Schweizer Aktienfavoriten - 2019 - ein Börsenjahr ganz nach Lehrbuch?

Der cash Insider verrät, weshalb sich das Börsenjahr ganz nach Lehrbuch entwickelt. Ausserdem nennt er die wohl grösste Gefahr für den Schweizer Aktienmarkt und zieht eine Zwischenbilanz bei seinen Aktienfavoriten.
04.11.2019 12:30
cash Insider
2019 - ein Börsenjahr ganz nach Lehrbuch?
Bild: fotolia.com

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Der Oktober endete am Schweizer Aktienmarkt so, wie er begonnen hatte: mit neuen Indexrekorden. Sowieso entwickelt sich das Börsenjahr 2019 ganz nach Lehrbuch. Oder besser gesagt: Die vergangenen zehn Monate erfüllten sämtliche saisonalen Klischees.

Auf starke erste Januar-Tage folgte eine kräftige Aufwärtsbewegung. Dann schien die Mai-Korrektur die Börsenweisheit "Sell in May and go away" bestätigen zu wollen. Die Kursschwäche ward rasch überwunden und ebnete einer schöner Sommerrally bei eher dünnen Umsätzen den Weg. Vor wenigen Wochen wendete die Herbstflaute - getreu dem Motto "But remember to come back in September". Und auch von den freundlichen ersten Januar-Tagen auf ein gutes Gesamtjahr zu schliessen, erwies sich rückblickend als goldrichtig. Kein Wunder also, positionieren sich die Marktakteure hierzulande nun bereits für eine Jahresendrally.

Gut acht Wochen vor dem Jahreswechsel ist man sich überraschend einig, dass 2019 als ein exzellenter Börsenjahrgang in die Geschichtsannalen eingeht - immer in der Hoffnung, dass die Jahresendrally nicht wie letztes Jahr negative Vorzeichen aufweist. Zur Erinnerung: Alleine im Dezember büsste der Swiss Market Index (SMI) im vergangenen Jahr fast 7 Prozent ein. Viele Finanzwerte und konjunkturabhängige Aktien gerieten gar noch stärker unter die Räder.

Die Bereitschaft der Geldpolitik, die Zügel falls nötig weiter zu lockern, verzerrt das Geschehen an den Aktienmärkten schon seit Wochen. In der Hoffnung neuer geldpolitischer Lockerungsmassnahmen werden negative Nachrichten aus der Wirtschaft frenetisch mit Kursgewinnen gefeiert, positive Nachrichten hingegen mit Kursverlusten bestraft. Was für eine verkehrte Welt, in der wir doch leben.

Bei allem Jubel über die jüngsten Indexrekorde sollte nicht vergessen gehen, dass die Valoren von Nestlé, Roche und Novartis für mehr als 1500 der knapp 2000 Punkte verantwortlich sind, um die der SMI seit Jahresbeginn zulegen konnte. Ich will mir nicht ausmalen, was wäre, sollte der milliardenschwere Geldstrom aus dem Ausland irgendwann abebben.

Bilanz der letzten Jahre

Jahr Aktienfavoriten SPI
2013 +40,1 Prozent +23,9 Prozent
2014 +11,4 Prozent +15,2 Prozent
2015 +4,1 Prozent +  2,4 Prozent
2016 -3,7 Prozent -   1,7 Prozent
2017 +23,6 Prozent +20,1 Prozent
2018 -19,1 Prozent -   8,8 Prozent
2019* +20,2 Prozent +25,5 Prozent

* Schlusskurse vom 31. Oktober 2019

Es gibt erste beunruhigende Entwicklungen. Erhebungen der UBS zufolge schnitten zyklische Aktien im Oktober weltweit rund 3 Prozent besser als konjunkturresistente Aktien ab. In Europa entwickelten sie sich sogar um fast 7 Prozent besser. Sollten sich die konjunkturellen Vorlaufindikatoren weiter stabilisieren können, oder sollten sich Peking und Washington allen Unkenrufen zum Trotz doch noch zu einem Handelsabkommen durchringen, drohen den konjunkturresistenten Aktien schmerzhafte Kursverluste.

Angesichts der schier erdrückenden Dominanz der Valoren von Nestlé, Roche und Novartis - gemeinsam sind sie beim SMI für fast zwei Drittel der Gesamtkapitalisierung verantwortlich - ist nicht die Risikoaversion, sondern vielmehr die Rückkehr des Risikoappetits der eigentliche Gegner unseres Heimmarktes.

Wobei die "Politik des billigen Geldes" mittlerweile die Anleger aller Couleur dazu zwingt, Risiken einzugehen, die sie unter anderen Umständen keinesfalls eingehen würden - egal ob in Form einer höheren Aktienquote, längerer Laufzeiten oder schlechterer Schuldner bei den Anleihen oder eines Vorstosses in neue Anlageklassen wie etwa ins Geschäft mit Risikokapital.

