Schweizer Aktienmarkt - Bröckelt die Dominanz von Goldman Sachs und Co.?

Der cash Insider zeigt anhand von Kaufempfehlungen für Nestlé, Vifor Pharma und Barry Callebaut, dass amerikanische Investmentbanken am Schweizer Aktienmarkt von ihrer Macht eingebüsst haben.
08.04.2019 12:30
cash Insider
Bröckelt die Dominanz von Goldman Sachs und Co.?
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

+++

Der Schweizer Aktienmarkt ist fest in angelsächsischer Hand. Amerikanische Stimmrechtsvertreter wie ISS oder Glass Lewis sagen uns, wie wir abzustimmen haben und mächtige Vermögensverwalter wie Fidelity oder BlackRock entscheiden mit ihren Abermilliarden von Dollar darüber, wohin sich hierzulande die Kurse bewegen.

Mittendrin befinden sich die amerikanischen Investmentbanken wie etwa Goldman Sachs. Auch sie wollen ein Stück vom Kuchen abhaben. Und auch sie bewegen die Aktienkurse. In den letzten Jahren spielten sie die hiesigen Lokalgrössen - wir sprechen hier sogar von milliardenschweren Pensionskassen und Versicherungen - regelmässig an die Wand.

Doch das Blatt scheint sich zu wenden, ihre geballte Marktmacht zu bröckeln. Das bekam am Freitag auch Merrill Lynch zu spüren. In einer Unternehmensstudie nahm die amerikanische Investmentbank die Wiederabdeckung der Aktien von Nestlé mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 111 Franken auf. Das höchste Kursziel für die Papiere des Nahrungsmittelherstellers aus Vevey hatte zuvor die UBS mit 106 Franken ausstehend.

Obwohl die beiden Autoren in der besagten Studie mit beliebten Schlagwörtern wie Digitalisierung (Zitat: "Nestlé wird das digitale Rennen für sich entscheiden") oder Portfoliooptimierung (Zitat: "Bereits 57 Prozent des Umsatzes stammen aus rasant wachsenden Geschäftsbereichen, Tendenz steigend") jonglierten, war es ihnen am Freitag nicht möglich, genügend Käufer zu mobilisieren. Das Schwergewicht schrammte knapp an neuen Kursrekorden vorbei, das erhoffte Kursfeuerwerk blieb aus – und mit ihm leider auch die erhofften Impulse für den Swiss Market Index (SMI).

Wie ein Blick auf den 12-Monats-Kursverlauf verrät, sind die Nestlé-Aktien bereits gut gelaufen (Quelle: www.cash.ch)

Ähnlich wie Merrill Lynch erging es Goldman Sachs. Als die vermutlich mächtigste Investmentbank der Welt am vergangenen Dienstag die Erstabdeckung der Aktien von Vifor Pharma mit "Buy" und einem 12-Monats-Kursziel von 150 Franken aufnahm, wurden im frühen Handel zwar um 3 Prozent höhere Kurse bezahlt. Bei Börsenschluss resultierte dann aber bloss noch ein Plus von rund einem Prozent.

Selbst mit der Aussage, dass der Pharmahersteller aus Bern gegebenenfalls für 180 Franken je Aktie von einem grösseren Rivalen übernommen werden könnte, lockte die für Goldman Sachs tätige Pharmaanalystin Diana Na nur ein paar wenige Käufer hinter dem Ofen hervor.

Das Kursfeuerwerk bei den Aktien von Vifor Pharma hielt nicht lange (Quelle: www.cash.ch)

Schon Ende März lief eine Kaufempfehlung ihres Arbeitskollegen John Ennis ein bisschen ins Leere. Der Nahrungsmittelanalyst stufte die Papiere von Barry Callebaut mit einem neu 2100 (zuvor 1550) Franken lautenden Kursziel von "Neutral" auf "Buy" herauf, nachdem er sie nur wenige Wochen zuvor noch mit einem Kursziel von 1500 Franken zum Verkauf empfohlen hatte. Die Euphorie rund um die Kaufempfehlung war allerdings schnell verflogen. Es schien gar, als hätten einige Marktakteure die Kaufempfehlung aus dem Hause Goldman Sachs gar zum Anlass genommen, um sich von den Aktien des Schokoladeproduzenten zu trennen.

Eine mächtige Bank als Arbeitgeber, eine aggressive Kaufempfehlung und ein überschwenglich hohes Kursziel reichen nicht mehr aus, damit die Anleger der Empfehlung Folge leisten. Die Anhaltspunkte häufen sich, dass die Anleger solcher Kaufempfehlungen langsam aber sicher überdrüssig sind.

Mit den Aktien von Nestlé, Vifor Pharma und Barry Callebaut wurden in den vorliegenden Fällen ausschliesslich Aktien von Unternehmen empfohlen, bei welchen das Tagesgeschäft weitestgehend von der konjunkturellen Entwicklung unabhängig gilt. Genau aus diesem Titelsegment zogen mächtige ausländische Grossinvestoren in den letzten Tagen Gelder ab.

Wenn ich es nicht besser wüsste, so würde mich der Verdacht beschleichen, dass einige amerikanische Banken diesen Grossinvestoren in voller Absicht in die Hand spielen.

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.

Ausgewählte Produkte auf SMI

Symbol Typ Coupon PDF
MCEQJB Callable Multi Barrier Reverse Convertible 9.00% PDF
MCFXJB Callable Multi Barrier Reverse Convertible 8.40% PDF
MCEDJB Callable Multi Barrier Reverse Convertible 8.30% PDF

Investment-Ideen von Julius Bär