Schweizer Aktienfavoriten - Der cash Insider hängt den SPI ab

Der cash Insider zieht bei seinen Schweizer Aktienfavoriten eine erfreuliche Zwischenbilanz. Ausserdem äussert er sich zum aktuellen Börsenumfeld sowie zu Roche, Meyer Burger und OC Oerlikon.
04.06.2018 12:30
cash Insider
Der cash Insider hängt den SPI ab
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Allen Unkenrufen zum Trotz: Italien hat eine neue Regierung – zusammengesetzt aus Vertretern der europakritischen Fünf-Sterne-Bewegung um den bekannten Kabarettisten Beppe Grillo und solchen der rechtsnationalen Lega.

Nach Tagen des Hoffens und Bangens reagierten die Aktienmärkte am Freitag erst einmal mit Erleichterung und steigenden Kursen auf die Neuigkeiten. Neuste Umfragen lassen erahnen, dass Neuwahlen den europakritischen Kräften wohl noch einmal kräftig Auftrieb verliehen hätten. Ausserdem wäre unser südliches Nachbarland während Monaten von einer Übergangsregierung "verwaltet" worden. Und nichts fürchten die Märkte bekanntlich mehr, als die Ungewissheit.

Auch der Swiss Performance Index (SPI) machte am Freitag etwas Boden gut und beendete die Woche mit einem moderaten Minus von 1,7 Prozent. Gleichzeitig flachte der Kapitalfluss aus dem umliegenden Ausland etwas ab, was dem zuvor erstarkten Franken eine willkommene Abkühlung bescherte.

Es wäre aus Anlegersicht etwas gar verfrüht, wieder um "courant normal" überzugehen. Denn was nach den Turbulenzen der letzten Tage bleibt, ist die Erkenntnis, dass die strukturellen Probleme in Italien und anderen hochverschuldeten europäischen Ländern munter vor sich hin schwelen. Die Europäische Zentralbank (EZB) mag mit ihren Negativzinsen und milliardenschweren Wertpapierkäufen zwar die Symptome lindern. Die Ungleichgewichte, die vor einigen Jahren in die Schuldenkrise führten, sind allerdings bis heute da und eine Eskalation jederzeit wieder möglich.

Brandherde gibt es beileibe genug. Sei es die Agenda der neuen Regierung in Italien, welche einen Konfrontationskurs zur Europäischen Union erahnen lässt - oder die amerikanische Regierung, die mit ihren Strafzöllen einen Handelskrieg anzetteln könnte.

An dieser Stelle kurz ein paar Gedanken zum Handelsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten: Auch wenn es Präsident Donald Trump nicht gerne hört, ist das Defizit strukturell bedingt. Weder China, noch Europa trifft die Schuld - vielmehr die Vereinigten Staaten selbst.

Man kann nicht über Jahrzehnte hinweg die Produktion in Billiglohnländer auslagern und sich dann über ein Handelsbilanzdefizit beklagen. Fakt ist: Die Vereinigten Staaten produzieren vorwiegend im Ausland und leben nicht nur auf (zu) grossem Fuss, nein, sondern auch auf Pump.

Vermutlich ist sich Präsident Trump der Abhängigkeit von China und anderen Wirtschaftsregionen schlichtweg nicht bewusst. Verscherzt er es sich mit der Regierung in Peking, dann auch gleich mit einem der grössten Gläubiger der Vereinigten Staaten.

Nicht auszudenken in was für Höhen die Zinsen steigen würden, sollte China amerikanische Staatsanleihen auf den Markt werfen. Die Volksrepublik hält Bestände in astronomischer Höhe von 1200 Milliarden Dollar.

Mich überrascht jedoch nicht, dass die amerikanische Regierung auch diesmal wieder lieber mit dem Finger auf andere zeigen - wie das nur zu oft der Fall war.

Wochen wie diese verlangen uns Anlegern ganz schön viel Disziplin ab. Am besten fährt nämlich, wer seiner Strategie auf lange Sicht treu bleibt und sich nicht zu sehr von täglichen Kursschwankungen verunsichern lässt.

Bei meinen Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2018 setze ich deshalb weiterhin auf Aktien von Unternehmen, die sich in einem Transformationsprozess befinden. Selbst wenn dieser Prozess Zeit braucht, sollte er sich doch früher oder später in höheren Kursen niederschlagen – und das weitestgehend unabhängig von der Grundstimmung am Schweizer Aktienmarkt.

