Schweizer Aktienfavoriten - Der cash Insider überholt endlich den SPI

Zum letzten Mal vor seinen Ferien zieht der cash Insider eine Zwischenbilanz bei seinen Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2017. Ausserdem äussert er sich zur aktuellen Marktsituation.
03.07.2017 12:30
cash Insider
Der cash Insider überholt endlich den SPI
Bild: fotolia.com

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Die einfachen Gewinne sind am Schweizer Aktienmarkt gemacht, so erklären mir alteingesessene Händler. Ab jetzt wird mit einem deutlich selektiveren Geschehen gerechnet. Will heissen: Man muss als Anleger schon auf die richtigen Aktien setzen, um an der Börse überhaupt noch Geld machen zu können.

Die letzten Tage waren wohl nur ein erster Vorgeschmack, was die Sommer-Monate über auf uns zukommt. Nachdem der Swiss Performance Index (SPI) am vergangenen Montag bei 10'388,72 Punkten mal eben kurz auf den höchsten Stand in seiner traditionsreichen Geschichte kletterte, setzten erstmals wieder grössere Abgaben ein. In der Folge ging das Börsenbarometer gar in Reichweite zur magischen Marke bei 10'000 Zählern aus der Handelswoche hervor.

Der Schweizer Aktienmarkt trete in die heisse Phase ein, schrieb ich vergangenen Monat hier an dieser Stelle. Und: Gelinge es den hiesigen Aktienindizes nicht, neue Höchststände zu erklimmen, steige die Gefahr einer grösseren Gewinnmitnahmewelle.

Noch ist nichts verloren. Allerdings mahnt die Kapitulation der Leerverkäufer genauso zur Vorsicht wie die sich häufenden starken Kursausschläge, die immer abstruseren Spekulationen oder die sich mit immer abenteuerlicheren Kaufempfehlungen und Kurszielen überbietenden Analysten.

Es fällt auf, dass immer mehr Einzelaktien Ermüdungserscheinungen zeigen (siehe Kolumne vom 26. Juni). Das gilt insbesondere für Aktien, welche bei Anlegern und Analysten hoch im Kurs stehen (siehe Kolumne vom letzten Freitag). Ich habe deshalb jüngst die Gelegenheit genutzt, um die taktische Barmittelquote wieder etwas hochzufahren. Ich bin fast ein bisschen froh, darf ich mich ab dem 10. Juli – zum ersten Mal seit einem Dreivierteljahr – für zwei Wochen in die Ferien verabschieden.

Boden gutmachen konnten in den letzten Wochen meine Ende Dezember kommunizierten Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2017. Mit einem Plus von 13,04 Prozent liess sich der um 12,58 Prozent höhere SPI endlich überholen. Pourvu que ça dure, würden mir meine Leserinnen und Leser aus der Westschweiz jetzt wohl entgegenhalten.

Als treibende Kraft erwiesen sich - selbst für mich ziemlich überraschend - die beiden Indexschwergewichte Nestlé und Novartis. Novartis gelang kürzlich ein Überraschungserfolg mit Ilaris bei der Behandlung von Patienten mit Herzkranzartherien-Erkrankungen (siehe Artikel vom 23. Juni), woraufhin die Aktien vorübergehend auf über 84 Franken kletterten.

Bilanz der letzten Jahre:

Jahr

Aktienfavoriten

SPI

2013

+40,1 Prozent

+23,9 Prozent

2014

+11,4 Prozent

+15,2 Prozent

2015

+ 4,1 Prozent

+ 2,4 Prozent

2016

- 3,7 Prozent

- 1,7 Prozent

2017*

+13,0 Prozent

+12,6 Prozent

* Schlusskurse vom 30. Juni 2017

Bei Nestlé ging hingegen vom Einstieg von Third Point Fantasie aus. Der Hedgefonds des amerikanischen Milliardärs Dan Loeb ist für seine aktive Einflussnahme bei Unternehmen bekannt. Und obwohl der neue Aktionär gerademal 1,3 Prozent der Stimmen hinter sich schart, stellte er in einem offenen Brief auch gleich knallhart Forderungen (siehe Artikel vom 26. Juni). Dass sich Third Point mit dem weniger als 48 Stunden später bekanntgegebenen Aktienrückkaufprogramm über astronomische 20 Milliarden Franken der Wind aus den Segeln nehmen lässt, wage ich zu bezweifeln.

