Schweizer Aktienfavoriten - Was aus den heissen Aktien-Tipps für 2019 wurde

In den letzten 12 Monaten lagen Erfolg und Misserfolg bei den Schweizer Aktienfavoriten der Banken nahe beieinander. Der cash Insider mit den Einzelheiten und einer Schlussbilanz bei seinen Aktienfavoriten.
31.12.2019 12:30
cash Insider
Was aus den heissen Aktien-Tipps für 2019 wurde
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

+++

Ich möchte den Jahreswechsel nutzen, meinen treuen Leserinnen und Lesern herzlich zu danken. Sie sind der Hauptgrund, weshalb ich meine Kolumne auch nach fast 14 Jahren noch immer mit viel Freude und Herzblut schreibe. Grosser Dank gebührt auch der Chefredaktion und meinen Redaktionskollegen. Wir alle dürfen zurecht stolz sein.

Ich wünsche meinen Leserinnen und Lesern einen guten Rutsch in ein hoffentlich spannendes neues Börsenjahr und nebst guter Gesundheit, Erfolg und Wohlergehen stets das nötige Quentchen Glück bei den Börsentransaktionen.

Schon heute freue ich mich darauf, auch im neuen Jahr wieder mit spitzer Feder zu schreiben und immer mal wieder den einen oder anderen Missstand anzuprangern.

Herzlichst,

der cash Insider

+++

Der Swiss Market Index (SMI) konnte seit Januar um 26 Prozent zulegen. Die Dividendenabgänge vom Frühling mitaufgerechnet, liegt das Plus sogar bei mehr als 30 Prozent. Damit geht 2019 als das zweitbeste Börsenjahr der letzten zwei Jahrzehnte in die Geschichte ein. Nur im Jahr 2005 schnitt der Schweizer Aktienmarkt - am renommierten Börsenbarometer gemessen - noch besser ab.

Zum wiederholten Mal liess sich von den ersten Januar-Tagen auf das gesamte Börsenjahr schliessen, obwohl zu diesem Zeitpunkt vermutlich kaum jemand ahnte, wie gut das Börsenjahr wirklich wird.

Weder die gefühlt beinahe stündlich wechselnde Nachrichtenlage im Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China, noch das nicht enden wollende politische Seilziehen rund um den Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union brachten die Stimmung zum Kippen. Ganz im Gegenteil: Der schmerzhafte Rücksetzer vom vergangenen Dezember war nach gerade einmal sechs Wochen wieder aufgeholt. Seit Mitte April schreibt der SMI sogar wieder neue Rekorde.

Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob diese Rekordjagd überhaupt möglich gewesen wäre, hätte die amerikanische Notenbank unter ihrem Vorsitzenden Jerome «Jay» Powell nicht schon früh im Jahr eine spektakuläre geldpolitische Kehrtwende vollzogen. Nach mehreren Leitzinserhöhungen in Folge wurde die sogenannte Fed Fund Rate ab Ende Juli in drei Schritten von ursprünglich 2,5 auf 1,75 Prozent reduziert.

Und auch die beeindruckende Jahresendrally - der SMI legte alleine im Dezember um gut 5 Prozent zu - beruht auf geldpolitischen Impulsen. Seit November pumpt die Europäische Zentralbank (EZB) wieder Monat für Monat 20 Milliarden Euro über Wertpapierkäufe ins Finanzsystem. Doch auch die amerikanische Notenbank ist nicht untätig. Sie interveniert seit Wochen im heimischen Repo-Markt, nachdem es zuvor zu Verwerfungen gekommen war. Mittlerweile belaufen sich die Interventionen auf fast 500 Milliarden Dollar.

Dass dem beliebtesten börsengehandelten Fonds auf den S&P-500-Index alleine am Tag des letzten grossen Derivatverfalls in diesem Jahr unter dem Strich 11 Milliarden Dollar zuflossen, lässt tief blicken. Es liegt geradezu auf der Hand, was oder wer in New York die Aktienkurse treibt.

Doch ganz so einfach wie es den Anschein macht, waren die letzten 12 Monate aus Anlegersicht nicht. Wer nicht die richtigen Aktien im Depot hatte, hinkte dem Schweizer Aktienmarkt weit hinterher - oder verlor sogar Geld. Bis Ende August überstrahlten die Valoren des Nahrungsmittelmultis Nestlé alle anderen Blue Chips. In der Spitze errechnete sich ein Plus von über 40 Prozent. Zu diesem Zeitpunkt war das Schwergewicht für nicht weniger als zwei Drittel der Indexavancen seit Jahresbeginn verantwortlich - ziemlich beeindruckend.

Interessant ist, dass die Aktien zu Jahresbeginn gleich bei mehreren Banken ganz oben auf der Favoritenliste zu finden waren. Neben den amerikanischen Investmentbanken Morgan Stanley und Jefferies riet damals auch Vontobel zum Einstieg. Und selbst ich räumte den Papieren im Rahmen meiner Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2019 anfänglich eine Gewichtung von 20 Prozent ein.

