Schweizer Aktienmarkt - Analysten mischen die Karten neu

Der cash Insider berichtet von Umstufungen für die Aktien von Julius Bär, Adecco, Barry Callebaut und Novartis und er versucht daraus Rückschlüsse für den Schweizer Aktienmarkt zu ziehen.
29.04.2019 12:30
cash Insider
Analysten mischen die Karten neu
Bild: fotolia.com

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Der Schweizer Aktienmarkt ist nicht zu bremsen. Es vergeht kaum ein Tag, ohne dass der breit gefasste Swiss Performance Index (SPI) nicht neue Rekorde schreiben würde. Und wie das halt so ist, kehrt mit steigenden Kursen auch der Risikoappetit zurück.

Waren bis vor wenigen Wochen die drei Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis die treibende Kraft hinter den Index-Avancen, treten nun vermehrt andere Aktien an ihre Stelle. Selbst die Papiere der beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse sind plötzlich wieder "en vogue". Vergessen sind die Jahre der konsequenten Aktionärswertvernichtung.

Doch nicht nur die angelsächsischen Grossinvestoren oder die Aktienstrategen führender Investmentbanken haben damit begonnen, die Karten neu zu mischen - wie die Herunterstufung des europäischen Pharmasektors von "Overweight" auf "Benchmark" durch die Strategen der Credit Suisse vom Freitag eindrücklich zeigt. Auch immer mehr Analysten verfallen hierzulande in blinden Aktionismus. Zumindest in einem Punkt ist man sich einig: Bloss weg mit allem "Langweiligen" und "Trägen".

So überrascht es nicht, dass gleich zwei Heraufstufungen für die Aktien von Adecco eingehen. In Erwartung einer Belebung in der zweiten Jahreshälfte empfiehlt Analyst Alain-Sebastian Oberhuber von der MainFirst Bank die Papiere des Stellenvermittlers neuerdings mit "Outperform" zum Kauf. Und obwohl er seine diesjährigen Gewinnschätzungen leicht reduziert und jene für das kommende Jahr nur um etwas mehr als 1 Prozent erhöht, passt Oberhuber das Kursziel auf satte 75 (zuvor 48) Franken an.

Die Aktien von Adecco konnten im laufenden Jahr bereits kräftig zulegen. (Quelle: cash.ch)

Sein Berufskollege Matthias Desmarais bei der französischen Investmentbank Oddo stuft die Aktien hingegen von "Reduce" auf "Neutral" herauf und veranschlagt neuerdings ein Kursziel von 59 (zuvor 47) Franken.

Im Wissen, dass die Papiere von Adecco unter Berücksichtigung der Dividende fast 33 Prozent mehr kosten als noch zu Jahresbeginn, sehe ich bei beiden Analysten Erklärungsbedarf. Bei Desmarais weil er trotz steigender Kurse zu lange an seiner Verkaufsempfehlung festhielt und bei Oberhuber weil er sich erst jetzt zu einer Kaufempfehlung durchringen kann.

Um einiges konsequenter kommt die Herunterstufung der Citigroup für die Aktien von Julius Bär. Analyst Andrew Coombs empfiehlt den diesjährigen Gewinner aus dem Swiss Market Index (SMI) nicht länger zum Kauf, sondern stuft ihn nur noch mit "Neutral" ein - nachdem nun selbst das auf 53,50 (zuvor 50,50) Franken erhöhte Kursziel erreicht worden ist.

Coombs sorgte hierzulande vor etwas weniger als zwei Wochen für Gesprächsstoff, als er eine fünf Namen starke "Einkaufsliste" für Schweizer Bankaktien vorlegte. Nachdem Julius Bär ganz offensichtlich wegfällt, bleiben noch Credit Suisse, EFG International, Vontobel und UBS. Mir fällt es weiterhin schwer, seine Zuversicht zu teilen.

Anders als Coombs traut Christian Koch von der DZ Bank den Valoren der UBS keine steigenden Kurse mehr zu. Nach dem Anstieg im letzten Monat sehe er das weitere Potenzial der Aktien als begrenzt an, so schreibt er und verweist auf den rechnerischen fairen Wert von 14,30 Franken. Gleichzeitig warnt Koch vor erheblichen Risiken im Zusammenhang mit dem andauernden Gerichtsprozess in Frankreich. Und um Worten auch Taten folgen zu lassen, stuft er die Papiere der grössten Schweizer Bank von "Buy" auf "Hold" herunter.

An den Aktien der UBS scheiden sich die Analysten-Geister. (Quelle: cash.ch)

Dem widerspricht Analyst Peter Berger von der Basler Kantonalbank vehement und empfiehlt die Aktien der UBS neuerdings mit "Übergewichten" und einem Kursziel von 16 Franken zum Kauf. Er sieht zukünftig vor allem vom Kerngeschäft Kursimpulse ausgehen, sofern eine Rezession ausbleibt. Selbst die Rechtsrisiken scheinen Berger nicht abzuschrecken.

Nicht so richtig zu den Branchenrotationen weg von den europäischen Pharmawerten passen will die Heraufstufung des Indexschwergewichts Novartis von "Hold" auf "Buy" durch Analyst Graham Doyle von der britischen Liberum passen. Margenhoffnungen lassen Doyle das Kursziel trotz Abspaltung von Alcon auf 91 (zuvor 88) Franken erhöhen.

Dasselbe gilt für die Heraufstufung der Papiere von Barry Callebaut von "Equal-weight" auf "Overweight" mit einem Kursziel von 2100 (zuvor 1830) Franken durch Analyst Arthur Reeves von Barclays - wobei die besagten Branchenrotationen die Nahrungsmittelaktien noch immer nicht erreicht hat.

Mit Ausnahme dieser beiden letzteren Kaufempfehlungen ist aber ein klarer Trend ersichtlich: Es sind die konjunkturabhängigen Titel, die vermehrt wieder in der Gunst der Aktienanalysten stehen. Pourvu que ça dure...
 

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