Vermutlich wird der Hedgefonds weitere Titel zukaufen – oder aber Trittbrettfahrer werden das für ihn übernehmen. Gerade von einem Verkauf des L'Oréal-Pakets will man am Hauptsitz von Nestlé im waadtländischen Vevey nämlich auch weiterhin nichts wissen.

Ab Donnerstagnachmittag fielen sowohl die Valoren von Nestlé, wie auch jene von Novartis auffälligen Absicherungstransaktionen über die SMI-Futures zum Opfer. Wenn Grossinvestoren ihr Aktienportfolio über den Leerverkauf von Index-Futures absichern, zieht dies auch die darin vertretenen Aktien in Mitleidenschaft. Das gilt insbesondere für die Schwergewichte. In Anbetracht der noch immer erdrückenden hausgemachten Probleme muss Novartis achtgeben, nicht ebenfalls zum Ziel aggressiver Finanzinvestoren zu werden (siehe Kolumnen vom 27. und 29. Juni).

Es ist schon ziemlich erstaunlich: Da katapultieren aggressive Deckungskäufe die Aktien von Meyer Burger innerhalb von Tagen von 0,80 auf 1,20 Franken hoch, und wenige Wochen später kommt als Tageslicht, dass die Wetten gegen den Berner Solarzulieferer in der zweiten Hälfe Juni auf 18 Prozent der ausstehenden Aktien ausgebaut wurden. Das entspricht sogar gut einem Drittel mehr, als das Beratungsunternehmen Markit noch Ende Mai meldete.

Womöglich bedarf es bloss ein oder zwei weiteren grossen Aus- oder Nachrüstungsaufträgen, um die Leerverkäufer bei Meyer Burger wieder in die Defensive zu drängen. Spätestens wenn beim Solarzulieferer aus Gwatt die Halbjahrespräsentation von Mitte August naht, haben diese mächtigen Marktakteure vermutlich allen Grund zur Nervosität. Denn mit all den neuen Grossaufträgen der letzten Monate scheint eine Erhöhung der Jahresprognosen möglich. Nicht auszudenken, was das für die Aktienkursentwicklung bedeuten würde...

...nachdem ich mich Mitte Juni nach dem Aufkommen abenteuerlicher Spekulationen rund um einen Grossauftrag von oder einer Übernahme durch den amerikanischen Automobilhersteller Tesla (siehe Kolumne vom 15. Juni) von der Hälfte der Position getrennt habe, halte ich in Erwartung eines sogenannten "Short-Squeeze" an der zweiten Positionshälfte fest.

Aktuelle Positionen Aktienfavoriten:

Titel

Anzahl

Einstand

akt. Wert*

Erfolg

G/V

Barmittel

   

 20'910,55

   

ABB N

465

21,50

11'011,20

1'013,70

+10,14%

Clariant N

477

20,95

10'074,25

104,94

+0,81%

Nestlé N

137

73,15

11'432,65

1'411,10

+14,08%

Novartis N

135

74,15

10'773,00

762,75

+7,62%

Swiss Re N

115

88,90

10'079,75

-143,75

-1,41%

Basilea N

137

72,60

11'069,60

1'069,60

+11,29%

Burckhardt N

30

304,25

8'250,00

-877,50

-9,61%

Dätwyler I

73

137,60

11'877,10

1'832,30

+18,24%

Meyer Burger N

12'600

0,79

7'560,00

2'583,00

+51,90%

           

Total

   

113'038,10

 