Ab September hatten die Aktien von Nestlé dann allerdings einen eher schweren Stand. Anders als in den ersten acht Monaten erwiesen sie sich gar als Bremsklotz für den SMI.

Ebenfalls goldrichtig lagen diejenigen Banken, die auf das Schwergewicht Novartis setzten - etwa die Société Générale oder Kepler Cheuvreux. Rechnet man nun aber die im April im Zuge einer Sachdividende an die Aktionäre ausgeschütteten Aktien der ehemaligen Tochter Alcon auf, schnitten die Papieren des Basler Mutterhauses mit fast 39 Prozent deutlich besser als der breite Markt ab. Rückblickend setzten Vontobel und Jefferies mit den Genussscheinen von Roche aufs falsche Pferd.

Eine gute Nase bewies die amerikanische Investmentbank hingegen bei Panalpina. Das Jahr 2019 war erst wenige Wochen alt, da wurde der Luftfrachtspezialist aus Basel vom dänischen Rivalen DSV übernommen. Im Jahresvergleich haben sich die Aktien von Panalpina im Wert nahezu verdoppelt. Chapeau!

Vor Jahresfrist ebenfalls in der Favoritenrolle, wussten weder die Papiere von Sunrise Communications, noch jene von OC Oerlikon zu überzeugen. Während die Aktionäre des Industriekonzerns aus Zürich wenigstens in den Genuss einer Sonderdividende kamen, gingen bei der Nummer zwei im Mobilfunkmarkt Schweiz nach einem ziemlich bewegten Jahr rund 12 Prozent des Börsenwerts in Rauch auf.

Ebenfalls Geld verlor, wer dem Rat von Kepler Cheuvreux folgte und bei Vifor Pharma, Sonova, U-blox und Valora auf rückläufige Kurse wettete. Insbesondere die Papiere von Vifor Pharma sind mit einem beachtlichen Plus von fast 66 Prozent weit oben auf der diesjährigen Gewinnerliste zu finden. Doch auch jene des Hörgeräteherstellers Sonova legten kräftig zu.

Mit einer Gesamtperformance von 25,4 Prozent blieben meine Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2019 hinter dem um 30,6 Prozent höheren Swiss Performance Index (SPI) zurück. Schuld an dieser Differenz hat weniger meine Titelwahl, als vielmehr die über das ganze Jahr hinweg hohe taktische Liquidität. Die Aktien von Sika (+ 48 Prozent), Siegfried (+ 41 Prozent), LafargeHolcim (+ 34 Prozent) und Bâloise (+ 31 Prozent) liessen jedenfalls keine Anlegerwünsche offen. Selbst die erst im Jahresverlauf erworbenen Papiere von ABB (+18 Prozent) erwiesen sich letztendlich doch noch als Glücksgriff.

Bilanz der letzten Jahre

Jahr Aktienfavoriten SPI
2013 +40,1 Prozent +23,9 Prozent
2014 +11,4 Prozent +15,2 Prozent
2015 +4,1 Prozent +  2,4 Prozent
2016 -3,7 Prozent -   1,7 Prozent
2017 +23,6 Prozent +20,1 Prozent
2018 -19,1 Prozent -   8,8 Prozent
2019* +25,4 Prozent +30,6 Prozent

* Schlusskurse vom 30. Dezember 2019

Aktuelle Positionen Aktienfavoriten

Titel Anzahl Einstand akt. Wert* Erfolg G/V
Barmittel       30'935,96    
ABB N 500   19,73   11'685,00 + 1820,00  +18,45 Prozent
Bâloise N 75 134,00   13'125,00 + 3075,00 +30,60 Prozent
LafargeHolcim N 250 40,10   13'425,00 + 3400,00 +33,92 Prozent
Sika N 85 123,00   15'457,25 + 5002,25 +47,85 Prozent
Swatch Group I 37 266,70     9'990,00 +   122,10 +  1,24 Prozent
Georg Fischer N 17 790,00   16'711,00 + 2801,00 +20,14 Prozent
Siegfried N 30 332,00   14'070,00 + 4110,00 +41,27 Prozent
           
Total     125'399,21   +25,40 Prozent

* Schlusskurse vom 30. Dezember 2019

Die taktische Liquidität ausgeklammert, liessen sich mit meinen Aktienfavoriten unter dem Strich gut 35 Prozent verdienen. Die dividendenstarken Dogs of the SMI beendeten das Börsenjahr 2019 hingegen mit einem Plus von nur gut 27 Prozent - ausgebremst von den Valoren von UBS und Swisscom.

Ab Freitag beginnt das Spiel von vorn. Wer noch Ideen sucht, wird bei meinen Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2020 fündig. Wichtige Erkenntnisse für die nächstjährige Aktienmarktentwicklung erhoffe ich mir von den ersten Januar-Tagen.

 

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.
 

Ausgewählte Produkte auf SMI

Symbol Typ Coupon PDF
MDDNJB Callable Multi Barrier Reverse Convertible 9.00% PDF
MCEAJB Multi Barrier Reverse Convertible 8.10% PDF
MBTFJB Callable Multi Barrier Reverse Convertible 8.00% PDF

Investment-Ideen von Julius Bär