Schweizer Aktien - US-Grossinvestoren sind nicht länger «verkäufig»

Der UBS zufolge treten US-Grossinvestoren erstmals seit 15 langen Monaten nicht mehr als Nettoverkäufer von europäischen Aktien in Erscheinung. - Und: Begrüssenswerte Transparenz beim «Prügelknaben» ABB.
23.05.2019 12:30
cash Insider
US-Grossinvestoren sind nicht länger «verkäufig»
Bild: fotolia.com

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Nicht hiesige Pensionskassen und Versicherer, vielmehr amerikanische Grossinvestoren wie der Fondsriese Fidelity oder der weltgrösste Vermögensverwalter Blackrock entscheiden darüber, in welche Richtung sich die Kurse am Schweizer Aktienmarkt bewegen.

In den letzten Monaten traten diese mächtigen Grossinvestoren unter dem Strich als Verkäufer europäischer Aktien in Erscheinung. Alleine im April zogen Fidelity, Blackrock und wie sie alle sonst noch heissen mögen Gelder in Höhe von gut 11 Milliarden Dollar ab. Für die Zeit zwischen Anfang Januar und Ende April beläuft sich die Summe der Nettoabflüsse gar auf 44 Milliarden Dollar.

In welche Hände diese Aktien einfach so mir nichts, dir nichts übergingen, darüber lässt sich bloss spekulieren. Vermutlich wurden sie einerseits von den unzähligen Aktienrückkaufprogrammen absorbiert, andererseits dürften Leerverkäufer die Gunst der Stunde genutzt und ausstehende Wetten geschlossen haben.

Darf man den Strategen der UBS um Nick Nelson Glauben schenken, dann sind die Verkäufe aus dem amerikanischen Raum allerdings dabei zu versiegen. Das zumindest verraten bankeigene Statistiken. Angeblich decken sich diese mit Rückmeldungen von Kunden anlässlich einer Rundreise mit Kundenbesuchen in weiten Teilen der Vereinigten Staaten.

Viele amerikanische Kunden seien sich der tiefen Aktienbewertungen, der Stabilisierung bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie dem Verbesserungspotenzial bei den Unternehmensgewinnen mittlerweile bewusst, so berichten die Strategen von diesen Besuchen.

Wer nun aber denkt, dass die amerikanischen Kunden der grössten Schweizer Bank deswegen vermehrt wieder Appetit auf europäische Aktien verspüren, der irrt. Abwarten und Teetrinken, so lautet der Tenor - eigentlich eher eine britische und weniger eine amerikanische Eigenart.

Apropos britisch: Ich bin gespannt, ob die Erhebungen der britischen Barclays für Mai die jüngsten Beobachtungen der UBS bestätigen. Schon in wenigen Tagen wissen wir mehr.

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Mit welchen Neuigkeiten auch immer der Industriekonzern ABB aufwartet - er kann es der Börse momentan einfach nicht recht machen. Für den milliardenschweren Verkauf des Stromnetzgeschäfts an das japanische Partnerunternehmen hatte sie bloss ein müdes Lächeln übrig. Und wen das Kursfeuerwerk am Tag des Rücktritts von Konzernchef Ulrich Spiesshofer auf den Geschmack brachte, musste rückblickend ernüchtert feststellen, dass es sich auch bei diesem bloss um ein Strohfeuer handelte.

Mit 19 Franken trennt die Aktien weniger als 1 Franken von den Mehrjahrestiefstkursen von Ende Dezember. Dem steht ein um mehr als 20 Prozent höherer Swiss Performance Index (SPI) gegenüber. Das macht die Aktien von ABB - etwas salopp gesagt - zum "Prügelknaben" unter den hiesigen Standardwerten.

Verwaltungsratspräsident und Interims-Chef Peter Voser unternimmt nun aber erste Schritte, um sich aus dieser undankbaren Rolle befreien zu können. Dazu zählt, dass sein Mandats- und Arbeitgeber den Analysten kürzlich historisches Zahlenmaterial nach neuer Unternehmensstruktur zur Verfügung stellt.

Kursentwicklung der ABB-Aktien während der letzten zehn Jahre. (Quelle: cash.ch)

So begrüssenswert diese hohe Transparenz auch sein mag, sie rächt sich in gewisser Weise. Denn das Zahlenmaterial legt im Robotikgeschäft ziemlich schonungslos einen Margenrückgang im ersten Quartal von 16 auf rund 12 Prozent bei einem organischen Nullwachstum offen.

Gerade der bekannte Analyst Martin Willi von J.P. Morgan zeigt sich überrascht vom Ausmass des Margenrückgangs und zieht davon negative Rückschlüsse auf die nächsten Quartale. Er sieht sich in seiner "Underweight" lautenden Verkaufsempfehlung sowie im Kursziel von 18,50 Franken bestätigt.

Meines Erachtens hat ABB-Chef Peter Voser das Überraschungsmoment auf seiner Seite - und gleich mehrere Trümpfe im Ärmel. Bleibt zu hoffen, dass er letztere geschickt auszuspielen weiss.

Schwierig zu deuten sind Spekulationen, wonach nicht nur Cevian Capital, sondern auch Investor AB an schwächeren Tagen Aktien akkumulieren würden. Vermutlich wartet auch die Beteiligungsgesellschaft der Familie Wallenberg auf den grossen Wurf.
 

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