Schweizer Aktienmarkt - Börsenwoche im Schnelldurchlauf: Ruhe vor dem (Zahlen-)Sturm

Der cash Insider kommentiert die wichtigsten Börsenereignisse. Diese Woche unter anderem: Nestlé und die Hamsterkäufe, Grossinvestoren auf dem Rückzug, und der Schweizer Börse steht eine ziemlich bewegte Woche bevor.
24.04.2020 12:30
cash Insider
Börsenwoche im Schnelldurchlauf: Ruhe vor dem (Zahlen-)Sturm

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+++Zwei Schritte vor und ein Schritt wieder zurück. So in etwa liesse sich das Handelsgeschehen der letzten Tage umschreiben. Doch auch sonst hat es das Handelsgeschehen in sich.

Denn noch immer ziehen angloamerikanische Grossinvestoren still und leise Gelder aus hiesigen Qualitätsaktien wie jenen von Nestlé, Lonza oder Givaudan ab. Ein Teil dieser Gelder bleibt hier in der Schweiz und sucht sich eine neue Spielwiese. Ein nicht unbeträchtlicher Teil fliesst allerdings an die Handelsplätze der umliegenden europäischen Nachbarländer.

Mit Roche und Nestlé scheint der "Mist" bei zwei der drei Schwergewichte aus dem Swiss Market Index (SMI) denn auch gekarrt. Seit dem frühen Mittwochmorgen ist bekannt, dass Roche auf ein starkes erstes Quartal zurückblickt. Nicht mehr länger nur in Europa, auch in Nordamerika nagen günstigere Nachahmerpräparate zusehends an den Umsätzen der "grossen Drei" Rituxan, Avastin und Herceptin. Bisweilen kann der Pharma- und Diagnostikkonzern aus Basel diese Umsatzverluste allerdings ohne weiteres auffangen – den Erfolgen bei jungen Medikamenten wie Ocrevus, Hemlibra oder Tecentriq sei Dank.

Firmenchef Severin Schwan muss nun schauen, dass die Erwartungen der Aktionäre nicht ins Unermessliche steigen. Wenn sich einige Analysten in Zeiten von Coronavirus und so doch tatsächlich lauthals darüber beschweren, dass die diesjährigen Zielvorgaben nicht erhöht werden, ist Vorsicht angebracht. Schwan wäre nicht der erste Firmenchef, der über zu sehr aufgebauschte Erwartungen strauchelt. Denn letztendlich entscheidet an der Börse immer noch die Erwartungshaltung über Erfolg oder Misserfolg.

Ein ähnliches (Luxus-)Problem hat Nestlé-Chef Mark Schneider. Der Nahrungsmittelkonzern aus Vevey übertrifft die Wachstumserwartungen der Analysten im ersten Quartal um Längen. Das ist zwar erfreulich, lässt sich im weiteren Jahresverlauf vermutlich jedoch nicht mehr wiederholen - zumal die ersten drei Monate von aggressiven Hamsterkäufen und Lageraufstockungen im Detailhandel geprägt waren. Gerade letzteres könnte sich im weiteren Jahresverlauf gegebenenfalls sogar rächen.

Die Nestlé-Zahlen kommen an der Börse gut an; doch lässt sich das erste Quartal wiederholen? (Quelle: www.cash.ch)

Auch der neue Credit-Suisse-Chef Thomas Gottstein kann es der Börse nicht recht machen. Das hat sich der Nachfolger von Tidjane Thiam bis zu einem gewissen Grad selber zuzuschreiben. Denn ursprünglich sollte Gottstein bei seiner Arbeitgeberin eigentlich für eine Rückbesinnung auf altbewährte Schweizer Werte wie etwa Bescheidenheit einstehen.

Der Wortlaut der Medienmitteilung ("bestes Quartal seit fünf Jahren", Gewinnanstieg um 75 Prozent im Vorjahresvergleich) legt die Vermutung nahe, dass diesbezüglich noch viel Arbeit auf den neuen starken Mann bei der Credit Suisse wartet - zumal das frenetisch gefeierte Gewinnplus nach Ausklammerung nicht wiederkehrender Veräusserungsgewinne und Steuergutschriften regelrecht in sich zusammenfällt.

Doch begnügen wir uns nicht länger mit einem Blick in den Rückspiegel, sondern beschäftigen uns mit der geballten Zahlenladung von nächster Woche.

Am kommenden Dienstag legen mit Novartis, ABB und UBS gleich drei Grossunternehmen aus dem SMI ihre Zahlenkränze vor. Tags darauf wartet dann auch das Sorgenkind AMS mit dem Ergebnis auf. Fast noch wichtiger als die Umsatz- und Gewinnentwicklung sind beim Sensorenhersteller die zukunftsgerichteten Aussagen. Ich gehe diesbezüglich lieber auf Nummer sicher und sichere diese Titelpositionen bei meinen Schweizer Aktienfavoriten für 2020 mit dem Put-Warrant AMSBBZ (Valorennummer 50698383, Kurs indikativ 0,065 Franken) ab.

Die Aktien von AMS lösen sich langsam aber sicher von ihren Tiefstkursen (Quelle: www.cash.ch)

So richtig zur Sache geht es dann aber erst am Donnerstag. Aus dem SMI melden sich an diesem Tag Swiss Re, Geberit, Swisscom sowie LafargeHolcim zu Wort. Und als ob das alleine nicht schon genug wäre, sind auch noch von Straumann und Clariant erste Zahlen zu erwarten.

Mit anderen Worten: Uns steht eine ziemlich verrückte Woche bevor. Geniessen wir also die Ruhe vor dem (Zahlen-)Sturm.

Das Zeug, den Gesamtmarkt zu bewegen, haben eigentlich nur die Zahlen von Novartis. In den vergangenen zwei Jahren wusste der Gesundheitskonzern aus Basel stets zu überzeugen. Auch am kommenden Dienstag rechne ich nicht mit unliebsamen Überraschungen. Der Zahlenkranz dürfte solide ausfallen und auch die Jahresvorgaben dürften bestätigt werden.

Neugierig bin ich aber vor allem, was für Zahlen die UBS gleichentags vorlegen wird. Kürzlich liess die grösste Schweizer Bank ja durchblicken, dass mit einem Quartalsgewinn in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar zu rechnen sei. Welcher Geschäftszweig wie viel dazu beigetragen hat, ist bis heute nicht bekannt. Es wäre nicht das erste Mal, dass die UBS die Analystenschätzungen zwar übertrifft, ihr dann aber die Ergebnisqualität angekreidet wird.

Für Bewegung in den Aktien der betroffenen Unternehmen ist kommende Woche jedenfalls gesorgt. Hinzu kommen zahlreiche Dividendenabgänge, unter anderem bei Lonza, Swiss Life oder Bâloise.

Mehr dazu nächste Woche schon am Donnerstag, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.

 

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Aktuell+/-%
Nestle N105.12-0.61%
Lonza Grp N512.60+1.06%
Givaudan N3'503.00-0.85%
Roche Hldg G328.80-1.23%
SMI10'125.84-0.61%
CS Group N9.852-0.44%
Novartis N82.38-0.79%
ABB N22.27-0.13%
UBS Group N11.040-0.45%
ams I14.765+3.07%
LafargeHolcim N42.56-0.12%
Swiss Re N74.40-0.40%
Clariant N20.16+0.15%
Straumann Hldg N846.20-0.54%
Geberit N480.30-0.97%
Swisscom N493.30-0.58%
Baloise Hldg N141.60-0.63%
Swiss Life Hldg N353.000.00%