Gleichzeitig halte ich gut 20 Prozent des Vermögens in Form taktischer Barmittel, um wie zuletzt bei den Aktien von Meyer Burger gezielt Kaufgelegenheiten wahrnehmen zu können (siehe "Steigt Panasonic bei Meyer Burger ein?" vom 29. Mai).

Seit Ende Dezember haben meine Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2018 (Stand 31. Mai bei Börsenschluss) durchschnittlich 3,42 Prozent eingebüsst. Dem steht als Vergleichsindex ein um 5,7 Prozent schwächerer SPI gegenüber.

Einen Rückschlag hatten hingegen die Dogs of the SMI zu verkraften. Die Angst vor Verlusten auf italienischen Anleihebeständen liess die dividendenstarken Aktien von Zurich Insurance Group und Swiss Re deutlich im Kurs zurückfallen. So resultierte letztendlich gar ein Minus von 4,02 Prozent.

Bilanz der letzten Jahre:

Jahr Aktienfavoriten SPI
2013 +40,1 Prozent +23,9 Prozent
2014 +11,4 Prozent +15,2 Prozent
2015 +  4,1 Prozent +  2,4 Prozent
2016 -   3,7 Prozent -   1,7 Prozent
2017 +23,6 Prozent +20,1 Prozent
2018* -    3,4 Prozent -   5,7 Prozent

* Schlusskurse vom 31. Mai 2018

Nicht so richtig ins Bild der Aktien mit firmenspezifischen Kurstreibern will der Neuzugang Meyer Burger passen. Das allerdings nur auf den ersten Blick, dürfte es sich bei der Auftragsflaute der ersten Monate und der damit verbundenen Kursflaute bei den Aktien doch um ein vorübergehendes Phänomen handeln.

Die Angst vor einer Eskalation im Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China lässt viele Solarmodulhersteller mit Investitionen in zusätzliche Produktionskapazitäten zuwarten. Das überrascht nicht, sind der amerikanischen Regierung die billigen Solarmodule aus China doch ein Dorn im Auge.

Ich wäre nicht erstaunt, würde sich dieser Knoten im Jahresverlauf lösen und dem Solarzulieferer aus dem bernischen Gwatt neue Aufträge bescheren.

Zusätzliches Kurspotenzial geht meines Erachtens von der sich abzeichnenden Zusammenarbeit mit Panasonic aus. Nicht auszuschliessen, dass sich der japanische Solarpionier sogar strategisch an Meyer Burger beteiligt.

Meines Erachtens sind Kurse zwischen 1,10 und 1,20 Franken deshalb Kaufkurse - zumindest für Anleger, die mit starken Kursausschlägen auf die eine oder andere Seite leben können.

Aktuelle Positionen Aktienfavoriten:

Titel Anzahl Einstand akt. Wert* Erfolg G/V
Barmittel     18'284,65    
ABB N 385 26,00 8'581,65 -1'428,35 -14,27 Prozent
LafargeHolcim N 182 54,95 9'180,08 -820,82 -8,21 Prozent
Nestlé N 120 83,40 8'925,60 -1'094,40 -10,92 Prozent
Roche GS 40 246,80 8'442,00 -1'430,00 -14,49 Prozent
Basilea N 132 75,50 9'279,60 -686,40 -6,89 Prozent
Clariant N 400 25,50 9'512,00 -688,00 -6,75 Prozent
Dufry N 69 144,80 9'277,05 -714,15 -7,15 Prozent
OC Oerlikon N 600 16,87 9'552,00 -570,00 -5,63 Prozent
Meyer Burger N 4'500 1,12 5'544,00 +504,00 +10,00 Prozent
           
Total     96'578,63   -3,42 Prozent

* Schlusskurse vom 31. Mai 2018

Starke Nerven mussten in den letzten Wochen die Aktionäre von OC Oerlikon unter Beweis stellen. Erst rief die amerikanische Regierung zum Boykott des russischen Industriellen und Grossaktionärs Viktor Vekselberg auf. Dann sah sich der Milliardär unter dem Druck des Boykotts zu einer Reduktion seines Aktienpakets gezwungen.

Das hat erst einmal nichts mit dem Tagesgeschäft zu tun, wobei sich die Folgen des Boykotts noch nicht abschätzen lassen. Mit grösseren Beeinträchtigungen rechne ich jedoch nicht.

Neben der äusserst komfortablen Auftragslage sehe ich auch im Konzernumbau einen möglichen Kurstreiber. Die Spekulationen rund um einen Börsengang von Oerlikon Drive Systems wurden vom Unternehmen mittlerweile offiziell bestätigt. Die Frage ist deshalb nicht ob, sondern vielmehr wann und zu welchem Preis sich die Tochter dem Publikum öffnet.

