Schweizer Aktien steigen in der Gunst

In einer Rangliste der aus Anlegersicht attraktivsten Börsenplätze der Welt klettert die Schweiz deutlich nach oben - Und: Die Leerverkäufer bei AMS müssen sich warm anziehen.
07.06.2016 12:30
cash Insider
Schweizer Aktien steigen in der Gunst
Bild: fotolia.com

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Einmal im Monat veröffentlicht die Citigroup eine Rangliste der aus Anlegersicht attraktivsten Börsenplätze der Welt. In den vergangenen Jahren belegte Zürich regelmässig einen der hintersten Ränge.

Nun bietet sich der Anlagekundschaft der amerikanischen Investmentbank ein ungewohntes Bild: Innerhalb von nur einem Monat machte der Schweizer Aktienmarkt ganze acht Ränge gut. Allerdings dürften die Freunde hiesiger Aktien kaum in Euphorie verfallen - denn für mehr als den zehnten Platz reicht es noch immer nicht.

Punkten kann die Schweizer Börse mit anziehenden Gewinnschätzungen seitens der Analysten, der attraktiv hohen Eigenkapitalrendite sowie mit der nachhaltigen Dividendenentwicklung. Bei den Bewertungskennzahlen kommt sie hingegen alles andere gut weg.

Verantwortlich sind für einmal nicht die oft und gerne genannten Sündenböcke unserer Zeit - gemeint sind der Franken, das Wetter oder die Banken - sondern die drei Indexschwergewichte Nestlé, Roche und Novartis. Denn sie sind es, die mit einem Anteil von gut 60 Prozent am Swiss Market Index (SMI) den Ton angeben und letztendlich darüber entscheiden, ob ausländische Grossinvestoren einen Bogen um unseren Aktienmarkt machen oder eben nicht.

Seit Beginn der Erhebungen im Januar 1999 liess sich der Citigroup zufolge mit den fünf jeweils attraktivsten Länderindizes von MSCI jährlich 8,85 Prozent verdienen. Zum Vergleich: Mit einem Plus von 4,72 Prozent schnitt der Weltaktienindex nur in etwa halb so gut ab.

An dieser Stelle sei deshalb der Vollständigkeit halber verraten, dass die Börsen Brasiliens, Singapurs, Deutschlands, Kanadas sowie die amerikanische Leitbörse in dieser Reihenfolge die Plätze eins bis fünf belegen.

Von den 16 Einzelkriterien, die die amerikanische Investmentbank bei der Erstellung der Länderrangliste hinzuzieht, handelt es sich bei deren sechs um Bewertungskennzahlen. In Anbetracht der überdurchschnittlich hohen Bewertung der Indexschwergewichte Nestlé, Roche und Novartis wird der Schweizer Aktienmarkt womöglich nur dann unter die besten fünf Börsenplätze aufsteigen, wenn defensive Qualitäten gefragt sind.

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Der Halbleiterhersteller AMS blickt auf wachstumsreiche Jahre zurück. Um der Nachfrage prominenter Grosskunden wie Apple oder Samsung gerecht werden zu können, musste das Unternehmen kräftig in den Ausbau von Produktionskapazitäten sowie in die Forschung und Entwicklung neuer Sensoren investieren. Die Aktien galten an der Börse denn auch als Wachstumswerte. An einer möglichst hohen Dividende interessierte Anleger waren anderswo besser aufgehoben.

Doch die Tage eines prozentual zweistelligen Umsatzwachstums sind zumindest fürs erste gezählt. Stummer Zeuge ist der Börsenwert. Er hat sich in den vergangenen zwölf Monaten mehr als halbiert. Heute nun machen die Aktien den Dividendenabgang wett. Mittlerweile errechnet sich immerhin eine Rendite von 2,1 Prozent.

Für Fantasie sorgen kürzliche Aussagen von Broadcom. Der amerikanische Halbleitergigant, seit der Übernahme von Avago ein direkter Gegenspieler von AMS, gab sich zuversichtlich, was den kommerziellen Erfolg der nächsten Smartphone-Generation anbetrifft. Experten sind sich sicher, dass Broadcom dabei auf das neuste iPhone von Apple anspielt.

Schon seit Wochen häufen sich die Anhaltspunkte, wonach die Auftragsflaute in der Wertschöpfungskette des amerikanischen Kultunternehmens Apple endlich ausgestanden sein könnte.

Das sollte eigentlich auch AMS helfen. Noch muss das einstige Vorzeigeunternehmen unter Beweis stellen, dass es auf den Wachstumspfad zurückfinden kann. Liefert es diesen, steht einer Neubeurteilung seiner Aktien an der Börse nichts mehr im Weg. Die ausländischen Leerverkäufer, viele von ihnen haben umfassende Wetten gegen die Aktien des Halbleiterherstellers laufen, seien jedenfalls gewarnt.
 

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