Selbst Kollateralschäden in der Altersvorsorge nimmt man bei den Notenbankverantwortlichen in Kauf. Denn auch bei uns in der Schweiz stützt sich die Altersvorsorge auf das Prinzip des Zinseszins-Effekts ab. Gerade deshalb gelten die letzten Beitragsjahre als die wichtigsten im Erwerbsleben. Doch ohne Zinsen auch kein Zinseszins-Effekt. Damit fällt der "dritte Beitragszahler " - nach dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer - weg.

Aktuelle Positionen Aktienfavoriten

Titel Anzahl Einstand akt. Wert* Erfolg G/V
Barmittel       30'935,96    
ABB N 500   19,73   10'345,00 +   480,00  +  4,87 Prozent
Bâloise N 75 134,00   13'665,00 + 3615,00 +35,97 Prozent
LafargeHolcim N 250 40,10   12'720,00 + 2695,00 +26,88 Prozent
Sika N 85 123,00   14'407,50 + 3952,50 +37,80 Prozent
Swatch Group I 37 266,70   10'101,00 +   233,10 +  2,36 Prozent
Georg Fischer N 17 790,00   15'980,00 + 2070,00 +14,88 Prozent
Siegfried N 30 332,00   12'045,00 + 2085,00 +20,93 Prozent
           
Total     120'199,46   +20,20 Prozent

* Schlusskurse vom 31. Oktober 2019

Folglich begegne ich auch bei den Vorsorgewerken, die ich auf Seiten des Stiftungsrats in beratender Funktion im Kontakt mit den vermögensverwaltenden Banken begleite, einem ungeheuren Renditedruck. Letzterem nachzugeben und mehr Risiken einzugehen zahlt sich für die Vorsorgewerke allerdings nur so lange aus, wie immer neue Gelder in eine höhere Aktienquote oder in Anleihen mit längeren Laufzeiten oder schlechteren Schuldnern fliessen. Man muss sich das Ganze wie ein gewaltiges, von den Notenbankverantwortlichen gewolltes Schneeballsystem vorstellen - und braucht kein Experte zu sein, um zu ahnen, dass sich diese Risiken irgendwann rächen werden.

In den vergangenen zwei Monaten konnten meine Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2019 etwas Rückstand zum Swiss Performance Index (SPI) gutmachen. Errechnete sich Anfang September bloss ein Plus von 12,7 Prozent, waren es zuletzt wenigstens 20,2 Prozent. Dem steht ein um 25,5 Prozent höherer SPI gegenüber.

Der Rückstand wäre wohl noch mehr geschmolzen, würde ich nicht weiterhin eine hohe taktische Barmittelquote in Höhe von gut 25 Prozent halten - immer auf die Gefahr hin, dem breiten Markt wieder stärker hinterher zu hinken.

Aktuelle Positionen «Dogs of the SMI»

Titel Anzahl Einstand akt. Wert* Erfolg G/V
Barmittel       3'593,18    
Adecco N 220 45,93 12'865,60 + 2761,00 +27,32 Prozent
LafargeHolcim N 245 40,50 12'465,50 + 2543,10 +25,63 Prozent
Swisscom N 20 469,70 10'080,00 +   686,00 +   7,30 Prozent
Swiss Re N 110 90,12 11'363,00 + 1449,80 +14,62 Prozent
UBS N 815 12,24   9'486,60 -    383,92 -   4,86 Prozent
Zurich Insurance N 35 293,10 13'492,50 + 3234,00 +31,53 Prozent
           
Total     73'346,48   +22,20 Prozent

* Schlusskurse vom 31. Oktober 2019

Zugegeben, ich habe im bisherigen Jahresverlauf auch sonst den einen oder anderen Fehler gemacht. So bin ich zwar mit einer grossen Nestlé-Position ins 2019 gestartet, was eigentlich goldrichtig war. Den beiden anderen Schwergewichten Roche und Novartis räumte ich hingegen erst gar keinen Platz ein. Ausserdem wurde ich bei den Aktien der UBS rückblickend etwas unschön bei 10,80 Franken auf der Position ausgestoppt.

Der wiedererwachte Appetit nach dividendenstarken Aktien bescherte meinen Dogs of the SMI einen geradezu beeindruckenden Schub. Innerhalb von acht Wochen verbesserte sich die Performance von 9,9 auf 22,2 Prozent.

Einzig an den Mitte Dezember kommunizierten Schweizer Turnaround-Kandidaten gingen die letzten Wochen spurlos vorüber. In der Spitze um fast 30 Prozent höher, errechnete sich zuletzt bloss ein mageres Plus von 3,2 Prozent. Ich nutze bei diesem Anlagegefäss die Gelegenheit und erwerbe für rund 12'000 Franken Aktien von Meyer Burger.

