Schweizer Aktienfavoriten - Ein starker Juli für den cash Insider

Nach seiner Rückkehr aus den Ferien zieht der cash Insider eine Zwischenbilanz bei seinen Schweizer Aktienfavoriten. Ausserdem verrät er, weshalb am Heimmarkt eine wegweisende Entscheidung naht.
02.08.2017 12:30
cash Insider
Ein starker Juli für den cash Insider
Bild: fotolia.com

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Schon seit Wochen liefern sich die Haussiers am Schweizer Aktienmarkt einen Schlagabtausch mit den Baissiers. Für Wasser auf die Mühlen Ersterer sorgt seit wenigen Tagen der schwache Franken. Denn alteingesessene Börsenfüchse wissen: Ein solcher lässt bei den exportabhängigen Grosskonzernen die Gewinne sprudeln.

So überrascht es nicht, dass der Swiss Performance Index (SPI) nahezu zur Bestmarke von Mitte Juni bei 10'388,72 Punkten aufgeschlossen hat. Dort wird sich entscheiden, ob das breit gefasste Börsenbarometer noch einmal kräftig steigt - oder aber wieder etwas zurückfällt.

Zuvor hatte sich der SPI nämlich schon Mitte Mai wenige Punkte darunter böse den Kopf gestossen. Je länger neue Rekordstände auf sich warten lassen, desto grösser ist die Gefahr eines erneuten Rücksetzers. Dass hierzulande eine wegweisende Entscheidung naht, deutet auch ein sich abzeichnendes "Triple Top" an. Diese mächtige Formation steht dem Lehrbuch zufolge meist am Ende einer langjährigen Aufwärtsbewegung. Ein Vorstoss auf über 10'400 Punkte in der Schlusslesung käme deshalb einem Befreiungsschlag gleich. In einem solchen Szenario werde ich die taktischen Barmittel tradinghalber auf die Aktien von Logitech, Credit Suisse und Clariant verteilt anlegen.

Nachdem die wichtigsten Vertreter aus dem 30 Unternehmen umfassenden Swiss Market Index (SMI) ihre Quartals- oder Quartalsergebnisse bereits veröffentlicht haben, ist der Schweizer Aktienmarkt dringender denn je auf neue Impulse angewiesen. Über die nächsten Wochen sind zwar noch einmal zahlreiche Zahlenkränze aus der zweiten und dritten Linie zu erwarten. Während grössere Kursausschläge bei den Aktien der jeweiligen Unternehmen wahrscheinlich sind, werden diese den breiten Markt dennoch kaum bewegen können.

Was neue Impulse anbetrifft, liesse sich für die Haussiers mit dem seit Jahresbeginn zum Franken um gut 5 Prozent festeren Euro argumentieren - wäre da nicht der in einem ähnlichen Ausmass schwächere Dollar. Für die hiesigen Grosskonzerne sind die beiden Währungen in etwa gleich wichtig.

Meine im Dezember kommunizierten Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2017 nahmen im Juli noch einmal Fahrt auf. Mit einem Plus von 16,76 Prozent liess sich der um 14,59 Prozent höhere SPI zum zweiten Mal in Folge schlagen.

Bilanz der letzten Jahre:

Jahr

Aktienfavoriten

SPI

2013

+40,1 Prozent

+23,9 Prozent

2014

+11,4 Prozent

+15,2 Prozent

2015

+ 4,1 Prozent

+ 2,4 Prozent

2016

- 3,7 Prozent

- 1,7 Prozent

2017*

+16,8 Prozent

+14,6 Prozent

* Schlusskurse vom 31. Juli 2017

Am kräftigsten legten in den letzten vier Wochen die Aktien von Meyer Burger zu. In der Spitze kletterten die Valoren des Solarzulieferunternehmens aus dem bernischen Gwatt bis auf 1,66 Franken, bevor Gewinnmitnahmen einsetzten. Ein bekannter und auf alternative Energiequellen spezialisierter Analyst hatte die zuvor von einem deutschen Börsenbrief kolportierten Spekulationen rund um eine Zusammenarbeit mit Tesla aufgegriffen (siehe Kolumne vom 24. Juli). Andere Branchenkenner halten eine solche Zusammenarbeit jedoch für unwahrscheinlich, will der amerikanische Elektroautomobilkonzern seinen Technologiepartner Panasonic nicht vergraulen.

Damit verlagert sich das Interesse bei Meyer Burger auf die Halbjahresergebnispräsentation von Mitte August. Angesichts der in der jüngeren Vergangenheit verkündeten Grossaufträge darf mit einem soliden Zahlenkranz gerechnet werden. Von Zukäufen rate ich nach dem starken Abschneiden dieser Aktien vorerst ab.

Um einiges nüchterner fällt die Geschäftsentwicklung bei Nestlé aus. Das organische Umsatzwachstum beschleunigte sich im zurückliegenden zweiten Quartal zwar etwas, allerdings bei weitem nicht wie von Analysten erhofft. Ausserdem fällt es dem traditionsreichen Nahrungsmittelhersteller zusehends schwer, bei den Abnehmern Preiserhöhungen durchzubringen (siehe Artikel vom 27. Juli).

Noch vor der Ergebnisveröffentlichung schien der oppositionelle Aktionär Third Point bei Nestlé mit einem Stimmenanteil von gerademal 1,3 Prozent auf ziemlich verlorenem Posten. Der enttäuschende Zahlenkranz könnte nun dazu führen, dass sich unzufriedene Grossinvestoren für die Anliegen des amerikanischen Hedgefonds erwärmen und sich hinter ihn stellen. Der Druck auf Konzernchef Mark Schneider steigt im Hinblick auf den diesjährigen Investorentag vom September jedenfalls. Jegliche Rücksetzer in die Kursregion von 80 Franken sind bei diesen Aktien Kaufgelegenheiten.

