Schweizer Aktienmarkt - Börsenwoche im Schnelldurchlauf: Der SMI und die Amazon-Aktie

Der cash Insider kommentiert die wichtigsten Börsenereignisse. Diese Woche unter anderem: Der SMI und die Amazon-Aktie, Analysten streiten sich um UBS und Credit Suisse und der grosse Bluff bei AMS.
17.04.2020 12:30
cash Insider
Börsenwoche im Schnelldurchlauf: Der SMI und die Amazon-Aktie
Bild: fotolia.com

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Seit Wochen lebt der Schweizer Aktienmarkt von der Hoffnung. Von der Hoffnung auf eine Eindämmung der Coronavirus-Pandemie, der Hoffnung in vielversprechende Medikamente wie Remdesivir, vor allem aber von Hoffnung auf ein schrittweises Hochfahren der Wirtschaft.

Selbst der amerikanische Präsident Donald Trump legte Donnerstagnacht unserer Zeit einen dreistufigen Plan vor, wie er die heimische Wirtschaft wieder öffnen will. Der öffentliche Druck auf die Politik ist immens, was zu voreiligen Entscheidungen verleitet. Denn noch immer treffen aus den Vereinigten Staaten Nachrichten rund um die Virus-Pandemie ein, die nachdenklich stimmen. Eine vorschnelle Öffnung der amerikanischen Wirtschaft könnte sich als Bumerang erweisen. Wenn uns da an den Aktienmärkten mal bloss keine kalte Dusche erwartet...

Immerhin sieht alles nach einem versöhnlichen Wochenaustakt aus. Der Swiss Market Index (SMI) notiert etwas mehr als ein Prozent über dem Schlussstand vom letzten Donnerstag.

Apropos SMI: Wie Mensur Pocinci von Julius Bär schreibt, ist der Onlinehändler Amazon an der Börse erstmals mehr wert als die 20 SMI-Unternehmen. Seit 2002 habe die besagte Aktie Jahr für Jahr um 37 Prozent besser als das Börsenbarometer abgeschnitten, so der bekannte Markttechnikexperte. Ob Pocinci für diesen Vergleich den um die Dividendenzahlungen bereinigten SMIC hinzugezogen hat, ist mir nicht bekannt.

In den letzten Tagen entbrannte in Analystenkreisen ein regelrechter Streit um die Aktien von UBS und Credit Suisse. Während der für die britische Barclays tätige Amit Goel bei der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken vor materiellen Rückstellungen im Kreditgeschäft warnt und die Papiere von "Equal-weight" auf "Underweight" herunterstuft, bekräftigt sein Berufskollege Andrew Lim von Société Générale seine Kaufempfehlung. Anders als Goel rechnet er im Kreditgeschäft nur mit einem geringen Rückstellungsbedarf und wähnt die Credit Suisse bei den europäischen Investmentbanken gar in der Favoritenrolle. Diese unterschiedlichen Erwartungen spiegeln sich auch in den Kurszielen der beiden Analysten wieder. Bei Société Générale lautet das Kursziel 13 (zuvor 16) Franken, bei Barclays hingegen gerade einmal 8 (zuvor 13) Franken.

Uneinig ist man sich auch bei den Papieren der UBS. Sie werden bei Société Générale neuerdings mit einem 12-Monats-Kursziel von 12,50 (zuvor 10,50) Franken zum Kauf und nicht mehr länger zum Verkauf empfohlen. Das sieht man bei Barclays anders und hält mit einem Kursziel von 9 (zuvor 10) Franken an der "Underweight" lautenden Verkaufsempfehlung fest.

Seit zwei Wochen gleicht die Kursentwicklung der Aktien von UBS (rot) und Credit Suisse (grün) einer Achterbahnfahrt (Quelle: www.cash.ch)

Und als ob dieser Streit unter Berufskollegen nicht schon verwirrend genug wäre, meldet sich nun auch noch Analyst Jean Sassus zu Wort. Der Autor einer Branchenstudie der französischen Investmentbank Oddo stuft sowohl die Valoren der UBS als auch jene der Credit Suisse von "Neutral" auf "Reduce" herunter – wobei es sich nicht um Verkaufsempfehlungen im eigentlichen Sinne handelt. Stattdessen traut Sassus anderen europäischen Bankaktien eine kräftigere Kurserholung zu.