Aktuelle Positionen «Turnaround-Kandidaten»

Titel Anzahl Einstand akt. Wert* Erfolg G/V
Barmittel     12'886,30    
ABB N 500   19,73 10'345,00 +  480,00 +  4,87 Prozent
Aryzta N 8'580     1,17   6'670,09 - 3329,90 - 33,30 Prozent
Ascom N 780   12,84   7'620,60 - 2394,60 - 23,91 Prozent
Autoneum N 73 137,30   8'066,50 - 1956,50 - 19,52 Prozent
DKSH N 168   59,55   7'865,76 - 2138,64 - 21,38 Prozent
Implenia N 300   33,78 11'238,00 +1104,00 +10,89 Prozent
Klingelnberg N 295   33,85   7'670,00 - 2315,75 - 23,19 Prozent
Meyer Burger N     neu    
           
Total     72'362,25   + 2,85  Prozent

* Schlusskurse vom 31. Oktober 2019

Der Solarzulieferer steht nun in der Pflicht und muss liefern - beispielsweise in Form überzeugender finanzieller Bedingungen für die Zusammenarbeit mit REC. Auch der Einstieg eines neuen strategischen Investors würde von der Börse wohl begrüsst, sofern dies aus Sicht der bestehenden Aktionäre zu fairen Konditionen geschieht.

Was die Auswahl meiner Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2019 anbetrifft, so bleibe ich vor allem für die Papiere von LafargeHolcim sehr zuversichtlich. Wie Mark Schneider bei Nestlé, drückt auch der frühere Sika-Chef Jan Jenisch seinem neuen Arbeitgeber immer mehr den persönlichen Stempel auf. Ich wäre nicht überrascht, würde sich der träge Zementhersteller aus Jona unter Jenisch zu einem wachstumsstarken Baustoffhersteller mausern. Und bis dahin werden die Aktionäre für ihre Geduld mit einer attraktiv hohen Dividendenrendite von 4 Prozent fürs Warten entschädigt. Was will man mehr?

Kursseitiges Aufwärtspotenzial sehe ich auch bei den Aktien von Georg Fischer und ABB. Allerdings ist bei diesen beiden Unternehmen noch ein bisschen mehr Geduld gefragt, zumal sich die Situation in den Absatzmärkten überhaupt erst einmal stabilisieren muss.

Bisherige Transaktionen Aktienfavoriten

Datum Titel   Anzahl Kurs   Total
28.12.2018 Sika N Kauf 85 123,00 Franken 10'455,00-
28.12.2018 LafargeHolcim N Kauf 250 40,10 Franken 10'025,00-
28.12.2018 Nestlé N Kauf 250 78,80 Franken 19'950,00-
28.12.2018 Bâloise N Kauf 75 134,00 Franken 10'050,00-
28.12.2018 Siegfried N Kauf 30 332,00 Franken 9960,00-
28.12.2018 Georg Fischer N Kauf 12 790,00 Franken 9480,00-
07.01.2019 AMS I Kauf 75 19,795 Franken 1484,63-
07.01.2019 Aryzta N Kauf 1'230 1,2155 Franken 1495,07-
07.01.2019 U-blox N Kauf 19 79,90 Franken 1518,10-
07.01.2019 GAM N Kauf 1'230 3,994 Franken 1497,75-
07.01.2019 Meyer Burger N Kauf 2'200 0,68 Franken 1496,00-
07.01.2019 Kudelski I Kauf 260 5,70 Franken 1482,00-
07.01.2019 Autoneum N Kauf 10 153,40 Franken 1534,00-
28.01.2019 AMS I Verkauf 75 27,93 Franken 2094,75+
28.01.2019 GAM N Verkauf 375 4,49 Franken 1683,75+
01.02.2019 Kudelski I Verkauf 260 6,46 Franken 1679,60+
04.02.2019 Meyer Burger N Verkauf 2'200 0,85 Franken 1870,00+
04.03.2019 U-blox N Verkauf 19 94,70 Franken 1799,30+
04.03.2019 Nestlé N Verkauf 125 90,96 Franken 11'370,00+
06.05.2019 ABB N Kauf 500 19,73 Franken 9865,00-
05.06.2019 Nestlé N Verkauf 125 100,24 Franken 12'530,00+
05.06.2019 Autoneum N Verkauf 10 128,90 Franken 1289,00+
05.06.2019 Aryzta N Verkauf 1'230 1,15 Franken 1414,50+
05.06.2019 Georg Fischer N Kauf 5 886,00 Franken 4430,00-
05.06.2019 UBS N Kauf 850 11,76 Franken 9996,00-
05.06.2019 Swatch I Kauf 37 266,70 Franken 9867,90-
02.08.2019 UBS N Verkauf 850 10,80  Franken 9151,00+

 

 

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