Wie ich kürzlich schrieb, ist der Börsengang von Oerlikon Drive Systems Grundvoraussetzung für die Verstärkung des Kerngeschäfts Oberflächentechnologie durch die ähnlich gelagerten Geschäftsaktivitäten von Praxair (siehe "Gerüchtekarussell nimmt bei OC Oerlikon wieder Fahrt auf" vom 2. Mai).

Aktuelle Positionen "Dogs of the SMI":

Titel Anzahl Einstand akt. Wert* Erfolg G/V
LafargeHolcim N 185 53,90 91'99,44 -640,10 -6,42 Prozent
Roche GS 41 244,00 8'653,05 -1'350,95 -13,50 Prozent
Swisscom N 19 520,50 8'352,40 -1'537,10 -15,54 Prozent
Swiss Re N 108 92,20 9'199,44 -759,16 -7,61 Prozent
Zurich N 33 298,10 9'642,60 -194,70 -1,98 Prozent
           
Total     45'178,89   -4,02 Prozent

* Schlusskurse vom 31. Mai 2018

Roche befindet sich in einem Stimmungstief - zumindest an der Börse. Am Donnerstag tauchte der Kurs der Genussscheine kurzum in die Nähe von 210 Franken und damit auf den tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahren.

An dieser Misere sind die Firmenverantwortlichen um Konzernchef Severin Schwan nicht ganz unschuldig. Und auch die Familienaktionäre trifft eine Mitschuld. Zu lange haben sie sich auf den Lorbeeren vergangener Tage ausgeruht. Das holt den Pharma- und Diagnostikkonzern nun ein: umsatzstarke Medikamente verlieren den Patentschutz und fallen ab dann günstigeren Nachahmerpräparaten zum Opfer.

Roche wartet zwar immer wieder mit innovativen neuen Wirkstoffen wie Ocrevus gegen Multiple Sklerose oder Tecentriq gegen verschiedene Krebsarten auf. Diese Therapiegebiete sind allerdings hart umkämpft. Sprich: andere Rivalen wie die amerikanische Merck laufen den Baslern mit nicht weniger potenten Wirkstoffen den Rang ab.

Das Unternehmen muss nicht gleich in übertriebenen Aktivismus wie einst der Platzrivale Novartis verfallen. Dennoch verhindert die veraltete Kapitalstruktur in Kombination mit der Dominanz der Gründerfamilien Oeri-Hoffmann längst überfälligen Wandel.

Der Druck aus dem übrigen Aktionariat auf die Firmenverantwortlichen am Hauptsitz in Basel dürfte hoffentlich zunehmen und das Unternehmen endlich auf einen aktionärsfreundlicheren Kurs umschwenken lassen.

Bisherige Transaktionen:

Datum Titel   Anzahl Kurs   Total
29.12.2017 Burckhardt N Kauf 32 315,50 Franken 10'096,00-
29.12.2017 Roche GS Kauf 40 246,80 Franken 9'872,00-
29.12.2017 Basilea N Kauf 132 75,50 Franken 9'966,00-
29.12.2017 Nestlé N Kauf 120 83,50 Franken 10'020,00-
29.12.2017 Dufry N Kauf 69 144,80 Franken 9'991,20-
29.12.2017 ABB N Kauf 385 26,00 Franken 10'010,00-
29.12.2017 LafargeHolcim N Kauf 182 54,95 Franken 10'000,90-
24.01.2018 Burckhradt N Verkauf 32 364,25 Franken 11'656,00+
07.02.2018 Clariant N Kauf 400 25,50 Franken 10'229,00-
15.02.2018 Put WLHBRV Kauf 3'640 0,25 Franken 939,00-
05.03.2018 Put WLHBRV Verkauf 3'640 0,36 Franken 1'281,40+
16.04.2018 Call AMIFJB Kauf 3'300 0,455 Franken 1'530,50-
16.04.2018 Put AMPRJB Kauf 3'300 0,455 Franken 1'530,50-
24.04.2018 Call AMIFJB Verkauf 3'300 0,09 Franken 268,00+
24.04.2018 Put AMIFJB Verkauf 3'300 0,971 Franken 3'175,30+
04.05.2018 OC Oerlikon N Kauf 600 16,87 Franken 10'151,00-
04.05.2018 Put DUFATZ Kauf 2'760 0,17 Franken 498,20-
08.05.2018 Put DUFATZ Verkauf 2'760 0,12 Franken 364,00+
29.05.2018 Meyer Burger N Kauf 4'500 1,12 Franken 5'069,00-

 

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