktienmarkt unter der Radargrenze. Offenbaren müssen sie sich von Gesetzes wegen nur dann, wenn sie sich mit 3 oder mehr Prozent auf ein Unternehmen eingeschworen haben.

Jeweils vor Monatsende sorgen die Kollegen von "Finanz & Wirtschaft" einen kurzen Moment lang für Licht im Dunkel. Dann nämlich, wenn sie die Rangliste der zehn am häufigsten leerverkauften Aktien der Schweiz veröffentlichen. Dabei stützen sie sich auf Erhebungen von Markit ab. Das Beratungsunternehmen orientiert sich seinerseits am Wertpapierleihgeschäft.

Die Rangliste von Ende November führt Meyer Burger mit 20,6 Prozent der ausstehenden Aktien an, gefolgt von Kudelski mit 17,1 Prozent, Burckhardt Compression mit 16,8 Prozent, Aryzta mit 16,4 Prozent sowie Basilea mit 14,1 Prozent.

Seit Meyer Burger in Italien einen Schlüsselauftrag an Land gezogen hat, gehen den Leerverkäufern beim Solarzulieferunternehmen aus dem bernischen Gwatt langsam aber sicher die Argumente aus. Zum ersten Mal in der Firmengeschichte scheint die Gewinnschwelle in Griffnähe. Wie mir berichtet wird, liegen die Nerven bei den Leerverkäufern blank.

Bei Kudelski lässt hingegen der Bieterstreit um den Rivalen Gemalto den Leerverkäufern den Atem stocken. Mit einem Angebot in Höhe von umgerechnet 5,6 Milliarden Franken übertrumpfte der französische Rüstungskonzern Thales den Nebenbuhler Atos über das Wochenende aus. Satte 50 Prozent beträgt die Übernahmeprämie für das wie auch Kudelski in der Cyber Security tätige Unternehmen.

Widersprüchliche Angaben liegen zu Clariant vor. Während der Baselbieter Spezialitätenchemiehersteller bei Markit nicht mehr auf der Rangliste erscheint, zählt ihn die MainFirst Bank weiterhin zu den stark leerverkauften Aktien. Bankeigenen Erhebungen zufolge laufen wie bei Kudelski, Meyer Burger, Dufry, Burckhardt Compression und Aryzta auch gegen Clariant Wetten in Höhe von mehr als 15 Prozent der ausstehenden Aktien.

Aus Angst vor einem Unternehmensverkauf ins Ausland befinden sich die Leerverkäufer angeblich am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Nicht wenige unter ihnen wurden mit Arbitragetransaktionen zwischen Clariant und Huntsman auf dem falschen Fuss erwischt.

Egal wie widersprüchlich diese Informationen auch sein mögen - so viele Anhaltspunkte auf einmal sind zu begrüssen. Die Schweizer Börse SIX wäre gut beraten, diese Transparenz zum Normalfall zu machen - beispielsweise in Form öffentlich zugänglicher Leerverkaufsstatistiken. Die New York Stock Exchange macht es vor...

+++

Die Aktionäre von Landis+Gyr dürfen auf einen versöhnlichen Jahresausklang hoffen. Die Valoren des traditionsreichen Stromzählerherstellers aus Zug notieren wieder in unmittelbarer Griffnähe zum Ausgabepreis von 78 Franken.

Wer nach dem verhagelten Zahlenkranz von Ende Oktober Mut bewies und einstieg, wurde fürstlich belohnt. Die Aktien des Börsenrückkehrers trennen mittlerweile gut 17 Prozent von den damaligen Tiefstkursen.

Die Aktien von Landis+Gyr kratzen am einstigen Emissionspreis (Quelle: www.cash.ch)

Die Trendwende brachte der Einstieg des dänischen Milliardärs und Lego-Erben Kirk Kristiansen. Über sein Familienbüro hält er 3,42 Prozent der Stimmen (siehe "Lego-Erben steigen bei hiesigem Börsendebütanten ein" vom 7. November).

Das Nachsehen hat hingegen das UBS Fund Management. Es reduzierte seine Beteiligung rückblickend zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Mit der UBS ist ausgerechnet jene Bank für den Kurstaucher von Ende Oktober verantwortlich, welche wenige Monate zuvor beim Börsengang das Zepter schwang (siehe "Federführende Bank trennt sich von Landis+Gyr-Aktien" vom 10. Oktober).

Im Aktienhandel der Zürcher Privatbank Rahn+Bodmer erklärt man sich das jüngste Aufschliessen zum Emissionspreis mit Window-Dressing-Transaktionen. Es gibt aber auch Vermutungen, wonach im Hinblick auf den Jahreswechsel Kurspflege betrieben wird.

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.
 

Ausgewählte Produkte auf SPI

Investment-Ideen von Julius Bär