+13,04%

* Schlusskurse vom 30. Juni 2017

Weiterhin Rätsel gibt Clariant auf. Es hätte rückblickend zwar zweifelsfrei wünschenswertere Kandidaten für einen Zusammenschluss gegeben. Allerdings lassen sich wohl ziemlich rasch erste Synergien zu Huntsman realisieren. Längst liessen die Firmenvertreter gegenüber Investoren und Analysten durchblicken, dass die angestrebten 400 Millionen Dollar jährlich eher tief angesetzt seien. Dennoch kommen die Aktien der beiden Spezialitätenchemiehersteller nicht vom Fleck, was mich überrascht. Denn gerade was die strategische Neuausrichtung des gemeinsamen Unternehmens anbetrifft, kann Clariant auf die Pläne der letzten Jahre zurückgreifen. Diese haben sich nämlich durchaus bezahlt gemacht. Ich bleibe deshalb zuversichtlich, dass die Aktien früher oder später in die Kursregion von 25 bis 28 Franken vorstossen werden.

Basilea erreichte in den vergangenen Wochen gleich zwei Meilensteine. Zum einen erhält der kleine Pharmahersteller aus Basel von der amerikanischen Biomedical Advanced Research and Development Authority, kurz BARDA, umgerechnet rund 54 Millionen Franken zur Finanzierung des Entwicklungsprogramms zu Ceftobiprole. Schon seit Jahren versucht das Unternehmen dieses Antibiotikum auf den lukrativen amerikanischen Markt zu bringen. Zum anderen gab Basilea eine Vertriebsvereinbarung mit Pfizer für das Antimykotikum Cresemba bekannt. Pfizer ist nicht einfach irgend jemand, sondern die wohl am besten geölte Vertriebsmaschine unter den grossen Pharmakonzernen. Einen vielversprechenderen Partner hätten sich die Basler kaum wünschen können.

Bisherige Transaktionen:

Datum

Titel

 

Anzahl

Kurs

 

Total

30.12.2016

Dätwyler I

Kauf

73

137,60

CHF

10'044,80-

30.12.2016

Zurich N

Kauf

36

279,80

CHF

10'072,80-

30.12.2016

Syngenta N

Kauf

24

405,90

CHF

9'741,60-

30.12.2016

Nestlé N

Kauf

134

74,65

CHF

10'003,10-

30.12.2016

Ascom N

Kauf

626

15,95

CHF

9'984,70-

30.12.2016

Basilea N

Kauf

137

72,60

CHF

9'946,20-

30.12.2016

Novartis N

Kauf

135

74,15

CHF

10'010,25-

30.12.2016

ABB N

Kauf

465

21,50

CHF

9'997,50-

30.12.2016

Nestlé N

Kauf

137

73,15

CHF

10'021,55-

30.12.2016

OC Oerlikon N

Kauf

1'004

9,96

CHF

9'999,84-

06.01.2017

Ascom N

Verkauf

626

15,80

CHF

9'890,80+

06.01.2017

U-blox N

Kauf

52

190,00

CHF

9'890,80-

12.01.2017

U-blox N

Verkauf

52

174,10

CHF

9'053,20+

26.01.2017

Meyer Burger N

Kauf

12'600

0,79

CHF

9'954,00-

09.02.2017

Burckhardt N

Kauf

30

304,25

CHF

9'156,50-

28.02.2017

OC Oerlikon N

Verkauf

1'004

10,80

CHF

10'843,20+

11.04.2017

Puts ABBBJZ

Kauf

7'000

0,13

CHF

910,00-

20.04.2017

Puts ABBBJZ

Verkauf

7'000

0,11

CHF

770,00+

05.05.2017

Zurich N

Verkauf

36

277,00

CHF

9'972,00+

05.05.2017

Swiss Re N

Kauf

115

88,90

CHF

10'223,50-

18.05.2017

Syngenta N

Offerte

24

460,70

CHF

11'056,80+

02.06.2017

Clariant N

Kauf

477

20,95

CHF

10'022,15-

15.06.2017

Meyer Burger N

Verkauf

6'300

1,22

CHF

7'657,00+

 

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