Schweizer Aktien - Und wieder jagt ein Börsengerücht das nächste

Der cash Insider weiss unter anderem von Spekulationen um Clariant, Adecco, Panalpina, AMS und Landis+Gyr zu berichten.
31.10.2017 12:30
cash Insider
Und wieder jagt ein Börsengerücht das nächste
Bild: fotolia.com

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Auch heute jagt am Schweizer Aktienmarkt wieder ein Börsengerücht das nächste - als ob die Fülle an Unternehmensergebnissen nicht schon genug wären. Immerhin liegen Zahlenkränze von Geberit, Dufry, Clariant, OC Oerlikon, Phoenix Mecano sowie Feintool vor.

Wie bei Clariant hinter vorgehaltener Hand zu hören ist, kauft White Tale seit Freitag in Kursschwächen hinein Aktien zu. Die oppositionelle Aktionärsgruppe könnte gar eine Eindrittelsbeteiligung anstreben, so munkelt man.

Dass White Tale gestern in einem offenen Schreiben drei anstatt der erwarteten zwei Sitze im neunköpfigen Verwaltungsrat forderte, stützt diese Vermutung.

Für Lorena Zini von Vontobel ist der belagerte Spezialitätenchemiekonzern aus Basel angesichts der starken Geschäftsentwicklung im dritten Quartal als Übernahmekandidat gar noch attraktiver geworden.

In den letzten Tagen musste neben dem deutschen Chemiegiganten BASF auch die ehemalige Bayer-Tochter Lanxess als potenzielle Käuferin für Clariant herhalten.

Nach Clariant könnte auch Adecco ins Visier ausländischer Finanzinvestoren geraten. Das deuten zumindest von der britischen HSBC in einer Studie zum Thema "Leveraged Buyout" gemachte Aussagen an. Für die Autoren um Jamie Stuttard ist der Stellenvermittler aus Zürich das einzige Unternehmen aus der Schweiz, das sich diesbezüglich vorsehen muss.

Die Adecco-Aktien nähern sich den Mehrjahreshöchstkursen von 2015 (Quelle: www.cash.ch).

Diese Spekulationen würden auch erklären, weshalb die Kursnotierungen bei Adecco trotz Anhaltspunkten für Marktanteilsverluste an den Rivalen Randstad zuletzt auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren kletterten.

Auf reges Kaufinteresse stossen heute auch die Valoren von Panalpina. Der Grund: In einer Studie zum europäischen Transportsektor nimmt Analyst Joel Spungin von der Berenberg Bank die Erstabdeckung des Luftfrachtspezialisten aus Basel mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 165 Franken auf.

Sollte Panalpina nicht innerhalb nützlicher Frist endlich der Turnaround gelingen, hält er einen Verkauf des Unternehmens ins Ausland für wahrscheinlich. Als möglicher Käufer sieht er den dänischen Rivalen DSV.

Mit dieser Aussage befeuert der Studienautor schon seit Wochen kursierende Spekulationen, gäbe es zwischen den beiden genannten Unternehmen doch tatsächlich interessante Anknüpfungspunkte.

Im Auge eines regelrechten Gerüchte-Tornados steht der Sensorenhersteller AMS. Noch vor etwas mehr als einer Woche hiess es, dass sich die neuen Modelle iPhone 8 und iPhone 8S des Grosskunden Apple eher schleppend verkaufen. Auch von Produktionsverzögerungen aufgrund technischer Probleme beim Gesichtssensor war gerüchteweise die Rede.

Mittlerweile treffen ebenfalls aus Asien Berichte ein, wonach die Vorbestellungen für das teure Jubiläumsmodell iPhone X hingegen "durch die Decke" gingen. Wie ich einem Kommentar aus dem Aktienhandel der MainFirst Bank entnehme, beträgt die Lieferzeit für das iPhone X bereits heute bis zu sechs Wochen.

Erst am Donnerstag hatte der für dieselbe Bank tätige Jürgen Wagner das Kursziel für die mit "Outperform" empfohlenen Aktien von AMS auf 115 (zuvor 95) Franken erhöht und damit ein Kursfeuerwerk gezündet.

Anders die Aktien von Landis+Gyr: Seit der an die Börse zurückgekehrte Hersteller von Stromzählern am Freitag millionenschwere Rückstellungen für Garantiefälle einräumen musste, stehen dessen Papiere unter Verkaufsdruck.

Der Kurszerfall der Aktien von Landis+Gyr beschleunigte sich zuletzt sogar (Quelle: www.cash.ch).

Mit dem UBS Fund Management hat ein "Aktionär der ersten Stunde" das Handtuch geworfen (siehe Kolumne vom 10. Oktober). Nun wird darüber spekuliert, ob ein weiterer Grossaktionär auf dem Absprung sei. Viele kommen nicht in Frage. So hält der Medizinaltechnik-Pionier Rudolf Maag 10,17 Prozent und der norwegische Staatsfonds 4,97 Prozent der Stimmen.

Diese Häufung von Börsenspekulationen überrascht mich nicht, passt sie doch bestens in die weit fortgeschrittene Phase der langjährigen Aktien-Hausse. An dieser Stelle sei davor gewarnt, dass solche Gerüchte oft gezielt gestreut werden, um den Aktienkurs der betroffenen Unternehmen in eine bestimmte Richtung zu bewegen.
 

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