Schweizer Aktienmarkt - Der Appetit auf Nebenwerte kehrt zurück

Mit steigenden Kursen kehrt bei den Banken auch der Appetit auf kleinere und mittelgrosse Aktien aus der Schweiz zurück. Der cash Insider nimmt dies allerdings zum Anlass, um erste Gewinne zu realisieren.
28.01.2019 12:30
cash Insider
Der Appetit auf Nebenwerte kehrt zurück
Bild: fotolia.com

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Als ich das Segment der Schweizer Nebenwerte vor weniger als einem Jahr als überhitzt bezeichnete und vor einem empfindlichen Rücksetzer warnte, brachte mir das vor allem eines: Spott und Häme ein. Warum auch nicht - schien der Höhenflug dieses Titelsegment doch nicht enden zu wollen.

Allerdings gab es damals erste Vorboten für ein bevorstehendes Debakel. Das gilt vor allem für den schleichenden Kurszerfall bei Aktien angeschlagener Unternehmen wie etwa Meyer Burger oder GAM, während beliebte Wachstumsaktien wie die des Dentalimplantateherstellers Straumann, der beiden Pharmazulieferer Siegfried und Lonza oder die der Bankensoftwareschmiede Temenos ihre Rekordjagd ungebremst fortsetzten.

Als ab Ende September dann auch diese Papiere unter die Räder gerieten, trennten jene von Meyer Burger, GAM und Co. zeitweise fast 80 Prozent von den Jahreshöchstständen.

In den letzten Wochen konnten die meisten Schweizer Nebenwerte wieder Boden gutmachen. Das gilt insbesondere für die Mitte Dezember kommunizierten Turnaround-Kandidaten Aryzta, GAM, Meyer Burger, AMS, U-blox, Autoneum und Kudelski. Wer damals allen Mut zusammennahm und einstieg, wurde fürstlich entlohnt. Mittlerweile errechnet sich über die sieben Aktien hinweg ein durchschnittliches Plus von gut 17 Prozent (Stand Montag, 11.30 Uhr).

Für die Aktien von GAM (rot), Meyer Burger (grün) und AMS (gelb) ging es in den letzten drei Wochen kräftig nach oben (Quelle: www.cash.ch)

Ich nehme die starke Kursentwicklung beim Vermögensverwalter GAM (+34,1 Prozent) und beim Sensorenhersteller AMS (+23,9 Prozent) zum Anlass, um die aufgelaufenen Gewinne mitzunehmen. Dasselbe gilt für meine Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2019. Bei letzteren weist die AMS-Position gar ein Plus von fast 40 Prozent auf. Ich rechne beim Sensorenhersteller mit möglicherweise enttäuschenden Zielvorgaben für das laufende Quartal. Sollte es am Tag der Ergebnisveröffentlichung zu Kursverwerfungen kommen, prüfe ich allerdings einen Wiedereinstieg.

Mit steigenden Kursen scheint übrigens auch bei den Banken der Appetit auf Nebenwerte zurückzukehren - wobei die genannten Nebenwerte um einiges mehr kosten als noch Mitte Dezember.

Bei der Berenberg Bank setzt man beispielsweise auf die mit "Buy" und einem Kursziel von 5000 Franken empfohlenen Aktien von Belimo. Das Unternehmen sei weltweit führend und in strukturell wachsenden Märkten tätig. Selbst in einem schwierigen Wirtschaftsumfeld zeige sich das Tagesgeschäft des Unternehmens widerstandsfähig, so die Strategen.

Als Bauzulieferer hatte Belimo zuletzt eher einen schweren Stand, häufen sich doch die Anhaltspunkte für eine Abschwächung der Bautätigkeit.

Die Deutsche Bank setzt hingegen auf die Papiere von OC Oerlikon und SIG Combibloc. Beide werden mit Kurszielen von 15 respektive 14 Franken zum Kauf empfohlen. Bei OC Oerlikon wird mit den weit fortgeschrittenen Veränderungen im Firmenportfolio und bei SIG Combibloc sowohl mit den sehr widerstandsfähigen Wachstumsaussichten als auch mit den überdurchschnittlich hohen Margen argumentiert.

Enttäuschende Kursentwicklung der Aktien von SIG Combibloc seit dem Börsengang von Ende September (Quelle: www.cash.ch)

Rückblickend bleibt die Rückkehr des Verpackungsspezialisten SIG Combibloc an die Schweizer Börse SIX den Erwartungen einiges schuldig. Ende September zu 11,25 Franken bei Anlegern platziert, waren die Aktien zeitweise sogar für weniger als 10 Franken zu haben. Erst vor wenigen Tagen nahm die Deutsche Bank die Mitverfolgung der Papiere mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 14 Franken auf.

Was die Nebenwertefavoriten von Morgan Stanley anbetrifft, so sucht man hingegen vergebens nach Aktien aus der Schweiz. Die amerikanische Investmentbank räumt zwar ein, dass dieses Titelsegment hierzulande so stark überverkauft wie lange nicht mehr sei. Allerdings hält sie ein Gros dieser Aktien noch immer für ziemlich überteuert. Aus diesem Grund machen die Strategen einen grossen Bogen um die Aktien mittelgrosser Schweizer Unternehmen.

Dass Morgen Stanley die Aktien aller mittelgrosser Schweizer Unternehmen in denselben Topf wirft, überrascht mich schon sehr. Denn nach der einschneidenden Bewertungskorrektur der letzten Monate eröffnet sich Anlegern in diesem Titelsegment durchaus die eine oder andere Kaufgelegenheit. Oder anders gesagt: Wer bis im Frühsommer letzten Jahres "heiss" auf Nebenwerte war, müsste jetzt eigentlich erst recht selektiv zugreifen.

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