Zumindest in einem Punkt sind sich die drei Analysten jedoch einig: Sie alle haben bei ihren Gewinnschätzungen den dicken Rotstift angesetzt.

Neuigkeiten gab es diese Woche bei Stadler Rail. Rechtzeitig zum Jahrestag des Börsengangs löste sich die Aktionärsgruppe um den Firmenpatron Peter Spuhler auf - wie sich das nach Ablauf der Verkaufssperrfrist eben gehört. Spuhler selber bleibt mit knapp 40 Prozent der Stimmen grösster Einzelaktionär des Zugbauers, gefolgt von der RAG Stiftung mit 10 Prozent. Auf den Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung entfallen Schätzungen zufolge knapp 7 Prozent, auf die Kadermitarbeiter gut 3 Prozent.

Ich wäre nicht überrascht, würde der eine oder andere Aktionär der Versuchung erliegen, sich von Aktien zu trennen. Verübeln könnte man es ihnen jedenfalls nicht. Denn während die meisten Börsengänge der letzten zwei Jahre einem Desaster nahekommen, notieren die Papiere von Stadler Rail noch immer deutlich über dem seinerzeitigen Zuteilungskurs von 38 Franken.

Gewohnt hektisch ging es diese Woche bei AMS zu und her - und das nicht nur, weil das Aktionariat des Sensorenherstellers aus Unterpremstätten seit der milliardenschweren Kapitalerhöhung kaum noch zur Ruhe kommen will.

Vor wenigen Tagen sicherte sich AMS-Chef Alexander Everke für viel Geld ein weiteres 5-Prozent-Paket an Osram Licht. Mit knapp 41 Euro je Aktie bezahlte er dem Hedgefonds Sand Grove einen satten Aufschlag. Zum Vergleich: Die Papiere kosteten zuletzt um die 37 Euro.

Die Aktien von AMS haben wieder etwas Auftrieb (Quelle: www.cash.ch)

Ansonsten überschatteten die üblichen Spekulationen rund um die iPhone-Nachfrage das Handelsgeschehen. Apple gilt als Grossabnehmer von AMS. Zuerst hiess es, das amerikanische Kultunternehmen habe seine asiatischen Zulieferer aufgrund mangelnder Nachfrage zu einer Produktionsdrosselung angehalten. Dass die Amerikaner kurz danach die Markteinführung eines im Tiefpreissegment angesiedelten iPhones ankündigte, will da nicht so richtig ins Bild passen.

Eines geschickten Bluffs bedienten sich UBS und die britische HSBC. In bester Poker-Manier meldeten die beiden "Aktionäre wider Willen" der Schweizer Börse SIX die Bildung einer Aktionärsgruppe. Das erweckte den Anschein, als ob man sich auf eine längerfristige Rolle im Aktionariat einstellen würde.

Mittlerweile steht nun aber fest, dass sich die beiden Grossbanken in den letzten Tagen nahezu vollständig von ihrem 15-Prozent-Paket getrennt haben. Ziemlich clever...

Kommende Woche warten mit Roche und Nestlé gleich zwei Schwergewichte aus dem SMI mit den Quartalsumsatzzahlen auf. Dann zeigt sich nicht nur, wie sich die Unternehmen geschlagen haben - nein auch, ob die diesjährigen Zielvorgaben noch ihre Gültigkeit haben. Damit liesse sich zumindest im Ansatz abschätzen, wie teuer Schweizer Aktien eigentlich sind - tragen die beiden Schwergewichte beim vielbeachteten Börsenbarometer doch fast 40 Prozent zur Gesamtkapitalisierung bei.

Mehr wissen wir in einer Woche, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.

 

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Aktuell+/-%
SMI10'125.84-0.61%
Amazon.Com Rg2'890.30+0.40%
SMI mit Div.-Korr22'110.43-0.61%
UBS Group N11.040-0.45%
CS Group N9.852-0.44%
Stadler Rail N38.16+0.37%
OSRAM Licht N42.200.00%
ams I14.765+3.07%
Apple Rg364.110.00%
Roche Hldg G328.80-1.23%
Nestle N105.12-0.61%