Aktuelle Positionen Aktienfavoriten:

Titel

Anzahl

Einstand

akt. Wert*

Erfolg

G/V

Barmittel

   

 20'910,56

   

ABB N

465

21,50

11'192,90

558,00

+ 5,58%

Clariant N

477

20,95

10'732,50

739,35

+ 7,40%

Nestlé N

137

73,15

11'192,90

1'171,35

+11,69%

Novartis N

135

74,15

11'124,00

1'113,75

+11,13%

Swiss Re N

115

88,90

10'723,75

500,25

+ 4,89%

Basilea N

137

72,60

11'788,85

1'842,65

+18,53%

Burckhardt N

30

304,25

8'617,50

-510,00

- 5,59%

Dätwyler I

73

137,60

11'541,30

1'496,60

+14,90%

Meyer Burger N

12'600

0,79

9'576,00

4'599,00

+92,41%

           

Total

   

116'762,86

 

+16,76%

* Schlusskurse vom 31. Juli 2017

Sehr zuversichtlich bleibe ich auch für die Valoren von Clariant. Wie auch immer der Machtkampf zwischen dem Spezialitätenchemiekonzern aus Basel und dem oppositionellen Finanzinvestor White Tale ausgehen wird - die übrigen Aktionäre können fast nur gewinnen. Denn sollte der Zusammenschluss mit der amerikanischen Huntsman zustandekommen, winken umfangreiche Synergien. Erst kürzlich liess Clariant durchblicken, dass über die als konservativ eingeschätzten Synergien von 400 Millionen Dollar jährlich ein organischer Wachstumsschub von 2 Prozentpunkten zu erwarten sei. Trennt sich das kombinierte Unternehmen von margenschwachen Geschäftsbereichen - wie das die Basler selber in den letzten Jahren vorgelebt haben - ist der Schaffung von Aktionärswerten kaum Grenzen gesetzt. Kann White Tale hingegen andere namhafte Anteilseigner für die eigene Sache gewinnen, muss eine attraktive Gegenofferte eines Drittunternehmens her.

Einen Rücksetzer hatten rund um die Quartalsergebnispräsentation die Aktien von ABB zu beklagen. Noch immer weiss die Geschäftsentwicklung nicht so richtig zu überzeugen und auch auf das vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump während des Wahlkampfes in Aussicht gestellte Infrastrukturprogramm – es wäre eine Riesenchance für den Industriekonzern aus Zürich – wartet man bis heute vergeblich. Ähnlich wie sein für Nestlé tätiger Leidensgenosse Mark Schneider muss sich auch Ulrich Spiesshofer von ABB die Frage gefallen lassen, ob die heutige Firmenstruktur überhaupt noch die richtige ist. Der Grossaktionär Cervian liess ja schon einmal durchblicken, dass die Summe der einzelnen Unternehmensteile nördlich von 35 Franken je Titel liegen könnte. Das letzte Wort ist diesbezüglich jedenfalls noch nicht gesprochen. In der Kursregion von 22 Franken werden die Aktien wieder interessant.

Bisherige Transaktionen:

Datum

Titel

 

Anzahl

Kurs

 

Total

30.12.2016

Dätwyler I

Kauf

73

137,60

CHF

10'044,80-

30.12.2016

Zurich N

Kauf

36

279,80

CHF

10'072,80-

30.12.2016

Syngenta N

Kauf

24

405,90

CHF

9'741,60-

30.12.2016

Nestlé N

Kauf

134

74,65

CHF

10'003,10-

30.12.2016

Ascom N

Kauf

626

15,95

CHF

9'984,70-

30.12.2016

Basilea N

Kauf

137

72,60

CHF

9'946,20-

30.12.2016

Novartis N

Kauf

135

74,15

CHF

10'010,25-

30.12.2016

ABB N

Kauf

465

21,50

CHF

9'997,50-

30.12.2016

Nestlé N

Kauf

137

73,15

CHF

10'021,55-

30.12.2016

OC Oerlikon N

Kauf

1'004

9,96

CHF

9'999,84-

06.01.2017

Ascom N

Verkauf

626

15,80

CHF

9'890,80+

06.01.2017

U-blox N

Kauf

52

190,00

CHF

9'890,80-

12.01.2017

U-blox N

Verkauf

52

174,10

CHF

9'053,20+

26.01.2017

Meyer Burger N

Kauf

12'600

0,79

CHF

9'954,00-

09.02.2017

Burckhardt N

Kauf

30

304,25

CHF

9'156,50-

28.02.2017

OC Oerlikon N

Verkauf

1'004

10,80

CHF

10'843,20+

11.04.2017

Puts ABBBJZ

Kauf

7'000

0,13

CHF

910,00-

20.04.2017

Puts ABBBJZ

Verkauf

7'000

0,11

CHF

770,00+

05.05.2017

Zurich N

Verkauf

36

277,00

CHF

9'972,00+

05.05.2017

Swiss Re N

Kauf

115

88,90

CHF

10'223,50-

18.05.2017

Syngenta N

Offerte

24

460,70

CHF

11'056,80+

02.06.2017

Clariant N

Kauf

477

20,95

CHF

10'022,15-

15.06.2017

Meyer Burger N

Verkauf

6'300

1,22

CHF

7'657,00+

 

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