Schweizer Aktienmarkt - Die Schnäppchenjäger sind zurück

Schnäppchenjäger nutzen die jüngste Börsenschwäche, um sich bei Aktien wie Flughafen Zürich, AMS oder Mobilezone zu positionieren - Und: UBS lässt sich bei Polyphor ziemlich viel Zeit.
14.05.2019 12:30
cash Insider
Die Schnäppchenjäger sind zurück
Bild: fotolia.com

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Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Doch ganz so einfach ist das nicht, wenn es sich bei den beiden Streithähnen um zwei Wirtschaftssupermächte handelt. Im Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China gibt es keine Gewinner, nur Verlierer.

Allerdings gibt es auch am Schweizer Aktienmarkt ein paar Aktienanalysten, die sich die jüngsten Kursverluste zunutze machen wollen. Gerade bei Schnäppchenjägern stossen sie dabei auf offene Ohren. Viele sehen sich jetzt schon als Gewinner, sollten sich die Vereinigten Staaten und China doch noch einig werden.

Die mächtige amerikanische Investmentbank Goldman Sachs beispielsweise setzt neuerdings auf die Aktien des Flughafens Zürich. Analyst Patrick Creuset stuft die Papiere mit einem Zwölf-Monate-Kursziel von 194 (zuvor 174) Franken von "Neutral" auf "Buy" herauf. Seinen Berechnungen zufolge nimmt das Kurs- und Bewertungsniveau eine vom Gesetzgeber verfügte Kürzung der Flughafengebühren um mehr als 20 Prozent vorweg. Creuset hält das für übertrieben und sieht die Flughafenbetreiberin zukünftig im grossen Stil eigene Aktien zurückkaufen.

Sein Berufskollege Hugo Paternoster bei Helvea findet hingegen plötzlich wieder Gefallen an AMS. Riet er bis zuletzt zum Verkauf der Aktien des Sensorenherstellers aus Unterpremstätten, stuft er sie neuerdings mit "Add" ein. Und um seiner Kaufempfehlung das nötige Gewicht zu verleihen, zieht Paternoster das Kursziel auf 53,90 (zuvor 37,80) Franken kräftig nach. Wie der Analyst schreibt, schreitet die Integration der 3D-Sensortechnik auf die neusten Android-Geräte schneller als gedacht voran.

Von vielen Analysten unterschätzt: Die Kurserholung der Aktien von AMS seit Jahresbeginn. (Quelle: cash.ch)

Mit einem Plus von 80 Prozent seit Jahresbeginn führt AMS die Gewinnerliste bei den im Swiss Leaders Index (SLI) berücksichtigten Aktien unangefochten an. Paternoster muss sich den Vorwurf gefallen lassen, diese Kurserholung völlig verschlafen zu haben.

Analyst Gian Marco Werro von der MainFirst Bank findet hingegen sichtlich Gefallen an der Grossübernahme von Mobilezone in Deutschland. Er stuft deshalb die Aktien des Elektronikhändlers von "Neutral" auf "Outperform" herauf. Vom 12 Franken lautenden Kursziel leitet sich ein Aufwärtspotenzial von über 30 Prozent ab. Werro begründet seine Kaufempfehlung unter anderem mit der attraktiv hohen Dividendenrendite von fast 7 Prozent und sieht letztere nicht durch die Grossübernahme in Frage gestellt.

Ich wäre nicht überrascht, würden hierzulande in den kommenden Tagen weitere Kaufempfehlungen eintreffen. Ob man als Privatanleger diesen Empfehlungen Folge leisten sollte, steht wiederum auf einem anderen Blatt Papier.

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In wenigen Tagen feiert Polyphor das einjährige Börsenjubiläum. Allerdings steht dieser Tag unter keinem guten Stern. Denn seit Donnerstagabend ist bekannt, dass das Baselbieter Pharmaunternehmen die Entwicklung des Antibiotikums Murepavadin zur Behandlung von im Krankenhaus erworbenen Lungenentzündungen überraschend auf Eis legt. Dies, nachdem es bei mehr als jeder zweiten Patientinnen oder Patient zu einem Nierenversagen kam.

Was das genau für die Zukunft von Murepavadin bedeutet, lässt sich noch nicht genau sagen. Erst im Juli soll entschieden werden, ob die Studien fortgeführt werden oder nicht. Dem Unternehmen zufolge ist die intravenös verabreichbare, nicht aber die inhalierbare Version des Antibiotikums von den verheerenden Nebenwirkungen betroffen. Blöd nur galt in Analystenkreisen bisweilen vor allem die intravenös verabreichbare Version als kommerziell vielversprechend.

Das scheint auch die Börse so zu sehen, strafte sie die Aktien von Polyphor alleine in den letzten beiden Handelstagen doch mit einem satten Minus von mehr als 50 Prozent ab.

Die Aktien von Polyphor stürzten in den letzten Tagen regelrecht ab. (Quelle: cash.ch)

Als erster reagierte am Freitag Analyst Michael Nawrath von der Zürcher Kantonalbank auf die Neuigkeiten. Er zögerte nicht lange und stufte die Papiere von "Übergewichten" auf "Untergewichten" herunter. Die Wahrscheinlichkeit, dass es Murepavadin doch noch auf den Markt schafft, beziffert der bekannte Pharmaanalyst auf gerade mal 5 Prozent.

Am gestrigen Montag meldete sich mit der Deutschen Bank erstmals eine der beiden Hauptverantwortlichen des Börsengangs von Mitte Mai letzten Jahres zu Wort. Analyst Richard Parkes stufte die Aktien von "Buy" auf "Hold" herunter und strich das Kursziel auf 17 (zuvor 68) Franken zusammen.

Die Anlagekunden der grössten Schweizer Bank warteten hingegen mehrere Tage, bis sich auch die UBS endlich zum Produktrückschlag äusserte. Alles sei nur halb so schlimm, lässt der bekannte Pharmaanalyst Jack Scannell durchblicken. Er rechnet bei Murepavadin immerhin noch mit einer Zulassungswahrscheinlichkeit von 20 Prozent und sieht die übrigen Wirkstoffkandidaten nicht von den Problemen tangiert. Dementsprechend stutzt Scannell zwar das Zwölf-Monate-Kursziel auf 23 (zuvor 41) Franken zusammen, hält gleichzeitig aber an der Kaufempfehlung fest.

Ein solcher Rückschlag zählt nun mal zu den Alltagsrisiken eines in der Forschung und Entwicklung tätigen Unternehmens wie Polyphor. Dass die UBS ihre Anlagekunden mehrere Tage im Ungewissen lässt - nur um als mit dem Börsengang betraute Bank dann doch an der Kaufempfehlung festzuhalten - wirft kein sonderlich gutes Licht auf die Grossbank.
 

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